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Audi, BMW und Daimler zahlen 2,8 Mrd. Euro für Nokia Here

03.08.2015 | 10:05 Uhr |

Audi, BMW und Daimler haben die Übernahme von Nokia Here bestätigt. Die drei Firmen bezahlen nun aber doch etwas mehr.

Die Übernahme von Nokia Here durch Audi, BMW und Daimler ist offiziell. Audi und BMW haben die Übernahme, die seit dem 23. Juli mehr oder weniger bekannt war, jetzt in einer gemeinsamen Pressemitteilung bestätigt.

300 Millionen Euro mehr bezahlt

Anders als zunächst vermutet bezahlen die drei deutschen Automobil-Hersteller 2,8 Milliarden statt der ursprünglich gemeldeten 2,5 Milliarden Euro für Nokia Here. Das ist aber immer noch deutlich weniger als die 3,5 Milliarden Euro, die Nokia ursprünglich für seinen Kartendienst gefordert hatte. Während der Übernahme-Verhandlungen waren Uber und Facebook als Bieter für Nokia Here ausgeschieden.

Übernahme zu drei gleichen Teilen

Audi, BMW und Daimler übernehmen Nokia Here zu gleichen Teilen. Die zuständigen Kartellbehörden müssen der Übernahme aber noch zustimmen. Mit dem Abschluss der Übernahme sei für das erste Quartal 2016 zu rechnen.

Darum ist Nokia Here so wertvoll

Für die Automobil-Hersteller ist Nokia Here nicht nur ein wichtiger Lieferant von Kartenmaterial und Echtzeitverkehrsinformationen für die eingebauten Navigationssysteme der Automobil-Hersteller. Sondern Nokias exaktes Kartenmaterial wird besonders auch für die Experimente mit hoch- und vollautomatisiert fahrenden Autos benötigt, sowie für die Weiterentwicklung der bereits vorhandenen Fahrerassistenzsysteme und für alle Arten von ortsbezogenen Diensten.

Dabei werden hochpräzise digitale Karten mit Echtzeit-Fahrzeugdaten verbunden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und neue Produkte und Dienstleistungen zu ermöglichen. Auf Grundlage der gemeinsamen Rohdaten können alle Automobilhersteller ihren jeweiligen Kunden differenzierte und markenspezifische Dienste anbieten.

Mit vernetzten Autos, die Einzelinformationen wie ABS-Eingriffe und Außentemperatur erfassen und verwerten, und den Nokia-Daten können sich in naher Zukunft zum Beispiel Autos in Echtzeit zum Beispiel vor Glatteis waren. Auch aufkommende Staus können künftig noch präziser angegeben werden, was das Risiko von(Auffahr)-Unfällen reduzieren könnte. In einem weiteren Schritt könnten aus den Daten kritische Kurvendurchfahrungen erlernt werden, um den Fahrer rechtzeitig zu warnen oder Assistenzsysteme zu aktivieren. Denkbar ist auch das Antizipieren von Ampelphasen,um ein Fahrzeug mit angepasster Motorleistung und minimiertem Verbrauch auf einer ‚grünen Welle‘ durch die Straßen zu navigieren,wie Audi und BMW betonen.

Alle diese Technologien benötigen einen aktuellen und zentimetergenauen Umgebungsplan des Fahrzeugs, um frühzeitig reagieren zu können. Diese Kartendaten soll Here liefern.

Nokia Here steht auch anderen Unternehmen offen

Audi, BMW und Daimler wollen die Karten und Mobilitätsdienste von Nokia Here auch anderen Kunden aus der Automobilindustrie und anderen Branchen weiterhin zur Verfügung stellen – also beispielsweise auch Garmin. Garmin verwendet Nokia Here für seine Navigationsgeräte. Here stellt derzeit Karten und ortsbezogene Daten für knapp 200 Länder in mehr als 50 Sprachen bereit und ist einer der Hauptanbieter für Karten und ortsbezogene Dienste.

Nokia Here soll unabhängig agieren

Das Management von Here soll auch weiterhin unabhängig bleiben - mit dem Ziel, den Business Case von Here als für alle Kunden offene Plattform weiter voranzutreiben. Das Konsortium der drei deutschen Automobil-Hersteller wolle sich nicht im Tagesgeschäft engagieren, wie Audi, BMW und Daimler betonten.

Nokia will Netzwerk-Ausrüster werden

Nokia will den Kaufpreis dafür benutzen um seine Position als Netzwerkausrüster zu stärken. Denn die Finnen versuchen sich neu zu erfinden, nachdem sie ihr Smartphone-Geschäftan Microsoft verkauft haben. Mit dem Verkauf des Karten- und Navigationsdienstes Nokia Here, der in Berlin eine große Niederlassung hat, stößt Nokia also einen weiteren wichtigen Unternehmensbereich ab, der bisher eng mit der Marke Nokia verbunden war, aber laut der neuen Unternehmensstrategie nicht mehr zu Nokia passt.

Microsoft hat in der von Nokia übernommenen Mobil-Sparte aber bereits massiv Stellen angebaut: 2014 und 2015. Weil das Geschäft mit Lumia-Smartphones beziehungsweise Windows Phone nicht läuft.

 
 
 
 
 
 
 

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