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Auf Schmusekurs: Kooperation zwischen Intel und Nvidia soll enger werden

09.05.2007 | 14:13 Uhr |

Als im vergangenen Oktober Chiphersteller AMD den Grafik-Spezialisten ATI übernommen hat, witterte die Branche längst die nächste Fusion: Prozessorfabrikant Intel müsse gleichziehen und den anderen Grafikkarten-Hersteller Nvidia übernehmen. Die Schlacht der Chip-Riesen war abzusehen - doch vorerst herrschte Ruhe. Nun kochen erneut Gerüchte um eine engere Zusammenarbeit auf. Wie eng - das ist noch nicht abzusehen.

Die Fehde zwischen Advanced Micro System (AMD) und Intel ist mittlerweile 20 Jahre alt: 1986 entzog Intel dem Mitbewerber die Lizenz für den Nachbau von x86-Prozessoren, AMD entwickelte daraufhin eine eigene Pentium-Variante und unterbot die Preise des Konkurrenten für vergleichbare Chips. Das Rennen um Platz 1 in der Branche ging vergangenes Jahr in eine weitere Runde, als AMD im Sommer ankündigte, den Grafikkartenhersteller ATI für 5,4 Milliarden US-Dollar zu übernehmen und ihn im Oktober in das Unternehmen eingliederte. Intel kann im eigenen Haus nicht auf so ein breites Know-how im Grafikbereich zurückgreifen und wird von zahlreichen Marktbeobachtern nun in der Defensiv-Rolle gesehen. Bei der übersichtlichen Anbieterlage von Grafikprozessoren lag eine Übernahme von Nvidia durch Intel scheinbar auf der Hand. Beide Unternehmen wiesen diese Gerüchte vehement von sich. Die DigiTimes berichtet nun unter Berufung auf Zuliefererkreise von einem Kooperationsabkommen zwischen Nvidia und Intel, in dem der Grafikkarten-Hersteller seine Technologie für eine engere Zusammenarbeit eintausche. Wie genau, darüber schweigen die Quellen aus dem Markt der Hauptplatinen-Hersteller, denen Nvidia diese Pläne nur in Ansätzen vorgestellt hat.

Als möglich erscheint, dass Nvidia seine eigenen Aktivitäten im Mainboard-Markt intensivieren will und im Gegenzug Chip-Lizenzen von Intel bekommt. Branchenkreise werten diese Kooperation aber als riskant und warnen vor dem Verkauf vom sprichwörtlichen Tafelsilber: Schließlich stellt Intel selbst Grafikprozessoren her, die allerdings nicht die Leistungsfähigkeit der ATI- und Nvidia-Produkte erreichen.

Apple stünde mehr Grafikpower gut

Die engere Kooperation von Intel und Nvidia könnte sich positiv auf Consumer-Modelle aus dem Hause Apple auswirken. Der Mac mini sowie die MacBooks arbeiten mit Intels Onboard-Grafik GMA950, gerade dem kleinen Desktop-Mac stünde mehr Grafikleistung gut, um weitere Kundenkreise anzusprechen - insbesondere wechselwillige Gamer auf der Windows-Seite. Gerüchtehalber arbeite Apple bereits an Test-Geräten mit AMD-Prozessoren, solche Informationen erhöhen den Druck auf den Prozessorausrüster.

Mit dem Umstieg auf Intel-Prozessoren hat der Hersteller aus Cupertino sich auch die Möglichkeit geschaffen, auf x86-Konkurrenzprodukte auszuweichen - für Apple eine weit komfortablere Situation als mit den PowerPC-Chips aus dem IBM-Motorola-Konsortium. Intel wiederum will es sich nicht leisten, auf den Vorzeigekunden Apple zu verzichten, der die neuesten Chip-Technologien früher als die meisten anderen PC-Hersteller in seinen Produkten realisiert. AMD schließlich hätte Apple gern als Abnehmer.

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