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Auf der Jagd nach dem Apple I

06.05.2015 | 11:16 Uhr |

Noch vor zwei Jahren machte der Ur-Rechner von Apple durch hohe Preise Schlagzeilen in der Presse, in der letzten Zeit ist es still um die Legende geworden.

900.000 US-Dollar für eine Rechner-Platine ? Solche Preise kann man erzielen, wenn diese Platine "Apple I" heißt und in der IT-Geschichte als der erste Personal Computer gilt. Dass der erste Rechner von Apple zu einer Legende und zu einem beliebten Versteigerungsstück wurde, ist mehreren Umständen zu verdanken.

Zum einen wurden von Apple I nur 200 Stück gebaut, nach nur einem Jahr hatten Steve Jobs und Steve Wozniak den Nachfolger, den Apple II gebracht. Die letzte Charge davon wurde auch nicht verkauft, sondern stand herrenlos in Apples Büroräumen, Steve Jobs verschenkte die Platinen an zufällige Mitarbeiter der ersten Stunde. Momentan sind über 63 Stück im privaten und Museumsbesitz bekannt.

Zum anderen eignet sich die Entstehungsgeschichte fast perfekt für ein modernes Märchen: zwei Uni-Abbrecher schaffen in eigener Garage die Revolution auf dem IT-Markt und bringen den ersten Rechner, den sich auch ein Otto Normalverbraucher damals leisten konnte. Wie bei den vielen Märchen stimmt bei der Aussage nur die Hälfte, so haben wir beim Auktionshaus Breker nachgefragt, was es bei dem ganzen Apple-I-Hype auf sich hatte.

Entgegen dem verbreiteten Irrglauben, die beiden Steves haben ihre Bastelarbeiten in der Garage betrieben, wurde die erste Charge des Apple I bei Steve Jobs im Haus zusammen geschraubt.

Dieses Bild hat das Auktion Team Breker bei der Versteigerung im November 2013 gezeigt: Die ersten 50 Stück des Apple I waren noch direkt im Haus bei Steve Jobs zusammengebaut und gelagert.
Vergrößern Dieses Bild hat das Auktion Team Breker bei der Versteigerung im November 2013 gezeigt: Die ersten 50 Stück des Apple I waren noch direkt im Haus bei Steve Jobs zusammengebaut und gelagert.
© Auktion Team Breker

Erst später sind die beiden ausgezogen, als der Platz im Haus knapp wurde. Der erste Apple-Rechner war ein Gerät für Bastler und Liebhaber, zwar war er durchaus erschwinglich und bereitete durch die Ideen von Steve Wozniak den Weg für seine Nachfolger, doch er hatte durch seine begrenzte Kapazität ( 4 KB RAM ) kaum praktische Anwendungen. Die Käufer sollten noch zusätzlich die Tastatur, den Bildschirm und eine Form des Netzwerkanschlusses kaufen und selber anschließen.

Was ist ein Apple I wert?

Richtig hochgehyped wurde der Apple I als Sammelstück erst in den Jahren 2010 bis 2013, als die Firma Apple wieder verstärkt in den Medien vertreten war, dazu war nur eine sehr kleine Zahl von der Platinen erhalten. Lediglich sechs davon galten damals als funktionstüchtig. Eben diese funktionierende Apple-I-Rechner erzielten bei den Versteigerungen sechsstellige Beträge, wie zum Beispiel 2012 bei Sotheby's oder im Mai 2013 beim Auktionshaus Breker . Doch schon 2014 hatte das bestdokumentierte Exemplar (ursprünglich von Steve Jobs direkt an eine Privatperson verkauft) bei Christies nicht den anvisierten Preis erzielt.

Auch das Auktionshaus Breker plant nach eigenen Angaben keine weitere Versteigerungen der Rarität. Grund dafür sind sind vor allem die hohen Preise, die bei den vergangenen Versteigerungen möglich waren. Die Besitzer einer solchen Platine gehen momentan das Risiko ein und machen das Gerät funktionsfähig in der Hoffnung, ähnliche Summe bei den nächsten Versteigerungen zu erzielen. So sind im Moment rund zwanzig startfähige Apple I bekannt, noch vor drei Jahren waren es sechs. Das gestiegene Angebot drückt wiederum auf die Preise, das heißt, die spektakulären Versteigerungen des Ur-Rechners von Apple sind in der nächsten Zukunft nicht zu erwarten. Die Sammler des Apple I müssen wohl wieder auf Ebay zurückgreifen, wo solche Raritäten der Computer-Geschichte den Besitzer wechseln.

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