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Auf der dunklen Seite der Macht

02.10.2003 | 11:27 Uhr |

Auch für Macianer gibt es Gründe, gelegentlich auf einen Windows-PC auszuweichen. Wie sich das mitunter "anfühlt", schildert Macwelt-Autor Thomas Hartmann.

"Die dunkle Seite der Macht"?! - Zugegeben, diese Charakterisierung ist etwas übertrieben, um damit die Einflusssphäre von Anwendern zu kennzeichnen, die das weltweit und weitaus dominierende Betriebssystem Windows nutzen. Doch wenn man realiter einen überwiegend schwarz geratenen Dell-PC neben einem hellen und im Vergleich fast leuchtend schimmernden G4-Power-Mac vor sich stehen sieht, lässt sich diese Metapher aus der Star-Wars-Mythologie fast mit Händen greifen. Keine Frage: Trotz unübersehbarer Fortschritte im Design der "Dosen" wirkt ein Mac dagegen immer noch deutlich stylischer und formal-ästhetisch gelungener als die meisten PCs aus dem Windows-Lager.
Anzumerken immerhin: Deutlich leiser als unser G4 "Quicksilver" von 2001 ist der Dell-PC allemal.

Aber es gibt wesentlich gewichtigere Anlässe, zumindest partiell auf die dunkle Seite der Macht zu wechseln. Etwa wenn am Arbeitsplatz ausschließlich Windows-Rechner stehen und man dort gar keine Alternative vorfindet. Oder wenn man auf spezielle Software angewiesen ist, die tatsächlich exklusiv oder zumindest in dieser Qualität nur für Windows verfügbar ist. Im konkreten Fall des Verfassers ist das Spracherkennungssoftware. Hier hat er sich jahrelang mit IBM Via Voice für das klassische Mac-OS abgekämpft . Denn mag die Erkennungsquote am Anfang noch beeindrucken - irgendwann geht es nur noch sehr langsam weiter, und die deutschsprachige Mac-Software nahm an der Weiterentwicklung der Spracherkennung nicht mehr Teil. Zudem lässt sich mit dem Programm diktieren, aber nicht das Betriebssystem oder die Maus steuern. Seltsam, da das Mac-OS seit Alters her mit einer eingebauten, wenn auch etwas rudimentären Spracherkennungsoption daher kommt.
Als nun endlich ein Testexemplar von iListen Deutsch für das klassische Apple-Betriebssystem wie auch Mac-OS X beim Autor eintraf, war er entsetzt, denn eine so schlecht umgesetzte Software hatte er auf seinem Mac bisher noch nicht laufen gehabt. IBM Via Voice für Windows XP funktioniert dagegen zwar auch nicht zu hundert Prozent perfekt, aber doch mit einer beeindruckenden Trefferquote, die Freude aufkommen lässt. Nicht jeder braucht Spracherkennung - aber es gibt andere Beispiele in dieser Richtung.

Performance hüben und drüben

Die zu erwartende Leistungsfähigkeit unseres Dell-PCs mit aktuellem Windows XP, 2,8 GHz Intel-Prozessor mit Hyperthreading sowie Nvidia Geforce FX 5200 mit 128 MB VRAM (auf dem PC-Markt nur eine Einsteigerkarte) und einem immer noch deutlich günstigeren Preis im Vergleich zu Macs allein kann es freilich allein nicht sein. Denn zum Arbeiten und für die aktuell erhältlichen Spiele für die Apple-Rechner reicht deren Leistungsfähigkeit allemal aus. Vom neuen G5 haben wir da noch gar nicht gesprochen.

Doch Windows-Spiele - in der Tat. Das muss man nicht weiter erwähnen, die gibt es praktisch alle sofort verfügbar und günstig obendrein. In dieser Beziehung droht Mac-Deutschland in der Provinzialität zu versinken, denn spätestens seit dem neuen Jugendschutzgesetz herrscht hier beinahe Stillstand. Es dauert einfach zu lange, bis Spiele in Deutschland lokalisiert und auf dem Markt sind. Früher war das einfacher - da bestellte man sich einfach die Originaltitel. Etwa Adventures wie "Star Trek - A Final Unity" (bei Pandasoft für DM 129,- gekauft...) - natürlich mit den amerikanischen Originalstimmen. Oder das englischsprachige Ägypten-Abenteuer mit Science-Fiction-Flair "Secrets of the Luxor" - das waren trotz der damaligen Hochpreise intensive Eindrücke auf dem Mac von Spielen, die praktisch gleichzeitig mit dem US-Markt verfügbar waren. Vorbei. Originaltitel - selbst ein "harmloses", weil gewaltfreies Spiel wie Sim City 4 - lassen sich nur über Umwege und teuer dazu erwerben (vgl. zu dieser Problematik auch das ausführliche Macwelt-Interview mit Playmax und Application Systems Heidelberg :Zoff im Spiele-Markt ).

Wer bis hierher gelesen hat und meint, unter Windows XP sei nun das Schlaraffenland eines allzeit stabilen und Benutzer freundlichen Betriebssystems ausgebrochen, irrt allerdings. Tatsächlich präsentiert sich das aktuelle Microsoft-Betriebssystem deutlich verbessert gegenüber seinen Vorgängern. Die Herkunft von Windows NT macht sich dabei stark bemerkbar. Doch Abstürze gehören trotzdem keineswegs der Vergangenheit an. Selbst die für Windows XP eigentlich tot gesagte "Blue Screen" taucht in einer auch nicht sehr trostreichen Variante wieder auf: Bei einem Treiberkonflikt schaltete sich das System mehrfach schlichtweg ab. Wir mussten den Computer komplett herunterfahren und einen kalt starten, um weiter arbeiten zu können. Die Ursache lag zugegebenermaßen in einem für Windows XP nicht signierten Treiber für den ISDN-Adapter Minivigor 128 von Draytek, der seinen Dienst schon längere Zeit unter verschiedenen Macs verrichtet hatte. Nach einigem Ausprobieren mit diversen Treibern und Konfigurationen klappte aber auch das anstandslos. Nebenbei erwähnt ist in wirklich schweren Konfliktfällen etwa nach der Installation von Treibern die "Wiederherstellen"-Funktion in Windows XP (aus ME übernommen) Gold wert: Windows XP fertigt in definierbaren Abständen oder eben bei einer Neuinstallation von Programmen eine Art "Snapshot" des Gesamtsystems an. Per Knopfdruck und Neustart kehrt man zu einem funktionierenden Zustand einfach zurück (Rollback). In den beiden Fällen, als wir zur Anwendung dieser Funktion genötigt waren, klappte es einwandfrei. Sehr wahrscheinlich, dass sich einen solchen Komfort auch mancher Macianer gewünscht hätte, nachdem bei einigen Anwendern das Update auf Mac-OS X 10.2.8 Probleme verursachte.

Insgesamt ist einzuräumen: Nachdem das System erst einmal wie gewünscht mit Programmen und Treibern eingerichtet war, beruhigte sich das Problem mit den anfangs recht häufigen Abstürzen rapide. Offensichtlich sind nicht nur Macs "sensibel".

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