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Auf und Ab in der Chipindustrie

06.06.2002 | 15:11 Uhr |

Stellvertretend für die gesamte PC-Industrie veröffentlichen die Chiphersteller monatlich wechselnde Prognosen. Nach einigen düsteren Quartalen meldet die Branche für April erstmals wieder einen Aufwärtstrend.

Der Branchenverband der Chipverkäufer und -hersteller, Semiconductor Industry Association (SIA), hat es nicht leicht. Nach dem desaströsen Jahr 2001, in dem die ganze Branche riesige Umsatzeinbrüche hinnehmen musste, erholt sich der Markt nur langsam. Nach Angaben von Gartner-Dataquest waren die weltweiten Kapitalausgaben im Halbleitermarkt von rund 63 Milliarden Dollar im Jahr 2000 ein Jahr später auf etwas mehr als 40 Milliarden Dollar gesunken. Das amerikanische Handelsministerium verzeichnete zwischen 1995 und Mitte 2000 eine permanent gestiegene Zahl an in den USA produzierten Elektronikbausteinen. Ende 2000 stürzte die Produktion jedoch um 30 Prozent ab. Die Zahlen der SIA beziehen sich zwar überwiegend auf Absätze aus den Bereichen Netzprodukte, Handy, Modem, Spielekonsolen oder Settop-Boxen, sind jedoch auch ein gutes Indiz für die Situation am PC-Markt. So lange die Hersteller keine größeren Stückzahlen an Prozessorbausteinen absetzen können, werden auch die Stückzahlen verkaufter Rechner nicht weiter zunehmen.

So ist es nur verständlich, dass man sich an jeden Strohhalm klammert, der einen positiven Trend bedeuten könnte. Wie hoch die Ausschläge nach oben und unten in den Prognosen der ersten sechs Monate 2002 ausgefallen sind, zeigt ein Blick ins News-Archiv unserer Schwesterzeitschrift Computerwoche:

Februar
Unter der Überschrift "SIA sieht Silberstreif am Horizont" berichtet die Computerwoche über eine erste vorsichtige Einschätzung des Branchenverbandes. Damals dankte SIA-Chef George Scalise die vergleichsweise guten Zahlen im vierten Quartal 2001 einer soliden Nachfrage bei Handhelds und PCs. Die Situation außerhalb des japanischen Markts stimmte Scalise hoffnungsvoll: "Im ersten Quartal 2002 erwarten wir gegenüber den vergangenen drei Monaten einen gleich bleibendes oder leicht steigendes Umsatzniveau."

März
Im März folgt der erste Rückschlag. Die Chipumsätze fallen um 1,7 Prozent, die Branche ist demzufolge in einer Krisenstimmung.

Anfang April:
Mit der Meldung "Halbleitermarkt bricht um 35 Prozent ein" setzt die Computerwoche Anfang April den negativen Trend fort. In Europa fällt das Ergebnis noch düsterer aus, hier büssen die Chiphersteller 37 Prozent Rückgang im Vergleich zum Vorjahr ein. Einzige Hoffnung sind die wachsenden Umsätze aus dem Verkauf von DRAM-Bausteinen, die jedoch die Einbrüche in anderen Bereichen nicht auffangen können.

Ende April
Die Headline "Chipmarkt erholt sich nur schrittweise" leitet die Trendwende ein. Gute Absatzzahlen bei einigen Herstellern von Netzbausteinen veranlassen die SIA, für das laufende Jahr mit einer Umsatzsteigerung um sechs Prozent zu rechnen, im Jahr 2003 soll das Geschäft sogar um ein Fünftel steigen. Leider gilt die Trendwende nicht für den Bereich PC-Prozessoren. Sowohl Intel als auch AMD bleiben in ihren Prognosen ausgesprochen vorsichtig.

Mai
Der Aufwärtstrend festigt sich, im März steigen die Umsätze aus den Chipverkäufen um 7.2 Prozent gegenüber dem Vormonat - die Computerwoche titelt "Chipmarkt wächst rasant". Und wieder sind es die DRAMs, die mit einem Wachstum von 82,4 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres 2002 maßgeblich zu den guten Ergebnissen beitragen.

Juni
Der sanfte Aufwärtstrend manifestiert sich mit einem Umsatzplus von 3,1 Prozent im April. Das Volumen des Halbleitermarktes wächst nach Angaben der SIA auf 11,07 Milliarden US-Dollar und veranlasst SIA-President George Scalise zu der Prognose, das "moderate Wachstum des ersten Halbjahres werde sich für den Rest des Jahres fortsetzen" (Computerwoche am 3.6.2002).
mbi

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