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Aus der Traum vom Reichtum

30.03.2001 | 00:00 Uhr |

Viele brachen das College ab, andere wurden
frisch von der Uni weg mit riesigen Gehältern geködert, und fast alle
arbeiteten bis zu 80 Stunden die Woche in einer der Tausenden neuen
Internetfirmen in den USA.

Dann kam die große Ernüchterung in der Internetbranche, und nun
stehen im legendären Silicon Valley Tausende junger Leute, die vor
kurzem noch dicke Autos fuhren und in teuren Restaurants aßen,
erstmals auf der Straße.

Die 29-jährige Melissa Sheridan kann es immer noch nicht fassen:
«Ich habe nie einen Arbeitslosen gekannt. Nun ist jeder, den ich
kenne, arbeitslos», klagt sie. Der 28-jährige Scott Heiferman war bis
vor kurzem noch Chef einer jener legendären Start-Up-Firmen, die mit
einer guten Internet-Idee und einem großen Kredit schnell viel Geld
machen wollen. Im vergangenen Jahr brach sein Traum zusammen. Er fiel
in ein tiefes Loch und, um überhaupt noch etwas zu machen, brutzelte
er für ein paar Wochen bei McDonald's Hamburger, erzählte er der
Zeitung «USA Today».

Zu den Pleiten zahlreicher Internetfirmen kamen spektakuläre
Entlassungen bei den Onlinesparten großer Konzerne wie Disney, AOL
Time Warner oder der «New York Times» hinzu. Die Fachzeitschrift
«Industry Standard» richtete auf ihrer Internetseite einen ständig
aktualisierten Arbeitslosenzähler für die Branche ein: Er
verzeichnete bisher über 73 000 Entlassungen.

Der Psychologe Robert Chope wies im Fernsehsender NBC darauf hin,
dass die Entlassungen die lange vom Erfolg verwöhnten jungen Menschen
am härtesten trifft. Die einstigen Helden der Internetgeneration
seien eine ständig wachsende Wirtschaft gewohnt gewesen. Nun seien
viele von ihnen geradezu in Panik.

Andere, die ihre Aktienanteile noch rechtzeitig vergolden konnten,
genießen nach ihrem harten Rund-um-die-Uhr-Jobs das süße Nichtstun.
«Das Beste, was mir passieren konnte, war es, meinen Job zu
verlieren», strahlt die 28-jährige Alli Ehrenberg. Die ehemalige
Webdesignerin genießt ihr Leben jetzt in vollen Zügen, macht Yoga und
bereitet sich statt auf das nächste Meeting nun auf ihre Hochzeit
vor. Die «New York Times» stellte denn auch fest, dass es manchmal
schwer sei, für die ehemaligen «goldenen Jungs und Mädchen» Mitleid
zu empfinden.

Für die weniger glücklichen Opfer der Internet-Pleiten bietet das
Internet aber auch Hilfe. Der Jobvermittler Monster.com wird seit
Monaten mit Bewerbungsunterlagen förmlich überflutet. Viele finden
auch schnell eine neue Stelle, doch viel sicherer muss der Job auch
nicht sein. Die 32-jährige Stacy Drake war glücklich, dass sie nach
der Entlassung bei HomeGrocer.com schnell wieder eine Stelle bei dem
Auktionshaus Bidpath.com fand. Doch nach ein paar Wochen ging auch
dieser Firma das Geld aus, und sie musste ihren Schreibtisch wieder
räumen.

Sie sei geschockt gewesen, erklärt Drake, und ihr erster Gedanke
nach der zweiten Entlassung sei es gewesen, sich erst einmal mit
Shoppen zu trösten. Doch dann habe sie entschieden, ihr Geld lieber
doch ein wenig zu sparen. Die 32-jährige bleibt aber auch nach dem
doppelten Internet-Flopp optimistisch und rechnet damit, spätestens
in drei Monaten wieder einen Job zu haben.
dpa

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