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Aus für "Apotheke im Internet"

09.11.2000 | 00:00 Uhr |

Der Vertrieb von Medikamenten über das
Internet ist am Donnerstag vom Landgericht Frankfurt verboten worden.
Das Gericht erließ auf Antrag des Deutschen Apotheker-Verbandes und
eines deutschen Pharmaunternehmens eine einstweilige Verfügung gegen
eine Apotheke in den Niederlanden.

Diese nahm über das Internet Bestellungen von Arzneimitteln an und
belieferte deutsche Verbraucher vergleichsweise billig. Das Gericht
betrachtete den Internet-Vertrieb als Verstoß gegen das deutsche
Arzneimittelgesetz sowie gegen das Heilmittel-Werbegesetz (Az.: 2-03
O 365/00 und 2-03 O 366/00).

Die niederländische Apotheke «Doc Morris» kündigte an, sich gegen
die einstweilige Verfügung wehren zu wollen. Das Unternehmen hatte
sowohl verschreibungspflichtige als auch rezeptfreie Medikamente
angeboten. Das Sortiment von rund 1 100 Arzneimitteln richtete sich
nach Darstellung der Firma vor allem an «preisbewusste Patienten mit
planbarem Bedarf». Rezeptpflichtige Medikamenten wurden nur nach
Übermittlung des Rezepts an die Internet-Apotheke abgegeben. Die
Apotheke versprach eine Lieferung innerhalb von 48 Stunden per Boten.

In der Begründung hob das Gericht hervor, die Verletzung des
deutschen Arzneimittelgesetzes wiege besonders schwer, da die
Vorschriften dem allgemeinen Schutz der Gesundheit dienten. Die
Apotheke richte sich nach dem niederländischen Recht über die
Zulassung von Medikamenten. Damit bestehe die Gefahr, dass in
Deutschland nicht zugelassene Medikamente an deutsche Verbraucher
geliefert würden. Zudem verbiete das deutsche Arzneimittelgesetz
generell den Versandhandel mit Medikamenten. Allerdings bemerkte das
Gericht auch, dass das deutsche Verbot des Versandhandels
«möglicherweise nicht für alle Zeiten aufrechterhalten werden kann».

Die Apotheker-Verbände begrüßten die Entscheidung. «Die
eigentlichen Sieger sind jedoch alle Patienten in Deutschland», sagte
der Vorsitzende des Deutschen Apotheker-Verbandes, Hermann Stefan
Keller, in Eschborn. Das Versandverbot für Arzneimittel sei «gelebter
Verbraucherschutz» und diene vor allem der Arzneimittelsicherheit.
Das Verbot werde von der großen Mehrheit der Apotheker als
gesundheitspolitisch notwendige Beschränkung ihrer wirtschaftlichen
Aktivitäten akzeptiert.

Die niederländische Apotheke akzeptiert das Urteil nicht. «Wir und
unsere zehntausend Kunden in ganz Europa werden uns nicht von dieser
Entscheidung in die Illegalität treiben lassen», sagte Marketingchef
Jens Apermann am Donnerstag. Die einstweilige Verfügung werde erst
rechtskräftig, wenn sie in den Niederlanden zugestellt sei. Die
Landgerichte Hamburg und Berlin hätten bereits ähnliche
Entscheidungen zu Gunsten von «DocMorris» niedergeschlagen.
dpa

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