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Jailbreak ist legal

27.07.2010 | 07:24 Uhr |

Die US-Nationalbibliothek hat Jailbreak für die nächsten drei Jahre auf die Liste der Ausnahmeregelungen gesetzt, die nicht dem Urheberrecht unterliegen werden. Während der Einsatz von Jailbreak somit legal ist, bleibt es unwahrscheinlich, dass iPhone-Anwender jetzt scharenweise das Erlöschen der Apple-Garantie in Kauf nehmen, um außerhalb des App Stores zu shoppen.

Gehacktes iPhone mit Jailbreak
Vergrößern Gehacktes iPhone mit Jailbreak

In den USA ist es offiziell kein Verstoß gegen das Urheberrecht mehr: Die Entscheidung der Library of Congress (LOC) besagt, dass gegen Kunden keine Strafverfolgung gemäß dem US-Urheberrecht Digital Copyright Millennium Act (DCMA) eingeleitet werden wird, wenn diese Sicherheitsvorkehrungen an ihren Smartphones aushebeln um ungenehmigte Anwendungen zu installieren ( Jailbreak).

Die erste Eingabe, um eine Ausnahmeregelung für Jailbreaking zu erlangen, fand bereits in 2008 durch die Bürgerrechtsbewegung EFF (Electronic Frontier Foundation) statt. EFF verlangte, dass für persönlichen Gebrauch die Kunden alle legal erworbene Programme von Dritt-Herstellern installieren dürfen. Die Eingabe wurde offiziell von zwei Softwareherstellern unterstützt: Mozilla und Skype . Apple hingegen argumentierte, dass jede Legalisierung von Jailbreak den Raubkopierern Tür und Tor öffnen wird und außerdem die Support-Kosten von Apple drastisch steigen werden.

Was hat eine Ausnahmegenehmigung in Sachen Urheberrecht?

Die DMCA verbietet ausdrücklich den Einsatz von Technologien, die Kopierschutz wie DRM (Digital Rights Management) aushebeln. Alle drei Jahre jedoch stellt LOC jedoch eine Liste von Materialien zusammen, die nicht unter das Urheberrecht fallen sollen. Diese Ausnahmeregelungen sind jeweils nur für drei Jahre gültig und umfassen bisher den Gebrauch von kopiergeschützten Materialien im Beildungsbereich, für Dokumentationen von Filmregisseuren, nicht-gewerblichen Videos, Software zum Verbindungsaufbau von Handys zum Telefonnetz, Zerstörung von Kopierschutz von Videospielen für Testzwecke, Einsatz von alten Computerprogrammen, deren Dongle nicht mehr funktioniert, und E-Bücher, deren Zugriffsschutz den Einsatz von Leseprogrammen oder Vorlesefunktionen verhindert.

Was verspricht nun legalisiertes Jailbreaking?

Jailbreaking wird seit dem Launch des Ur-iPhones eingesetzt und konnte trotz Modifikationen in der Firmware durch Apple nicht erfolgreich verhindert werden. Apple hat jedoch nie eine offizielle Klage gegen Kunden mit jailbroken iPhone oder Hersteller der Jailbreak-Methoden eingereicht. Mit der Entscheidung der LOC können nun Programmiere legal Software für iPhones erstellen, die keine Zulassung zu Apples App Store braucht.

Wie gesagt, im Zweifelsfall, wenn sie nicht verlängert wird, gilt diese Ausnahmegenehmigung nur für die nächsten drei Jahre. Auch wenn der Einsatz von Jailbreak legal ist, erlischt dennoch Apples Garantie für das Gerät und nur ein vernachlässigender Prozentsatz aller Millionen iPhone-Besitzer geht dieses Risiko ein. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Mozilla auf diese Randgruppe setzt und dafür einen Mobile-Version von Firefox für das iPhone entwickelt. Ebenso unwahrscheinlich ist, dass als Reaktion auf diese Ausnahmeregelung Apple seine Vertragsbedingungen zum Entwickeln von iPhone-Software lockern werden.

Genau genommen könnte der Schuss nach hinten losgehen: Apple könnte alle Beschwerden über die Zulassungsbedingungen im App Store locker abweisen mit dem Argument, dass jede App, die nicht Apples Standard entspricht, doch problemlos via Jailbreak eingesetzt werden könnte und Apple somit keineswegs etwa die Konkurrenz unterdrückt. Weitreichende technische Neuerungen durch diese Ausnahmegenehmigung bleiben jedoch eher unwahrscheinlich.

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