920120

Ausverkaufter iPod mini: Wie lange werden die Kunden warten?

09.03.2004 | 16:58 Uhr |

Der Erfolg des iPod mini, der sich in leergekauften Apple Stores in den USA niederschlägt ist erfreulich, aber wie oft kämpft Apple mit argen Lieferproblemen und droht Marktanteile und bares Geld an die Konkurrenz zu verlieren.

Spätestens seit den zahlreichen Vorbestellungen für den iPod mini war der Erfolg des kleinen Digital-Players absehbar und Apple hätte auf die große Nachfrage reagieren können. Der auf der Keynote von Steve Jobs für März angekündigte Verkaufsstart der farbigen iPod minis wurde jedoch um einige Wochen vorverlegt. Was anfangs vielleicht als Entgegenkommen gegenüber der hohen Nachfrage von 100.000 Vorbestellungen gedacht war, wird nun zum Problem. In vielen Läden in den USA sind die Geräte nicht in ausreichender Stückzahl vorhanden und ausverkauft. Apple gibt auf seiner Internetseite inzwischen eine Lieferzeit von ein bis drei Wochen an. Auch große Online-Versandhäuser wie Amazon und Best Buy haben keine iPod minis mehr vorrätig. Georg Albrecht von Apple Deutschland kommentiert das Lieferproblem mit den Worten: "Wir freuen uns über den Erfolg des iPod mini."

USA Today hingegen zitiert Verkäufer in den USA, die von Kunden berichten, die Konkurrenzprodukte wie den MP3-Player MuVo2 von Creative kaufen, da der iPod mini nicht verfügbar ist. Das Gerät bietet ebenfalls eine Speicherkapazität von vier Gigabyte und kostet 200 Dollar - fünfzig weniger als Apples neuer iPod. Ein Verkäufer des New Yorker Megastores J&R meint, dass er bereits 54 Stück der "iPod mini killer" verkauft habe, nachdem die iPod minis in kurzer Zeit ausverkauft waren. Und hier liegt Apples Problem und Chance: Während der iPod bereits eine neue Klientel für Apple gewonnen hat, macht sicher der Mini-iPod daran weitere Kundenkreise zu erschließen, eine Entwicklung die Apple nur gut tun kann und auch dem iTunes Music Store zuträglich ist. Vor allem Teenager und eine sportliche Kundschaft würden sich für den iPod mini interessieren, schreibt USAToday. Ob diese neu gewonnen Kunden allerdings bereit sind, wie treue Mac-Fans wochenlang auf ein Gerät zu warten ist mehr als fraglich. Und so wird Apple das gewonnene Interesse schnell verspielen, sollten die Lieferprobleme anhalten. Neben dem Unsatz und guten Gewinnmargen beim iPod verliert Apple so auch seine Kundschaft an die Konkurrenz. Ein Analyst von NPD sieht noch kein Problem in den Lieferschwierigkeiten, Steve Baker warnt aber laut USA Today vor zu langen Wartezeiten der iPod minis, die sich schädlich für Apple auswirken könnte. Neben Creative bringt auch Rio Audio immer bessere und konkurrenzfähigere MP3-Player auf den Markt. Laut Apple ist das Lieferproblem nicht auf Zulieferer zurückzuführen, sondern lediglich auf die große Nachfrage der Kunden.

Das Warten auf Apple-Produkte ist eine altbekannte Begleiterscheinung von Steve Jobs' Produktneuvorstellungen. Erst gestern bestätigte der Mac-Hersteller gegenüber unserem Schwestermagazin Macworld UK, dass es bei den im Januar angekündigten Xserve G5 Lieferschwierigkeiten gäbe. Durch großes Kundeninteresse würde sich der Liefertermin auf März verzögern. Und auch bei der Einführung der neuen Alu-Powerbooks Ende vergangenen Jahres klagten Kunden über ständig verschobene Lieferzeiten. Selbst das 14-Zoll iBook war vor wenigen Wochen zumindest in München nicht zu kaufen.

Woran also liegt es, dass Cupertino seine Fans und Kunden wochenlang hinhält? Ist es das Verkaufs-Desaster des Cube, dass Apple noch in den Knochen steckt? Der überteuerte Design-Rechner dürfte noch haufenweise irgendwo vergraben liegen, in den unendlichen Weiten der Wüste. Vielleicht ist es aber auch nur ein schlauer Trick von Apple, um in den Schlagzeilen zu bleiben und die Nachfrage hoch zu halten. Denn Lieferschwierigkeiten aufgrund der hohen Nachfrage sind letztendlich die beste Werbung.

Kategorie

Info

MP3-Player

Preisvergleich

0 Kommentare zu diesem Artikel
920120