Von Simon Hülsbömer - 26.01.2012, 05:21

Babettes E-Mail "an alle"

E-Mail-Server des Bundestags lahmgelegt

Weil sie eine banale E-Mail "an alle" schickte, hat die Mitarbeiterin einer Grünen-Abgeordneten für einen Server-GAU und das "Kürschnergate" im Bundestag gesorgt.
Gestern morgen um 9.20 Uhr nahm das Drama seinen Lauf. Die bundestagseigene Stelle für Informationsmaterial verbreitete per Rundmail die Botschaft, dass der neue "Kürschner" nun erhältlich sei - das Handbuch "Gesetzliche Grundlagen, Geschäftsordnungen. Deutscher Bundestag - Bundesrat - Bundesregierung". Ein Standardwerk in Berliner Regierungskreisen. Klar, dass jeder das Werk sofort haben möchte. Keine halbe Stunde später kommt deshalb die Antwort von Babette Schulz, einer Karlsruher Wahlkreismitarbeiterin der Grünen-Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl: "Liebe Britta, wenn Ihr euch eindeckt, bringt Ihr mir eins mit? Danke und herzliche Grüße, Babette". Dumm nur, dass Babette die Mail per "Allen antworten" verschickt - so geht sie hinaus an weit mehr als 4000 Adressen von Abgeordneten, Fraktionsmitarbeitern und Verwaltungsangestellten.
Bisher war die Geschichte noch lustig, doch nun wird es ernst. Um 11.20 Uhr kommt die Antwort eines SPD-Büros - wieder an alle. Diesmal geht es schon nicht mehr ganz so banal zur Sache. Von E-Mail-Regeln ist da die Rede und Zurückhaltung beim Verwenden der Funktion "Allen antworten". Im Folgenden dann bricht sich der Wahnsinn Bahn: Auf einmal fühlen sich viele angesprochen - einige machen Witze über DAUs, andere verlangen die Löschung ihrer Adresse aus dem Bundestagsverteiler. Die Mails unter dem Betreff "AW: Kürschners Handbuch Gesetzliche Grundlagen, Geschäftsordnungen" häufen sich und füllen die Postfächer bis zur Unendlichkeit.
Alsbald entsteht der Twitter-Hashtag #kürschnergate, unter dem ab sofort Anekdoten, Witze und sogar Verlosungsaktionen gestartet werden. In der Facebook-Gruppe "Babette war's" geht das humorige Fachsimpeln weiter. Quintessenz: Die Mailserver des Bundestags sind überlastet, an ein normales Arbeiten ist heute nicht mehr zu denken. Die IT-Experten sehen sich zu einer allgemeinen Informationsmail gezwungen, in der sie noch einmal vor dem "derzeitigen Missbrauch" des E-Mail-Systems warnen und "Zustellverzögerungen von bis zu 30 Minuten" ankündigen.
Passend da der Tweet eines "hihrince" von 16.55 Uhr, als #Kürschnergate so langsam den Sonnenuntergang entgegen strebt: "Ein Hoch auf die digitale Kompetenz". Vielleicht wäre der Vorfall ja etwas für den Praxistrack "Beispiele aus dem politischen Alltag" auf dem nächsten IT-Gipfel… Und wenn das auch nichts hilft, dann lesen Sie doch unseren Klassiker "14 Regeln für den E-Mail-Verkehr":
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