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Backup-Software für 2000

05.11.1999 | 00:00 Uhr |

Die Macintosh-Company Dantz hat vor kurzem ihre Backup-Software Retrospect in einer neuen Version für das Mac-OS und Windows auf den Markt gebracht. Das Unternehmen hat jedoch nicht nur neue Funktionen hinzugefügt, sondern auch das komplette Erscheinunsbild der Anwendung geändert. Zudem plant Dantz neue Versionen für den Windows- und Linux-Markt. Macwelt hat sich mit Craig Isaacs, zuständig für das internationale Marketing bei Dantz, über die Produktstrategie und Firmenziele des kalifornischen Unternehmens unterhalten.

Macwelt: Die Backup-Software Retrospect liegt nun in der Version 4.2 vor. Welche Funktionen sind neu?

Craig Isaacs: Retrospect 4.2 hat einige neue Funktionen und das Update ist kostenlos für Benutzer von Retrospect 4.1. Zunächst haben wir das Produkt um Mac-OS-9-Funktionen erweitert.

Darüber hinaus kann man nun neue Lizenzen in der Server-Anwendung hinzufügen, die für Clients aller Plattformen funktionieren. Fortan muss man nicht mehr zwischen Windows- und Mac-Clients unterscheiden und die Client-Pakete eignen sich für beide Plattformen.

Neu ist die eingebaute DES-Verschlüsselung, die jetzt auch in den internationalen Versionen vorhanden ist.

Schließlich machen es einem die erweiterten Netzfunktionen einfach, Computer über ein Netzwerk zu sichern. Administratoren legen dabei IP-Adressbereiche fest und Retrospect stellt sicher, dass nur Clients innerhalb dieser Subnetze verwendet werden. Unternehmen, die in ihren Firmennetzen DHCP-Adressvergabe verwenden, können nun problemlos Rechner sichern, sogar über mehrere Router hinweg.

Macwelt: Warum hat Dantz den Namen und das Design von Retrospect verändert?

Craig Isaacs: Wir vertreiben immer mehr Produkte über internationale Distributoren und wollten eine Lösung finden, mit der sich alle Kunden identifizieren können. Die neuen Namen sollen außerdem unsere Zielgruppe besser adressieren und das Wort "Backup" steht nun im Vordergrund.

Macwelt: Wie wichtig sind die Internet-Backup-Funktionen? Dantz arbeitet mittlerweile mit Internet Backup Provider (IBP) zusammen, die die Kundendaten speichern.

Craig Isaacs: Das Internet-Backup ist noch immer ein neuer Bereich für Dantz. Wir haben derzeit vier bis fünf Partner, die fast den gesamten Markt abdecken. Die Umsätze aus diesem Bereich liegen zwar noch unter zehn Prozent, dennoch stellen wir ein stetiges Wachstum fest.

Macwelt: Wenn man die Versionsnummern zwischen der Windows- und der Mac-Version von Retrospect vergleicht, stellt man fest, dass der Mac zurück liegt. Hat die Windows-Version wirklich mehr Funktionen?

Craig Isaacs: Eigentlich, so denke ich, liegt die Windows- hinter der Mac-Version. Die Windows-Anwendung hat nur in der Versionsnummer die Nase vorn. Die erweiterten Netzfunktionen von Retrospect 4.2 für Macintosh gibt es etwa im Windows-Bereich nur in der Server-Fassung. Außerdem hat die Mac-Software Funktionen wie Applescript und ein Internet Backup.

Macwelt: Wie wichtig ist der Windows-Markt für ein Unternehmen wie Dantz? Ist es nicht ein gewagter Schritt in einen neuen Markt zu gehen, für den es bereites professionelle Lösungen und zahlreiche Wettbewerber gibt?

Craig Isaacs: Wir müssen auf unsere Kunden hören. Sie sagen uns seit Jahren, dass sie eine Cross-Plattform-Lösung für einen Windows-NT-Server suchen.

Ich denke zudem, dass unsere Konkurrenten nicht auf eine Herausforderung warten, sie kämpfen bereits seit einiger Zeit gegeneinander. Wir suchen einem Weg, den Windows-Anwendern zu zeigen, dass es bessere Backup-Lösungen gibt. Es ist schon verrückt - viele Anwender machen immer noch vollständige Backups und verschwenden damit Zeit und Speicherplatz, weil ihre Programme keine inkrementellen Backups beherrschen.

Macwelt: Apple will im nächsten Jahr Mac-OS X auf den Markt bringen. Wird es eine neue Version von Retrospect geben, die die Funktionen der Carbon-APIs verwendet?

Craig Isaacs: Wir arbeiten momentan daran, Retrospect Mac-OS-X- und Carbon-fähig zu machen. Wir haben bereits einige Schritte getan, dennoch liegt noch viel Arbeit vor uns. Es würde einiges helfen, wenn uns Apple besser informieren würde.

Macwelt: Wie lange wird man warten müssen, um die neuen OS-Funktionen in Retrospect nutzen zu können? Die TCP/IP-Funktionen von Retrospect müsen etwa vollständig neu geschrieben werden.

Craig Isaacs: Wie gesagt, es liegt noch viel Arbeit vor uns. Wir müssen etwa die Clients als "gesichtslose Anwendungen" vollkommen neu schreiben. Wie immer wollen wir Apples neue Betriebssysteme unterstützen, bevor sie auf dem Markt sind.

Macwelt: Plant Dantz eine Unix-Version von Retrospect?

Craig Isaacs: Wir schauen natürlich, was wir tun müssen, um zuerst Linux zu unterstützen. Es gibt auch genügend Anfragen für andere Unix-Varianten. Meine Vermutung ist, das wir irgendwann im nächsten Jahr einen Linux-Client anbieten werden.

Macwelt: Es wäre schön, im Macintosh-Betriebssystem eine Backup-Funktion zu haben. Gibt es in absehbarer Zeit eine Kooperation mit Apple?

Craig Isaacs: Wir sprechen ständig mit Apple über eine Integration von Retrospect in ihre Produktlinie. In absehbarer Zeit wird es jedoch keine deratige Funktion geben.

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