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Bad Boys

18.07.2006 | 14:23 Uhr |

44 Jahre gelebter Rock ‘n‘ Roll, voller Grenzerfahrungen, Orgien und Exzesse. Derzeit touren die Rolling Stones durch Deutschland. Passend dazu ein Essay von Johannes Bonke.

So sein wie die Beatles wollten Keith Richards und Mick Jagger nie. Als sich die beiden ehemaligen Schulkameraden 1961 durch einen gemeinsamen Freund wiedertreffen, reichte ein gemeinsamer Akkord aus, um allem Braven und Sittsamen eine klare Absage zu erteilen. Bei Brian Jones, dem damaligen Gitarristen der Band „Blues Incl.“ stößt man mit damit auf offene Ohren, und schnell finden Richards und der ehemalige BWL-Student Jagger in ersten Jam-Sessions kreative Gemeinsamkeiten.

Sympathy for The Devil

Für Jones, einen 19-jährigen Schuljungen vom Lande, war sein Umzug nach London eine Offenbarung: Das pulsierende Leben der City und erste Erfahrungen mit halluzinogenen Drogen wecken den Rebellen in ihm. In Anlehnung an einen Muddy-Waters-Song formiert man sich unter dem Namen The Rolling Stones neu, und nach ersten Coveraufnahmen wird der Bandname mit dem ersten Auftritt am 12. Juli 1962 im Londoner Marquee Club zum neuen Erfolgsmotto. Manager Andrew Loog Oldham verpasst seinen Jungs ein „Bad Boy“-Image, und als radikale Gegenversion zu den Beatles lassen sie sich als jugendliche Kriminelle feiern. Der Durchbruch kommt mit „Satisfaction“. Der Song markiert den Übergang von ihrer früheren Rhythm-&-Blues-Spielart zu einer völlig neuen Form von Rock ‘n‘ Roll. Im Eilverfahren gelingt ihnen der Weg in den Rock-olymp, doch die Konzerte geraten zunehmend außer Kontrolle. Nachdem bei einem Gig durch Tumulte mehrere Fans niederge-trampelt wurden, heuern die Stones die Hells Angels als Security an. Ein folgenschwerer Fehler, der sich herausstellt, als ein schwar-zer Konzertbesucher von einem der Sicher-heitsleute erstochen wird. Auch sonst gibts Probleme. Die Regierung verfolgt sie wegen Steuerhinterziehung und Drogen-delikten. Die Dokumentation „Cock--sucker Blues“, die unverblümt das exzessi-ve Tourleben zeigt, wird verboten. Ent-spre-chend vehement greift die Staatsgewalt ein: Es hagelt Anzeigen, nach Razzien in ihren Villen werden Richards und Jagger verhaftet, Jones erhält Einreiseverbot in die USA. Doch zwischen den dreien gibt es einen Unterschied: Jagger und Richards können mit den Drogen umgehen, Jones nicht.

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