Von Peter Müller - 03.07.2000, 00:00

Bald Konsolidierung bei Internet-Buchhändler

Der Internet-Buchhandel wird sich nach
Einschätzung des führenden deutschen Online-Händlers amazon.de nach
einigen weiteren Boom-Jahren langsam konsolidieren.
«Ich denke, dass in diesem Jahr eine Verdopplung der Umsätze
stattfindet, dass es nächstes und übernächstes Jahr ähnlich sein und
dann langsam abflachen wird», sagte der Verantwortliche für den
Buchbereich bei amazon.de, Stephan Roppel, in einem dpa-Gespräch in
Bad Hersfeld. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Internet-
Buchhändler rund 150 Millionen Mark Umsatz, was ein Plus von 150
Prozent war.
Für dieses Jahr schätzt Roppel rund 300 bis 400 Millionen Mark
Umsatz oder einen Anteil von 2,5 bis drei Prozent am gesamten
Buchhandel. Neben etwa drei bis fünf reinen Internet-Buchhändlern,
die in einigen Jahren den Markt dominieren würden, werde es weiterhin
eine «ganze Bandbreite von Anbietern geben, die mit traditionellen
Buchläden und online parallel operieren». Bei den reinen Internet-
Shops wird es nach Roppels Erwartung verstärkt Übernahmen und
Zusammenschlüsse geben. Bislang gibt es sechs größere reine Internet-
Buchläden in Deutschland, darunter neben amazon.de die Anbieter
buch.de., buecher.de, booxtra.de, bol.de und buchhandel.de.
Mit einem Umsatz von 120 Millionen Mark war amazon.de 1999 mit
Abstand Marktführer. Von seinem neuen Logistikzentrum im
osthessischen Bad Hersfeld aus werden täglich rund 20 000 Päckchen
mit Büchern, Musik-CDs und Videos an bisher eine Million Kunden
verschickt. In diesem Jahr will das Unternehmen mit Sitz in
Hallbergmoos bei München im operativen Buchgeschäft erstmals schwarze
Zahlen schreiben, was der amerikanischen Mutter amazon.com bereits
Ende 1999 gelungen sei. Künftig sollen laut Roppel auch andere
Produkte wie Geschenkartikel und Stofftiere angeboten werden.
Den Rabattspielraum von fünf Prozent, den die am 1. Juli in Kraft
tretende Buchpreisbindung beim Verkauf nach Österreich einräumt,
werde amazon.de nicht ausschöpfen, kündigte Roppel an. «Es würde auf
einem globalen Markt keinen Sinn machen, von österreichischen Kunden
fünf Prozent weniger zu verlangen als von deutschen. Das ist auch
nicht in dem Bereich, wo es richtig spannend wird.» Die Preisbindung
habe sowohl Vor- als auch Nachteile. «Sie bremst einerseits die
Kreativität von Marketingprogrammen, aber andererseits enthebt sie
uns von der Notwendigkeit, uns ständig Preiskämpfe zu liefern. Und
sie macht die Umsätze kalkulierbar, was aus betriebswirtschaftlicher
Sicht sinnvoll ist.»
dpa
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