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Bayerische Hochschulen im Clinch mit Adobe

11.12.2014 | 09:45 Uhr |

Adobe könnte aufgrund von Lücken in seinem Lizenzmodell bald wichtige Kunden verlieren: Studierende und Lehrende.

Es ist eine bisher nur eine Empfehlung, doch in wenigen Monaten könnte es ernst werden: Adobe-Software wird in den Hochschulen des Freistaates Bayern gelöscht und Open-Source-Software installiert. So liest sich die Empfehlung des Leibniz-Rechenzentrums , die Anfang Dezember im Internet veröffentlicht wurde.

Hintergrund ist ein Streit über die Lizenzbedingungen von Adobe Creative Cloud („Adobe CC“). Kurz gefasst: Personalisierte Lizenzen (mit „Adobe ID“) sind in den Computer-Laboren der Hochschulen nicht praktikabel. Die Alternative einer Unternehmenslizenz zieht aber enorme Preiserhöhungen nach sich — stellenweise zwei- bis dreimal so viel wie bisher.

Bisher zahlen die Hochschulen pro Arbeitsplatz („Computer License Programm“) rund 15 Euro im Monat. Das beinhaltet alle Programme von Adobe CS 6 Master Collection; teilweise auch die Vollversion von Acrobat Pro und Lightroom. Ein Blick in die Preislisten für Adobe Creative Cloud macht den Unterschied klar: Adobe Creative Cloud Complete kostet rund 40 Euro pro Monat für Studierende und Lehrende (ohne Acrobat und ohne Lightroom).

Neben dem Preis bremst die Bindung an die Adobe ID die Nutzung in Hochschulen. Denn dort sind noch immer Computerräume mit 20 bis 40 Macs (oder PCs) üblich, wobei die Rechner im Laufe eines Tages von einigen Hundert Studierenden genutzt werden. Allein das An- und Abmelden bei Adobes Creative Cloud dürfte einen Großteil der Arbeitszeit beanspruchen. Ganz zu schweigen von den Bedenken der Datenschutzbeauftragten gegen eine Nutzung der Server-Dienste nach amerikanischem Recht, in dem der Datenschutz eher klein geschrieben wird.

Ein Ausweg könnte die Lizenzierung von Adobe CC nach den Regeln für Großunternehmen sein: „Enterprise Team License Agreement“ heisst das Modell „ETLA“. Dort gibt es eine anonyme Lizenz ohne Adobe ID, die sich in den Laborräumen nutzen ließe — wenn das Modell nicht einen anderen Haken hätte: ETLA wird nach Vollzeitmitarbeitern berechnet: Alle Beschäftigten der Hochschule und alle Studierenden werden anteilig als „Vollzeit“-Nutzer von Adobe CC eingerechnet: Studierende mit einem Wert X, alle Beschäftige mit einem Wert 1. Eine mittelgroße Hochschule mit 500 Mitarbeitern (Vollzeit) benötigt folglich mindestens 500 ETLA-Lizenzen zum Preis von 250 Euro im Jahr, um einige Hundert Rechner mit Adobe CC auszustatten (Lightroom und Acrobat Pro fehlen in der Rechnung). Ein Sprecher von Adobe Deutschland teilte auf Anfrage mit, dass man weiter im aktiven Dialog mit den Hochschulen sei.

Derzeit bietet Adobe die Adobe CC Complete für Studierende und Lehrende als Sonderangebot für rund 20 Euro im Monat an . Allerdings ist dieses Angebot auf 12 Monate befristet und an eine Adobe-ID gekoppelt. Für die Installation in Computer-Laboren ist diese Lizenz folglich nicht geeignet und die Folgekosten nach Ablauf der 12 Monate sind derzeit nicht kalkulierbar.

Fazit: Adobe hat die Hochschulen beim Lizenzmodell für Creative Cloud vergessen. Deshalb arbeiten viele dort heute noch mit der Vorgängerversion Adobe CS 6. Den Wechsel verhindert die personalisierte Lizenz und die kräftigen Preiserhöhungen. Beide Seiten verhandeln, doch wenn es keinen Kompromiss gibt, wird Adobe-Software 2015 aus deutschen Hochschulen verschwinden.

Paket

Lizenz

Preis (Monat)

Preis (Jahr)

Adobe Creative Suite 6 Mastercollection

CLP

15 EUR im Monat

180 EUR (pro Jahr und Mac)

Adobe Creative Cloud Complete

VIP

18-30 EUR im Monat

220-360 EUR (pro Jahr und Mac) (1)

Adobe Creative Cloud Complete

ETLA

21 EUR im Monat

250 EUR (pro Jahr und Mitarbeiter) (2)

(1) anonyme Nutzung unsicher (2) Berechnung nach Vollzeitstellen, nicht nach Anzahl der Computer

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