1953881

Beats Music mit vielversprechendem Start

04.06.2014 | 10:02 Uhr |

Auf der WWDC-Keynote musste Apple Beats nicht mehr weiter erwähnen, lediglich ein kurzes Geplauder mit Dr. Dre füllte das Programm. Unsere Kollegen der Macworld haben den Streamingservice bereits ausführlich getestet - und sind beeindruckt.

Beats Music, der Streaming-Dienst mit Monats- oder Jahres-Abonnement, den Apple nun offiziell übernommen hat , ist seit einigen Monaten in den USA verfügbar. Unsere Kollegen der Macworld haben sich den Anbieter genauer angeschaut. Wie Spotify, Rhapsody und Rdio, bietet auch Beats Music ein Streaming-Modell an, das seinen Abonnenten Millionen von Titeln so gut wie aller Musikgenres anbietet. Hier die ersten Eindrücke zur mobilen App und der Internetseite.

 

Die Kennenlernphase

Beats eine Idee des eigenen Musikgeschmacks vermitteln
Vergrößern Beats eine Idee des eigenen Musikgeschmacks vermitteln

Zu Beginn möchte Beats den Musikgeschmack des Benutzers kennenlernen, um ihm die passende Musik anbieten zu können. Während der Registrierung präsentiert Beats dem Kunden eine Reihe von animierten Blasen mit verschiedenen Genres. Durch Antippen der Blasen bestimmen Sie Ihre bevorzugten Genres, mit Antippen und Halten sortieren Sie unerwünschten Genres aus. Insgesamt stehen 20 Musikrichtungen zur Auswahl, inklusive der typischen Kategorien wie Alternativ, Country, Latin, Pop, Dance, Klassik/Oper, Jazz, Rap/Hip-Hop, Klassik-Rock, Metal, World und Folk/Blues. Anschließend stellt die Beats-App weitere Blasen mit den Namen von Künstlern zusammen, basierend auf der zuvor getroffenen Auswahl von Genres. Wählen Sie drei Künstler durch antippen aus und verwerfen Sie durch antippen und halten nicht gewünschte Namen. Außerdem können Sie über die Schaltfläche „More Artists“ weitere Blasen mit Künstlernamen aufrufen. Mit „Finish“ geht es weiter zum nächsten Schritt.

Nutzeroberfläche erkunden

Die Auswahl von Musikern und Genres zu Beginn, hilft Beats eine individuelle Startansicht zu erstellen
Vergrößern Die Auswahl von Musikern und Genres zu Beginn, hilft Beats eine individuelle Startansicht zu erstellen

Der Zweck dieser frühen und unterhaltsamen Übung ist, den Bereich „Just For You“ zu füllen das erste, was man beim Öffnen sieht. Einigen mögen die Vorschläge gefallen, aber nach der Auswahl von Neil Young, Curtis Mayfield und Al Green als bevorzugte Künstler war in unserem Fall Bedarf für einen Neuanfang. Youngs „Tonight’s The Night“ – ein Tiefpunkt in Youngs Kariere nach Meinung des Autors – erschien als Empfehlung. Auch gab es Vorschläge wie Best of 70s Soul Vol 3, ein typisches Album von Al Green, Soul Hits 1971, Marvin Gaye Message Songs, The Cars, Robert Palmer und Alben von Brotherhood. Glücklicherweise gibt es deutlich mehr Möglichkeiten Musik zu entdecken, als diesen Bereich. Wischen Sie auf einem iOS-Gerät einfach nach links, um zu „The Sentence“ zu gelangen. Hier füllen Sie folgenden Satz  aus: „Ich bin ___ und habe Lust ___ mit ___ nach ___.“ In unserem Beispiel kam heraus: „Ich bin in der U-Bahn und habe Lust eine schlechte Auswahl zu erstellen mit meiner Begleitung nach Pop-Latino.“ Tippen Sie einfach auf die Vorschläge, um eine neue Auswahl zu treffen und wählen Sie anschließend  „Play the Sentence“ aus. Das Musikergebnis basiert nicht nur auf Ihrer eben getroffenen Auswahl, sondern auch auf den während der Einrichtung ausgesuchten Genres und Künstlern. Wenn Sie also moderne Musikrichtungen und Interpreten ausgewählt haben spielt es keine Rolle, wie Sie „The Sentence“ beenden, es kommen keine Vorschläge von Bing Crosby und The Shirelles.

 

The Sentence erstellt Wiedergabelisten anhand von Stimmung und Ort
Vergrößern The Sentence erstellt Wiedergabelisten anhand von Stimmung und Ort

 

Die nächste Ansicht ist „Highlights“, wo Sie der wenig subtilen Handschrift der App-Macher begegnen. Am Tag der Veröffentlichung wurden hier eine „Dr. Dre“-Sammlung, das Album „Remain in Light“ von Talking Heads und „Lorde’s Influences“ von Black Sabbath sowie „Best of 60s Soul“ vorgestellt. Der letzte Eintrag beinhaltete vier Unterpunkte, darunter eine Bob Dylan Live-Collection, „Reasonable Doubt“ von Jay Z und „Nothing But the Beat“ von David Guetta. Wechselt man zur Ansicht „Find It“, erscheinen Wiedergabelisten, die nach Genre, Aktivitäten und von Beats-Spezialisten zusammengestellt werden. Die Bereiche „Genre“ und „Curators“ bieten einige gute Wiedergabelisten an, wir fanden jedoch die Kategorie „Aktivitäten“ am besten. Hier können Sie auswählen zwischen Wiedergabelisten passend zu Ihrer momentanen Tätigkeit oder Stimmung. Es gibt Musik-Vorschläge zu „Drinking“, „Feeling Blue“, Starting a Riot“, „Studying“ und „Punching Walls“. Die Kategorien scheinen nicht von einem Algorithmus zusammengestellt zu sein, sondern mit Bedacht kreiert.

 

Inhalte aufbereiten und Neues entdecken

Und das ist der Ansatz von Beats Music: Die Wiedergabelisten scheinen von Menschen zusammengestellt zu sein. Nicht einfach von jemandem, der 50 Listen am Tag erstellen muss, sondern von diesem Typ hinter der Theke des eigenen Lieblings-Musikladen, der in der Subkultur urbaner Musikströmungen zuhause ist. Er weiß was man mag und was nicht, und sorgt dafür, dass man nur richtig gute Musik zu hören bekommt.

 

Die Wiedergabeansicht von Beats
Vergrößern Die Wiedergabeansicht von Beats

 

Aber vielleicht sind Sie ja einer dieser Plattenläden-Kunden, die lieber konkreter nach Musik suchen - der Musik-Freak hinter der Ladentheke. Auch dafür gibt es eine Lösung. Tippt man auf den Menüpunkt oben links in der Ecke erscheint ein Suchfeld, über das man nach Künstlern, Alben, Titeln, Wiedergabelisten und anderen Benutzern suchen kann. Durch Antippen eines Eintrags gelangt man zur Detailansicht. Geben Sie zum Beispiel „David Bowie“ ein und tippen Sie auf seinen Namen. In der nächsten Ansicht erscheint ein Bild des Musikers und über den Pfeil neben seinem Namen gelangt man zur Biografie. Darunter befinden sich Einträge zu ähnlichen Interpreten. Sie können David Bowie folgen (um leichter an seine Musik zu gelangen, nicht um mit ihm zu chatten), seine neuste Veröffentlichung durchsuchen und Top-Titel, wichtige Alben und passende Wiedergabelisten aufrufen. Tippen Sie auf den Play-Knopf neben einem Titel und die Wiedergabe beginnt. Über die entsprechende „Teilen“-Schaltfläche veröffentlichen Sie das Lied für Ihre Beats-Freunde (natürlich gibt es eine Social-Networking-Funktion), die man hassen oder mögen kann, und der „Plus“-Knopf holt das Musikstück in die eigene Bibliothek oder Wiedergabeliste.

 

Und es gibt den Freundeskreis. Dieser Ansatz wurde schon von anderen Anbieter verfolgt, aber Beats versucht sich ebenfalls daran. Die Theorie dahinter ist, dass die eigenen Freunde eine weitere Möglichkeit sind gute Musik zu entdecken. Man folgt den richtigen Leuten und schaut was diese hören und empfehlen und findet so neue Stücke. Wer sich die Zeit nimmt diese Leute zu entdecken und selbst Wiedergabelisten anhand des eigenen unfehlbaren Musikgeschmacks erstellt (wodurch man den eigenen Freundeskreis erweitert), könnte in musikalisches Neuland vorstoßen.

 

Zusammenfassung

Beats läuft unter iOS und Android, in Internetbrowsern, auf dem Computer und über Sonos-Musiksysteme. Unsere Untersuchung des Beats-Katalogs ergab ein ähnliches Bild wie bei Spotify und Rhapsody, wobei Die Beatles, Led Zeppelin und AC/DC nicht im Umfang enthalten sind. Im Gegensatz zu anderen Musik-Anbietern gibt es keine Radio-Funktion, bei der man eigene Sender, basierend auf einem speziellen Künstler oder Musikstück, erstellen kann. Die Klangqualität über iPhone-Kopfhörer und eine Sonos-Anlage ist gut.

Beats im Internetbrower
Vergrößern Beats im Internetbrower

Man kann das Angebot in den USA 14 Tage lang kostenlos ausprobieren, anschließend kostet ein Benutzerkonto 10 US-Dollar pro Monat oder 120 Dollar im Jahr. Beats Music macht einen vielversprechenden ersten Eindruck. Die Oberfläche wirkt übersichtlich, die Pflege der Wiedergabelisten fundiert und die Social-Network-Funktionen sind durchdacht. Der Musikkatalog ist umfangreich. Wann das Angebot nach Deutschland kommt, steht bisher nicht fest. Apple hat bisher auch keinerlei Pläne offen gelegt, Beats in seine eigenen Apps für iOS und OS X zu integrieren, der Dienst bleibt vorerst eigenständig. Wenn die Übernahme im vierten Quartal abgeschlossen sein wird, könnte sich das jedoch noch ändern.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1953881