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Bei Adobe...

25.09.1999 | 00:00 Uhr |

Bei Adobe blieb es die Woche über ruhig. Mittags sah man zwar ein paar Gäste, dennoch war es für die üblichen Silicon-Valley-Verhältnisse eine eher geruhsame Woche. Eigentlich überraschend, da die Bombe bereits am Anfang der Woche geplatzt war. Apple verkündete am Montag, dass ausgerechnet bei den Rechnern mit Lieferengpässen zu rechnen sei, die bei ihrer Präsentation Ende August als die besten "Photoshop-Maschinen" bezeichnet wurden.

Die "Bestellungen", die Adobe im Laufe der Woche entgegennahm, blieben von diesen Ereignissen jedoch unbeeinflusst. Das Adobe-Team arbeitete unverdrossen und die Besucher kümmerten sich nicht um Apple und deren Lieferprobleme. Die Lage änderte sich auch nicht, als einen Tag später eine kritische Meldung aus Taiwan eintraf. Möglicherweise, so einige Analysten, muss Apple aufgrund des dortigen Erdbebens seine iBook-Auslieferung verschieben. Während die US-Börse mit einem Kursverlust von rund 15 US-Dollar und die wichtigen Tageszeitungen im Silicon Valley, die San Jose Mercury News und der San Francisco Chronicle, mit grossen Artikeln auf Apples missliche Lage reagierten, blieb bei Adobe alles beim Alten.

Dort stellten sich die Gäste vielmehr die Frage, ob das Internet-Business moralische Leitfiguren braucht. Nachdem Patrick Naughton, Vizepräsident bei Infoseek, die Woche zuvor in der Nähe von Los Angeles verhaftet wurde. Der 34jährige hatte sich in einem Chatraum unter der Bezeichnung "HotSeattle" mit einem 13jährigen Mädchen verabredet und wurde bei der sexuellen Kontaktaufnahme in Santa Monica verhaftet. Das Mädchen entpuppte sich zur Überraschung Naughtons als ein FBI-Beamter.

Wäre Naughton in San Francisco verhaftet und mit dem Taxi zum Revier gebracht worden, hätte er sich immerhin noch im Auto online zum Stand der Ermittlungen gegen ihn erkundigen können. Sein Arbeitgeber Infoseek hätte wohl mit der Tatsache, dass Naughton dazu eines der neuen Yahoo-Taxis verwenden würde, besser leben können, als mit dem Sex-Skandal. Übrigens, die neuen pinkfarbenen Yahoo-Taxis sind seit dieser Woche unterwegs und Yahoo spielt mit dem Gedanken, Internet-Taxis in mehreren US-Städten einzusetzen, evenutell auch in Los Angeles. Ob man sie vor dem Adobe-Cafe in San Jose finden wird, ist fraglich. Dort richtet man sich wohl eher auf eine geruhsame Woche ein und hofft, nicht ständig mit der Software-Company verwechselt zu werden.

Martin Stein, leitender Redakteur und US-Korrespondent der Macwelt mit Sitz in Morgan Hill

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