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Bericht übt scharfe Kritik an Herstellern von Mobiltelefonen

28.11.2006 | 19:30 Uhr |

Unzumutbare Arbeitsbedingungen und Einsatz gesundheitsgefährdender Stoffe - diesem Vorwurf musste sich Apple in Bezug auf die iPod-Fabrik in Südchina und der mangelnden ökologischen Fertigung sämtlicher Produkte bereits vor Wochen stellen.

Noch düsterer zeichnet ein Bericht der niederländischen Organisation SOMO das Bild bei der Fertigung von Mobiltelefonen: Keiner der fünf großen Handy-Anbieter Nokia, Motorola, Samsung, Sony Ericsson und LG übt offenbar bei den asiatischen Zulieferern Kontrolle über die Arbeitsbedingungen aus. Dort werden lebensgefährliche Vergiftungen des Personals bei der Produktion hingenommen, Ausbeutung der Arbeiter und Unterdrückung von Gewerkschaften gehören zum Alltag.

Verheerend fällt das Ergebnis der Nicht-Regierungs-Organisation SOMO aus, schreibt Heise.de unter Berufung auf einen Vorabbericht, der bereits als PDF-Datei online zu lesen ist. Dieses Amsterdamer Centre for Research on Multinational Corporations nennt die immer komplexer werdenden Lieferketten als eine Ursache, die Markenhersteller hätten kaum Einblick in die Fabriken der Zulieferer der Haupt-Zulieferer. Beim Motorola-Zulieferer Hivac vergiften sich Arbeiter bei der Reinigung von Acryl-Scirmen mit n-Hexan. Nokia-Zulieferer Namiki Precision in Thailand lässt die dortigen Arbeiter ohne Schutzausrüstung mit stark bleihaltiger Lötmasse schweißen und löten - spendiere aber eine tägliche Ration Milch zur angeblichen Reinigung des Körpers. Doch auch bei den Handyfabriken der großen Fünf deckt SOMO Missstände auf: LG India lehne Gewerkschaften nach eigenem Bekunden ab und verhandele mit ihnen auch nicht. Samsung und Nokia verbieten dort ihren Arbeitern gewerkschaftliche Aktivitäten. Die in China beheimateten Produzenten bezichtigt SOMA der Ausbeutung: Arbeitern gäbe man keine schriftlichen Arbeitsverträge, gewähre ihnen weniger als den Mindestlohn und zahle Überstunden nur zum Teil aus. Ähnlich lautende Vorwürfe wurden gegen den iPod-Fabrikanten Foxconn / Hon Hai Precision vor Monaten bereits erhoben. Auf den dortigen Fertigungsstraßen produzieren auch zahlreiche Handy-Hersteller. Apple selbst hat eine interne Untersuchung in Auftrag gegeben, hat in seinem Bericht keine gravierenden Missstände aufgezeigt. Kritische chinesische Journalisten konnten sich nur durch Intervention der "Reporter ohne Grenzen" einer Verleumdungsklage Foxconns erwehren - offenbar hatte Cupertino im Hintergrund auf seinen Produzenten ebenfalls Druck ausgeübt.

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