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Bertelsmann lässt Napster fallen

04.09.2002 | 14:51 Uhr |

Der Medienkonzern Bertelsmann gibt seine Pläne mit der Musiktauschbörse Napster nach dem gerichtlichen Kaufverbot auf. "Wir akzeptieren die Entscheidung des Gerichts, den Verkauf der Vermögenswerte an Bertelsmann nicht zuzustimmen", sagte Gerd Koslowski, Sprecher der Bertelsmann-Direct-Group, auf Anfrage der dpa am Mittwoch in Gütersloh. Der Kauf werde nicht vollzogen. Napster-Vorstandschef Konrad Hilbers hat nach Informationen der "New York Times" bereits am Dienstag seinen Rücktritt, die Entlassung der noch verbliebenen Mitarbeiter und die Liquidation der Musiktauschbörse angekündigt. Selbst bei einer Zustimmung des Gerichts hätte der Medienkonzern kein weiteres Interesse an Napster gehabt, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Die mögliche Einleitung eines Liquidationsverfahrens nach Kapitel 7 des US-Konkursrechts könnte nach Einschätzung von Experten Bertelsmann entgegenkommen. In diesem Fall würde der Medienkonzern, der bereits rund 80 Millionen Dollar in Napster investiert haben soll, selbst als Gläubiger der Musiktauschbörse auftreten. Ein Konkursrichter in Wilmington (US-Bundesstaat Delaware) hatte am Dienstag den Kauf der Musiktauschbörse von Bertelsmann abgelehnt. Er kritisierte die Rolle des früheren Bertelsmann-Mitarbeiters und späteren Napster-Vorstands Konrad Hilbers. Es hätte ein Interessenkonflikt bestanden, hieß es. Hilbers soll nach Informationen des "Wall Street Journal" geschockt reagiert haben. Auf der Napster-Internetseite finden Musikliebhaber nur noch den Satz "Napster was here". dpa

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