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Beruht Microsoft Cleartype auf einem Apple-Patent?

09.12.1998 | 00:00 Uhr |

Was Microsoft auf der Comdex in großen Worten als die Revolution bei der Zeichendarstellung auf Flachbildschirmen ausgab, ist laut Steve Gibson in Wirklichkeit eine 22 Jahre alte Technik, die zuerst im Apple II verwendet wurde. Cleartype, so der Produktname von Microsoft, soll die Lesbarkeit von Buchstaben auf LCDs verbessern und den Traum vom digitalen Buch Wirklichkeit werden lassen. Steve Gibson, einer der Mitentwickler des Apple II, beschreibt auf seinen Firmenseiten detailliert, daß diese Technik mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen technischen Trick zurückgreift, der vor 22 Jahren im Apple II für eine detailgenauere Darstellung sorgte: Die Software berechnet dabei, wie eine diagonale Linie auf dem Rastergitter des Monitors am besten dargestellt wrid. Anders als bei herkömmlichen Verfahren berücksichtigt man dabei aber nicht nur die tatsächlich nutzbaren Bildpunkte (beispielsweise 640 x 480 Pixel in der Standardauflösung auf dem Mac), sondern rechnet intern mit den drei Leuchtpunkten in den Farben rot, grün und blau, die zusammen einen Bildpunkt ergeben. Da das Verfahren nur horizontal nutzbar ist, rechnet die Software in der Standardauflösung also mit 1920 Leuchtpunkten (3 mal 640) in den drei Grundfarben. Diagonale Linien werden in dieser Auflösung berechnet und am Monitor dargestellt, was zu wesentlich sauberen Kanten führt.

Macwelt wird sich in den nächsten Tagen um eine Stellungnahme von Microsoft, um zu klären, inwieweit das Unternehmen von Bill Gates bei Cleartype tatsächlich auf diese lange bekannte Technik zurückgegriffen hat. Sollte das der Fall sein, wäre das von Microsoft angestrebte Warenzeichen für Cleartype hinfällig. wm

Info: Gibson Research, Internet: grc.com/cleartype.htm

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