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Besserer Datenschutz unter iOS 8

29.07.2014 | 15:48 Uhr |

Mit iOS 8 wird der Datenschutz verbessert, es kommen jedoch auch neue Schnüffeldienste hinzu. Der Nutzer hat dabei jedoch immer die Wahl.

Bereits zuor wurde bekannt, dass Apple mit einer neuen, für den Nutzer unsichtbaren Funktion für mehr Privatsphäre sorgt: iOS 8 nutzt Fake-MAC-Adressen , wenn es nach verfügbaren WiFis sucht. Dies verhindert, dass wir beispielsweise im EInkaufszentrum als regelmäßer Besucher auffallen können. Doch die Änderungen von iOS 8 in Sachen Datenschutz gehen noch viel weiter.

Statt Adressbuch-Freigabe

iOS 8 erhält eine neue Art der Kontaktfreigabe. Während man bisher nur das gesamte Adressbuch oder gar keine Kontakte freigeben konnte, kommt unter iOS 8 der so genannte "People Picker" dazu. Dies ist eine Möglichkeit, einer App nur einmalig gezielt eine Kopie eines Adressbucheintrags zu übermitteln, ohne die App dabei gleich das ganze Adressbuch lesen, speichern oder gar an einen Server übertragen zu lassen. Dies ist beispielsweise dazu da, einmalig etwas aus einer App mit einem Freund zu teilen und gleichzeitig den Rest des Adressbuches unter Verschluss zu halten.

Wo bin ich?

Gleichzeitig arbeitet Apple an der für den Nutzer sichtbaren Oberfläche an Verbesserungen. So hat iOS 8 ein neues Prinzip, mit Ortungsdiensten umzuge­ hen. Damit gibt es erstmals zwei unterschiedliche Rechte-­Ebe­nen für die Nutzung des Ortes. Apps müssen weiterhin fragen, wenn sie die Ortungsfunktion nutzen wollen. iOS 8 hat dafür aber zwei verschiedene Varian­ten. Entweder fragt eine App nach, ob sie den aktuellen Ort dann erfahren darf, während die App aktiv ist oder sie will auch im Hintergrund den Ort auslesen dürfen.

Heute gibt es nur die zweite Variante. Apple entschärft damit die Funktion "Hintergrundaktualisierung", die mit iOS 7 kam und erlaubt, dass Apps auch im Hintergrund bestimmte Systemfunktionen nutzen können, wenn sie nicht aktiv sind oder sogar vom Nut­zer manuell beendet wurden.

Die beiden Geo-Freigaben im Vergleich. Bisher durften Apps immer im Hintergrund orten, jetzt nur, wenn sie das ausdrücklich anfordern.
Vergrößern Die beiden Geo-Freigaben im Vergleich. Bisher durften Apps immer im Hintergrund orten, jetzt nur, wenn sie das ausdrücklich anfordern.
© Macwelt

Neu ist zudem, dass iOS gele­gentlich nachfragt: "Die App hat Ihren Standort im Hintergrund verwendet, möchten Sie das weiterhin erlauben?" Das gibt Nutzern eine zweite Chance, sich für oder gegen Hinter­grundortung zu entscheiden. Eine gute Idee von Apple, so muss der iPhone­-Besitzer sich nicht ständig aus eigenem An­trieb um die Datenschutzeinstel­lungen kümmern.

Die Entwickler müssen sich entscheiden, welche Ortungs­variante sie nutzen wollen. Sie dürfen nur eine davon anfragen und verwenden. Der Nutzer hat also nicht selbst die Wahl, welche Variante er haben möchte, sondern der Entwickler muss sich vorab fest­ legen. So kann man dann nur die vom Entwickler gewünschte Version der Ortung nutzen oder keine. Für den Nutzer ist die neue Variante "Ortung nur, wenn die App aktiv ist" die transpa­ renteste. Heimliche Ortung im Hintergrund ist damit nicht möglich. Viele Anwendungen funktionieren sinnvollerweise nur mit Hintergrundortung, ortabhängige Erinnerungen oder stets ortsgenaue Wetterinfos zum Beispiel.

Wenn eine App uns im Hintergrund orten darf, fragt iOS 8 nach, ob wir das wirklich wollen.
Vergrößern Wenn eine App uns im Hintergrund orten darf, fragt iOS 8 nach, ob wir das wirklich wollen.

Welche App nutzen wir wie oft?

 Die zunächst schlechte Nachricht: i OS 8 spioniert, welche Apps wir wie oft benutzen und teilt das in Zukunft den jeweiligen Entwicklern der Apps mit. Die gute Nachricht: das passiert anonym und nur wenn wir es auch erlauben. iOS fragt bei der Einrichtung, ob wie diese Informationen für "App Analytics" preisgeben möchten. Eine dedizierte Systemeinstellung, mit der wir das später noch gezielt ein- oder ausschalten können, gibt es zumindest in der aktuellen Betaversion von iOS 8 , das wird bis zum offiziellen Start des Systems sicherlich noch nachgereicht.

Bei der Einrichtung fragt iOS 8 nach, ob wie Nutzungsdaten für App-Entwickler freigeben wollen.
Vergrößern Bei der Einrichtung fragt iOS 8 nach, ob wie Nutzungsdaten für App-Entwickler freigeben wollen.

Möglicherweise legt Apple diese Nutzeranalyse auch mit der bisherigen Funktion "Diagnose- und Nutzungsdaten übertragen" zusammen. Diese hat schon in früheren iOS-Versionen (falls aktiviert) Absturzberichte, Fehlermeldungen und Co. an Apple gesendet. Zumindest in den Datenschutzbestimmungen werden Diagnosedaten und die neue App-Analyse gemeinsam abgehandelt.

Hintergrund der neuen Funktion ist, dass Apple den App-Entwicklern neue Werkzeuge in die Hand geben will. Diese werden in Zukunft mehr Informationen in iTunes Connect erhalten, dem Verwaltungsportal für den App Store. Dort werden Entwickler sehen können, wie oft Nutzer die App öffnen oder auch wie oft die Detailseite der App im App Store besucht wurde. Damit sollen sie besser auswerten können, wo sie Fehler machen:

Viele Besucher auf der App-Seite aber wenige Downloads? Dann wäre die Beschreibung der App nicht optimal. Viele Downloads aber die App wird wenig genutzt? Dann fehlt es an Nutzermotivation oder interessanten Inhalten. Die App-Entwickler erhalten laut Apple ausschließlich abstrakte Werte, keine individuellen oder persönlichen Daten. Apple verspricht zudem, dass diese Nutzungsdaten nicht verkauft oder für Werbung genutzt werden.

Systemdienste aufräumen

Mit iOS 8 kommen zudem einige neue Systemdienste neu hinzu, die unseren Standort wissen möchten. Diese finden Sie in den Systemeinstellungen unter "Datenschutz > Ortungsdienste > Systemdienste". Dort sind jetzt unter anderem "Ortabhängige Hinweise" oder "Spotlight-Vorschläge" neu hinzugekommen. Dieses etwas versteckte Untermenü sollte man nicht übersehen und hier zumindest ein Mal aufräumen und Dienste abschalten, die man nicht nutzen möchte.

Systemortung: Die Zahl der Systemfunktionen, die unseren Standort wissen wollen, wird mit iOS 8 noch größer.
Vergrößern Systemortung: Die Zahl der Systemfunktionen, die unseren Standort wissen wollen, wird mit iOS 8 noch größer.
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