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Besuchen Sie Europa: 14. Dezember

14.12.2006 | 00:00 Uhr |

Die Ostsee, die wir in dieser Woche umrunden, ist nicht besonders tief. Als Binnenmeer erlebt sie keinen großen Tidenhub, Sturmfluten fallen nicht so heftig aus wie in der Nordsee. Eine der größten Katastrophen der zivilen Schifffahrt ereignet sich jedoch in der Ostsee. Die Katastrophe trägt den Namen eines Landes: Estonia.

"Hunde von Riga" ist der zweite Wallander-Roman von Henning Mankell. Während der erste Fall "Mörder ohne Gesicht" ausschließlich in der südschwedischen Provinz Schonen spielt, ermittelt Wallander in seinem zweiten Fall auch jenseits der Ostsee. Der dritte Fall "die weiße Löwin" führt den Leser gar nach Südafrika, der vierte Wallander mit dem Titel "Der Mann der lächelte" lädt die Hochfinanz nach Schonen ein. Aber wir ja gestern in Lettland und sind heute in Estland.

In das Licht der Öffentlichkeit rückte Estland durch ein tragisches Ereignis: Den Untergang der M/S Estonia am 28. September 1994. Auf dem Weg von der estnischen Hauptstadt Tallinn nach Stockholm versank die Fähre, 852 Menschen ließen dabei ihr Leben, vor allem Schweden und Esten. Nur 137 Passagiere überlebten das Unglück.

Die Estonia: Unfall oder vielfacher Mord?
Vergrößern Die Estonia: Unfall oder vielfacher Mord?

Warum genau die Estonia unterging, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Manche vermuten, dass aufgrund der unruhigen See zum Unglückszeitpunkt Wasser durch die Bugklappe eingedrungen ist. Andere Theorien gehen davon aus, dass ein Leck Ursache des Unglücks war. Ein offizieller Untersuchungsbericht von Schweden, Finnland und Estland kam 1997 zu dem Ergebnis, dass eine beschädigte Bugklappe das Unglück ausgelöst habe. Die Bugklappe habe sich abgelöst, so dass minutenschnell Wasser in das Schiff eingedrungen sei. Einen Anhaltspunkt für strafbares Verhalten fanden die Ermittler nicht, auch die deutsche Werft wurde von Vorwürfen freigesprochen. Befördert durch die rigide Informationspolitik offizieller Stellen kamen viele Verschwörungstheorien auf. Die deutsche Journalistin Jutta Rabe wies beispielsweise in einem Buch auf unstimmige Aussagen der Besatzungsmitglieder hin und spekulierte über eine geheimnisvolle, möglicherweise militärische Fracht. Wirklich beweisen ließen sich die Theorien indes nicht.

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