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Besuchen Sie Europa: 20. Dezember

20.12.2006 | 00:00 Uhr |

Tschechen und Slowaken haben sich 1993 getrennt um elf Jahre später wiederum Teile ihrer staatlichen Souveränität aufzugeben und der EU beizutreten. Besuchen wir also die ehemalige Tschechoslowakei an zwei verschiedenen Tagen.

Wenn der Zweite der Erste ist: Das Monument für Vittorio Emanuele II in Rom. Foto: Rolf Süßbrich
Vergrößern Wenn der Zweite der Erste ist: Das Monument für Vittorio Emanuele II in Rom. Foto: Rolf Süßbrich

Was der aus dem Risorgimento hervorgegangen erste italienische König mit Verdi zu schaffen hat? Lange Zeit war es nicht ungefährlich, für die nationale Einheit Italiens und den damaligen König von Sardinien Piemont als gemeinsamen Herrscher Stellung zu beziehen, vor allem nicht in der Lombardei oder dem vom Vatikan beherrschten Mittelitalien. Der Ruf "Viva Verdi!" galt nicht allen als Ausdruck der Begeisterung für den beliebten Komponisten aus der Emilia-Romagna, nicht wenige hatten das Akronym für V ittorio E manuele R e d ' I talia im Hinterkopf. Dem ersten König ist in Rom ein Monument im Quasi-klassischen Stil gewidmet, das eines Kaisers würdig wäre, von manchen Römern aber als "Schreibmaschine" verspottet wird. Umberto I. war übrigens V.E.R.D.I.s Sohn und Nachfolger, Guido von Spoleto ein Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im späten 9. Jahrhundert.

Von Mailand aus nehmen wir den Flieger nach Prag, schlendern über die Karlsbrücke in die Altstadt und gönnen uns erst einmal im Wirtshaus " U Kalicha ", in dem sich "nach dem Krieg um sechs" der brave Soldat Schwejk verabredet hat, ein feines tschechisches Bier. Lange können wir uns nicht zwischen Budweiser (Das Original und nicht die amerikanische Plörre von Anheuser-Busch) und Pilsener Urquell entscheiden, also nehmen wir von beidem. Gambrinus und Radegast müssen wir freilich auch noch ausgiebig probieren. Schnell haben wir einen in der Krone, bevor wir einen ernsthaften Rausch bekommen, nehmen wir die am Flughafen eingetauschten tschechischen Kronen und bezahlen unsere Zeche.

Blick auf den Hradschin. Foto: Stefan Bauer
Vergrößern Blick auf den Hradschin. Foto: Stefan Bauer

Im Laufe unserer Einkehr ist es dunkel geworden, zu dieser Jahreszeit geht in Prag die Sonne 18 Minuten früher unter als in München. Wir haben Zeit, die Reise zu unserem morgigen Ziel ist nicht so weit, also erkunden wir noch die engen Gassen um den Hradschin, dem Prager Burgberg. Haben wir doch zu viel getrunken? Das war doch eben der Geist Kafkas, der vor uns soweit in den hintersten Winkel zurückwich, dass er nicht mehr an uns vorbeikam? Oder liegt hier nicht die Leiche von Jan Masaryk? Fensterstürze sind in Prag populär, Masaryk wurde im März 1948 tot unter seinem Bürofenster aufgefunden. In der kommunistischen Tschechoslowakei galt der Tod des vormaligen Außenministers als Suizid, 1993 wurde der Fall neu aufgerollt. Dass die kommunistische Geheimpolizei Masaryk gewaltsam aus dem Fenster beförderte, wurde schlussendlich nie bewiesen.

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