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Besuchen Sie Europa: 3. Dezember

03.12.2006 | 00:00 Uhr |

Wir sind weiterhin westwärts gewandt. Nach unserer gestrigen Wanderung nach Santiago de Compostela sehen wir uns zunächst das „Ende der Welt“ an, besuchen schließlich im Nachbarland Portugal den tatsächlich westlichsten Punkt des Kontinents.

Santiago de Compostela, von oben betrachtet
Vergrößern Santiago de Compostela, von oben betrachtet

Nachdem wir das Grab de Heiligen Jakob besucht und uns am Cap Finisterre (nach lat. finis terrae = Ende der Welt) einen Blick auf den tosenden Atlantik geworfen haben, sinnieren wir über die gestrige Frage nach: Zwei der Erklärungen waren Humbug, richtig war die Antwort „Heiliger (Jakobus) vom Sternenfeld“. Der Legende nach hat ein leuchtender Stern den ersten Pilgern im 9. Jahrhundert den Weg zum Grab des Heiligen Jakob gewiesen. Die Geschichte kommt uns irgendwie bekannt vor, gerade dieser Tage, wenn in den Straßen und Häusern die Weihnachtsbeleuchtungen aufflackern. Wikipedia behauptet jedoch, dass es überholt sei, den Namen der Stadt in Galizien von „campus stellae“ = Sternenfeld abzuleiten, eher komme der Name von lateinischen „compostum“ = Begräbnisstätte. Unser Vertrauen in Wikipedia hat zuletzt aber ein wenig nachgelassen…

Aber wir sind gerade mal derart in Schwung, dass wir weitermarschieren und uns von unserem Aussichtspunkt im äußersten Westen Spaniens uns nach Süden wenden und Portugal erreichen, das wie Spanien, Griechenland und Irland seit dem 1. Januar 1985 Mitglied der Europäischen Union ist. Den westlichsten Punkt der Europäischen Union werden wir hier nicht finden, diesen werden wir morgen besuchen. Aber bei Lissabon ragt das Kap Cabo da Roca 140 Meter über den Meeresspiegel und die Höhe und gilt als westlichster Punkt des Festlandes. Wieder einmal lassen wir uns von der tosenden Brandung unter unseren Füßen berauschen und unternehmen eine Reise bis in die Antike zurück.

Die Altstadt von Porot. Ein schöner Hafen, oder?
Vergrößern Die Altstadt von Porot. Ein schöner Hafen, oder?

Der Name Portugals soll sich aus dem griechischen und lateinischen ableiten, der Hafen (lat. Portus) der Siedlung Cale (Griech. Kallus = schön) wurde später zu Portucale und schließlich Portugal. Portus Cale heißt heute Porto und ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Bei den Römern hieß das Land jedoch Lusitania, das von Rom so bezeichnete Gebiet nahm aber nur die südliche Hälfte des heutigen Staates ein.

Portugal erlebt seine Blüte im 15ten und 16ten Jahrhundert, als reichstes europäisches Land wird es zur Seemacht. Nicht von ungefähr spricht heute halb Südamerika portugiesisch, die afrikanischen Kolonien wie Mozambique und Angola entlässt Portugal erst in der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts in die Unabhängigkeit. Portugal ist zu der Zeit längst keine Großmacht mehr, als spanische Provinz fristet das Land eine Zeitlang sein Dasein, weltpolitisch verliert es immer mehr an Bedeutung. Das schwere Erdbeben von 1755 richtet in der Hauptstadt Lissabon schwerste Schäden an.

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