876940

Betriebsräte in der New Economy verlangt

21.03.2001 | 00:00 Uhr |

Die IG Metall will künftig verstärkt in kleinen
Computerfirmen die Arbeitnehmerrechte durch Betriebsräte schützen.

«Vielen IT-Angestellten muss man erst klar machen, dass sie
Rechte haben und es klar gegen Gesetze verstößt, seine Beschäftigten
ständig mehr als 60 Stunden die Woche arbeiten zu lassen», sagte
Christiane Benner von der niedersächsischen Bezirksleitung am
Mittwoch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in
Hannover.

Mit ihrem CeBIT-Stand (Halle 10, Stand 500/1) reagiere die
Metallgewerkschaft auf ein wachsendes Interesse unter Angestellten
der Computer- und Telekommunikationsbranchen. «Gerade in kleineren
Firmen löst ein Arbeitsprojekt sofort das nächste ab oder
überschneidet sich sogar. Es gibt kaum Ruhephasen, zehn bis zwölf
Arbeitsstunden pro Tag sind die Regel», sagte die Gewerkschafterin.
«Das hat zur Folge, dass IT-Fachleute häufig schon mit Anfang 30 an
Stress-Krankheiten wie Tinnitus (Hörsturz) leiden.» Auch Burn-out und
krankhafte Arbeitssucht seien in dem Berufszweig schon unter
Mittdreißigern häufige Symptome.

Benner betonte, es sei unbestritten sehr positiv, dass Menschen
sich mit ihrem Beruf identifizierten. «Langfristig müssen sie aber
ihre Belastbarkeit einzuschätzen lernen. Ein Raubbau am eigenen
Körper dient auf Dauer weder dem Angestellten noch seiner Firma.»
Viele entdeckten allmählich, dass Arbeit nicht alles im Leben sei.
«94 Prozent der Großfirmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern haben
inzwischen einen Betriebsrat aufgebaut.» Dies solle nun auch in
kleineren Firmen massiv befördert werden, sagte Benner. Ab fünf
gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern sei dies vorgeschrieben.
Die Reaktion der Chefs reiche von Befremden bis Kündigungsdrohungen.

Eine Million der bundesweit 1,7 Millionen IT-Beschäftigten fallen
in die Zuständigkeit der IG Metall. Seit Einsetzen der Krise in der
Branche habe sich der Zulauf sehr verstärkt, berichtete Benner. 10
bis 15 Prozent seien bundesweit nun Mitglied. «Die Leute begannen
nach einer Anfangseuphorie kritisch zu werden, als Vergünstigungen
wie Aktien-Optionen wider Erwarten keine Gewinne abwarfen. Viele
haben inzwischen den Wunsch nach einem fest kalkulierbaren
Einkommen.» Häufiges Problem sei auch, dass ein Geschäftsführer unter
Konkurrenzdruck unrealistische Projektfristen bestimme.
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
876940