1011675

Bewährungsstrafe für Mobilcom-Gründer Schmid

20.01.2009 | 08:37 Uhr |

Kein Freispruch, aber das Gefängnis bleibt ihm erspart: Der Gründer der Mobilcom AG und Ex-Milliardär Gerhard Schmid ist am Montag vom Kieler Landgericht wegen vorsätzlichen Bankrotts zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden.

Freenet Mobilcom
Vergrößern Freenet Mobilcom

Fünf Monate davon gelten wegen der langen Verfahrensdauer als bereits verbüßt. Die Kammer blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zweieinhalb Jahre Haft gefordert hatte, fand in der Urteilsbegründung aber deutliche Worte für den Angeklagten: «Hier hat jemand systematisch Vermögenswerte beiseite geschafft», sagte der Vorsitzende Richter Oliver William. Sein Urteil traf einen einst milliardenschweren Börsenliebling, den der Absturz seiner Aktien in die Privatinsolvenz getrieben hatte.

Schmid, wie immer mit dunklem Anzug und weißem Hemd gekleidet, nahm das Urteil kopfschüttelnd zur Kenntnis. Die Verurteilung «überrascht mich schon», sagte er lächelnd und kündigte umgehend Revision an. Das Gericht hatte sich über eineinhalb Jahre und rund 40 Verhandlungstage hinweg mit der Frage auseinandergesetzt, ob Schmid im Herbst 2002 Bargeld und Unternehmensanteile im Gesamtwert von 1,2 Millionen Euro nach Liechtenstein geschafft hat, um sich dem Zugriff der damaligen SachsenLB zu entziehen. Diese hatte ihm zuvor einen 100-Millionen-Euro-Kredit gekündigt und vor dem Landgericht Flensburg einen Pfändungstitel erwirkt.

Schmid habe wissen müssen, dass er sich mit den Transaktionen in eine «Grauzone» begebe, sagte William. Geld «über irgendwelche Buchungsstellen in irgendwelchen Kontolisten» nach Liechtenstein zu bringen, sei keineswegs eine offene Überweisung, wie es die Verteidigung behauptet hatte. Auch der Darstellung, Schmid habe bloß Verbindlichkeiten gegenüber seiner Ehefrau bedienen wollen, glaubte das Gericht nicht. «Man fragt sich manchmal, was man sich noch alles erzählen lassen muss», sagte William mit Blick auf die Anklagebank.

Zwar teilte das Gericht die Ansicht der Verteidigung, dass die Kündigung des Darlehens auf falschen Berechnungen beruhte und damit unrechtmäßig war. Als Entschuldigung wollte es diesen Aspekt jedoch nicht gelten lassen. Die Zahlungsunfähigkeit habe noch nicht bestanden, sie habe aber gedroht - «und das sehr deutlich», sagte William. Es sei klar gewesen, dass die SachsenLB den Kreditvertrag unbedingt kündigen wollte. «In dem Moment, wo sich die SachsenLB so verhält, besteht drohende Zahlungsunfähigkeit», sagte William. Doch nicht nur Schmid, sondern auch die Bank selbst, die das Geschäft fast ausschließlich mit Mobilcom-Aktien absicherte und dann dauerhaft falsche Grundstückswerte als Kündigungsgrund heranzog, musste richterliche Prügel einstecken. «Durcheinander und Tohuwabohu», sagte William. «Es ist traurig, was da abgelaufen ist.» Schmid, der nun in nächster Instanz einen Freispruch erreichen will, nahm Williams Kritik an der SachsenLB dankbar auf: «Die Bank hat sich einen Titel erschlichen, weil sie das Gericht belogen hat», sagte er. Zehn Millionen Euro habe sie sich auf diese Weise angeeignet. Weil das nun offiziell festgestellt worden sei, habe sich der Prozess trotz der Verurteilung gelohnt, bilanzierte der 56- Jährige. Er wird demnächst allerdings erneut auf der Kieler Anklagebank Platz nehmen müssen. In einem weiteren Verfahren wird ihm Untreue in 22 Fällen vorgeworfen. (dpa)

0 Kommentare zu diesem Artikel
1011675