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Rezension: Big Apple – Das Vermächtnis des Steve Jobs

17.05.2012 | 16:55 Uhr |

Bücher über Apple und Mitbegründer Steve Jobs gibt es viele. Geradezu kanonisch ist die von Jobs selbst autorisierte Biografie von Walter Isaacson. Ob Carsten Knop neue Aspekte hinzuzufügen hat, zeigt unsere Buchkritik.

”Denn Apple ist überall.” So steht es auf der Rückseite des Einbands von Carsten Knops ”Big Apple. Das Vermächtnis des Steve Jobs”, das Ende 2011 im FAZ-Verlag erschienen ist. Ein Teil der Beiträge war bereits in der FAZ zu lesen. Doch weitere Aufzeichnungen und Kommentare wurden eigens für dieses Buch verfasst, wobei Knop sich auf Tagebuchaufzeichnungen aus der Zeit bis zurück ins Jahr 1999 stützen kann. Ein Highlight des Buchs ist ein Besuch im Filmstudio von Pixar, wo der Autor interessante Einblicke gewinnen konnte und den Geist von Chef Steve Jobs wehen sah: ”das Streben nach Perfektion”. Und dann natürlich das Jahr 2003, als Carsten Knop ein persönliches Interview mit Jobs führen konnte. Dieses fand während einer Apple-Messe in Paris statt, und der Autor staunt, auf welch hierarchischen Pfaden er den kurzen Weg zum vorübergehenden Allerheiligsten, dem Interviewraum in Paris, über mehrere Stationen vom deutschen Pressesprecher über andere Mitarbeiter von Apple schließlich zum Chef gebracht wird. Jobs habe sich in dem Gespräch freundlich, aber auch kurz geäußert. ”Jobs präsentiert sich nicht als Tyrann, aber dominiert den Raum”, schreibt Knop über diese Begegnung. ”Dazu braucht er nichts als intellektuelle Präsenz, seine Stimme und seinen Blick” (S. 77).

Apple: Besser als BMW

Das Interview selbst erstreckt sich dann über gut fünf Seiten und handelt von den damals aktuellen Themen wie Marktanteile, künftige Apple Stores in Deutschland (die es 2003 noch nicht gab), zu der Zeit relevante Macs – Jobs bezeichnet den Power Mac G5 als ”schnellsten Personalcomputer der Welt” – und den bereits boomenden Online-Musikverkauf über iTunes und den iPod, wobei iTunes für Windows noch nicht erschienen war. Zu den Apple-Marktanteilen wiederholt Jobs seinen berühmt gewordenen Satz, dass dieser in seiner Branche immerhin höher sei als der für BMW in der Autoindustrie (S. 78 – 83). Dieses Gespräch ist auch heute noch absolut lesenswert und zeigt das strotzende Selbstbewusstsein, das Steve Jobs damals zurecht schon haben durfte.

Die teils sehr kurzen, aber angenehm zu lesenden Kapitel folgen immer demselben Muster: Zu jedem Jahr ab 1999 (nach einem kurzen Prolog zu den Jahren 1984 – 1998) findet sich ein Tagebucheintrag oder auch ein FAZ-Artikel, dann ein knapper Kommentar, jeweils überschrieben ”Hier und Jetzt”. Dabei beurteilt Knop treffsicher, wie sich das Thema aus heutiger Sicht entwickelt und ausgewirkt hat.

Was uns an diesem weiteren Buch über Apple besonders begeistert hat, ist nicht nur, was der Autor über Jobs, Macs und Co. oder über die frühen Jahre von iPod und iPhone schreibt. Sondern er wagt, darin ganz Wirtschaftsexperte, immer wieder einen Blick über den Tellerrand hinaus und macht uns mit anderen Unternehmen und Wirtschaftsbossen bekannt, die oft direkten, manchmal auch indirekten Einfluss auf das Apple-Geschehen hatten und haben. Oder die sich von Apple und dem Genie von Jobs haben inspirieren lassen.

Konkurrenten, Wegbegleiter und Inspirierte

So findet man instruktive Abschnitte über Howard Schultz (Starbucks), den ewigen Konkurrenten und vermutlich auch Freund Bill Gates, William Hewlett, Mitbegründer und graue Eminenz von HP, ebenfalls eine Garagen-Gründung, bei der Steve Jobs einst seine erste Stelle fand. Wir lesen über im Silicon Valley mehrfach gescheiterte Startup-Gründer oder auch Erfolgsmenschen wie Alan Mullaly, CEO von Ford, der sich gleichwohl gern an Apple orientiert. Dazu kommen Bemerkungen über Wegbegleiter von Steve Jobs wie Steve Wozniak, Jonathan Ive, Tim Cook (Jobs’ Nachfolger bei Apple) oder Ron Johnson, der für die Apple-Computerläden zuständig war und dann Chef der Warenhauskette J.C. Penney wurde, um dort seine gewichtigen Erfahrungen einzubringen. Auch ein Abschnitt über den Internetpionier Marc Andreessen (der seine Urbrowser an einem Next-Computer aus Steve Jobs Firma programmierte). Man erfährt Interessantes über Gateway und Google und natürlich Pixar. Allein diese Hintergrundberichte und thematischen Abstecher sind dieses Buch wert und grenzen es wohltuend von anderen Titeln ab, die eine reine Nabelschau bieten. Was ja für Apple-Fans auch nicht immer das Schlechteste sein muss. Doch etwas Kontextwissen hilft dann freilich bei der ökonomischen und auch historischen Einordnung des letztlich fantastischen Erfolges von Apple und Steve Jobs. Zugegeben, wer nur Geschichten rund um den Cupertino-Apfel hören und lesen will, könnte sich dabei manchmal langweilen. Zu Unrecht, wie wir finden.

Rücktritt - und das Ende

Die Tagebucheinträge enden mit dem 24. August 2011: Steve Jobs tritt zurück. Zu einem Zeitpunkt, als sein Lebenswerk, als Apple zumindest vorübergehend zum wertvollsten Unternehmen der Welt erklärt wurde, noch vor dem Erdölkonzern Exxon-Mobil. Es folgt ein kurzer Ausblick mit der Infragestellung der eigenen These: Ist Apple überall? Nein, erkennt auch der Autor, schon weil der Wettbewerb im IT-Bereich gnadenlos ist und die Mitbewerber niemals schlafen. Er plädiert für bessere Bedingungen, damit Startups auch hierzulande bessere Chancen haben, ähnlich wie in den USA auch durch eine engere Anbindung an das Umfeld von Universitäten. Das Thema Globalisierung spielt hier eine gewichtige Rolle. Ein allerletztes Kapitel ist überschrieben ”Abschied”, und jeder weiß, dass es diesmal um den Tod von Steve Jobs am 5. Oktober 2011 geht. Knop findet für den verstorbenen Apple-Mitbegründer unter anderem folgende Worte: ”Vor allem aber war Jobs ein echter Unternehmer im Sinne des Wortes […]. Jobs jedenfalls war ein schöpferischer Zerstörer im Sinne des Ökonomen Joseph Schumpeter. Außerdem durfte er scheitern, und er durfte zurückkehren. Wäre so etwas in Deutschland vorstellbar?”

Inspiriert hatten den Autoren schließlich Steve Jobs selbst und  dessen Rede in Stanford. ”Thank you Steve”, schließt Knop daher. Und bietet im Anhang noch eine Zeitleiste sowie Absatzzahlen und andere Tabellen wie etwa über neu geschaffene Arbeitsplätze und Stellen durch iPod & Co.

Fazit und Empfehlung

Carsten Knop ist ein Autor, der vorwiegend die ökonomische Seite von Apple betrachtet. Technische Details stehen dafür weniger im Mittelpunkt des Interesses. Aber das gerade macht dieses Buch so interessant und lesenswert, weil man in den üblichen Apple-Büchern über diesen Aspekt sonst weniger erfährt. Aufgrund der Fülle von Namen und Details hätten wir uns einen Index gewünscht, um solche Stellen leichter wieder aufzufinden. Denn die Überschriften der Kapitel sind dazu zu knapp und allgemein gehalten. Insgesamt ein Buch, das wir jedem Anhänger und Interessenten von Apple oder Steve Jobs gern empfehlen.

 Info: Carsten Knop: "Big Apple" mit der ISBN-13:978-3-89981-271-8 kostet 20 Euro, F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen

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