Von Frank Ziemann - 23.10.2006, 16:49

Big Brother Award 2006 für CD-Brenner

Neben anderen hat die Firma Philips einen der diesjährigen Preise erhalten, weil CD-Brenner ihre Seriennummer auf gebrannten CDs hinterlassen sollen. Weitere Preisträger sind die deutschen Kultus- und Innenminister, die Banken-Organisation SWIFT und der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft.
Der Big Brother Award wird in jedem Jahr an Personen, Behörden, Firmen und Organisationen verliehen, die nach Ansicht der Jury durch besondere Missachtung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung aufgefallen sind. Die deutsche Preisverleihung wird von der Organisation Foebud e.V. in Bielefeld organisiert und hat am 20. Oktober im Rahmen einer Galaveranstaltung in der Ravensberger Spinnerei stattgefunden.
In der Sparte "Technik" ging der Preis an den CD-Erfinder Philips. Grund ist die Vorgabe, dass CD-Brenner auf jede gebrannte CD-R oder CD-RW eine eindeutige Seriennummer schreiben sollen. Dies soll die Rückverfolgung von Raubkopierern ermöglichen. Kritisiert wird dies, weil die Anfertigung privater Kopien in Deutschland nicht grundsätzlich verboten ist.
Den Politik-Preis teilen sich die Innenministerkonferenz der Bundesländer für die Einführung der so genannten "Anti-Terror-Datei" und der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Dieser hat die Möglichkeit zur verdachtsunabhängigen Tonaufzeichnung in der Öffentlichkeit (etwa in Verkehrsmitteln oder Gebäuden) geschaffen. Damit würden Bürger in der Ausübung ihrer demokratischen Grundrechte wie freie Meinungsäußerung behindert.
In der Kategorie "Wirtschaft" erhielt die internationale Banken-Organisation SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) den diesjährigen Big Brother Award. Als preiswürdig erachteten die Juroren, dass SWIFT-Europa Daten internationaler Banktransaktionen an US-Behörden übermittelt.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) bekam den Preis in der Sparte "Verbraucherschutz" für den Austausch von Warn- und Hinweisdateien innerhalb der Branche. Dabei werden nach nicht öffentlichen Kriterien und ohne ausreichende Rechtsgrundlage sowie ohne Kenntnis der Betroffenen vielerlei Informationen über Millionen von Versicherten ausgetauscht.
Schließlich bekam die Kultusministerkonferenz den Behörden-Preis für die Einführung lebenslanger Schüler-IDs. Begründet wird die Auszeichnung mit der fehlenden Zweckbindung der Datensammlung und mangelndem Schutz vor Missbrauch.
Alle Preisträger zusammen bilden nach Ansicht der Jury nur die Spitze des Eisbergs, vielerlei unsinnige oder gar bedenkliche Datenerhebungen konnten nicht berücksichtigt werden.
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