1752971

BigBrotherAwards 2013 für Apple, Google und die Post

17.04.2013 | 11:49 Uhr |

Die jährlichen Auszeichnungen für grobe Fehlleistungen bei Datenschutz und Privatsphäre gehen 2013 an Apple, Google, die Deutsche Post und die Bundespolizei sowie an die deutschen Ministerpräsidenten.

Alle Jahre wieder verleihen Datenschutzaktivisten in Anlehnung an George Orwells Roman "1984" die BigBrotherAwards an Unternehmen und Einrichtungen, die nach Ansicht der Jury besonders gegen des Geist des Datenschutzes verstoßen haben. Der Verein digitalcourage (vormals FoeBuD) in Bielefeld organisiert den deutschen Ableger dieses Negativpreises.

Apple erhält bereits zum zweiten Mal einen der wenig begehrten Preise. In diesem Jahr geht der BigBrotherAward in der Kategorie Arbeitswelt an die Apple Retail Germany GmbH in München für die Videoüberwachung in den Apple Stores. Hier sollen nicht nur Verkaufs- und Lagerräume flächendeckend überwacht worden sein, sondern auch die Pausenräume der Angestellten. Zudem habe sich Apple uneinsichtig gezeigt. Apple hat dieser Darstellung widersprochen: sie sei schlicht unwahr.

Google bekommt den Preis in der Kategorie "Globales Datensammeln", weil es unter dem Deckmantel einer Suchmaschine und anderer Gratisdienste Echtzeitdaten über alles und jeden sammle. Diese würden für die Werbeprofite des Konzerns genutzt. Google missachte dabei EU-Recht. Das Problem seien nicht einzelne Verstöße, sondern der Gesamtkonzern und sein Geschäftsmodell, so die Jury.

In der Kategorie Wirtschaft geht der Preis an die Deutsche Post Adress GmbH, eine Tochtergesellschaft der "gelben Post". Sie sammelt Adress- und Umzugsdaten, um ihre Datenbestände aktuell zu halten, die sie an zahlende Kunden verkauft. Selbst wer beim Umzug keinen Nachsendeantrag stelle, sei vor den Rechercheuren der Post nicht sicher.

Die Bundespolizei erhält den diesjährigen Behördenpreis der BigBrotherAwards. Als preiswürdig erachtet die Jury Polizeikontrollen, bei denen Menschen allein wegen äußerer Merkmale wie etwa ihrer Hautfarbe zur Feststellung ihrer Personalien aus Menschenmengen heraus gegriffen würden. Bei dieser "rassistischen Rasterung" käme es nicht auf verdächtiges Verhalten der Betroffenen an.

In der Kategorie Politik erhalten die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer den BigBrotherAward 2013. Gewürdigt wird damit die Einrichtung des GEZ-Nachfolgers, des Gemeinsamen Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Die Verfasser des Staatsvertrags hätten die Gelegenheit verpasst bei der grundlegenden Neuordnung der Rundfunkgebühren (neu: Beiträge) personenunabhängige Regelungen zu entwickeln.

Nicht mit einem Preis ausgezeichnet, aber "tadelnd erwähnt" wurden unter anderem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für ihr Beraterregister, die Bundesregierung für ihren Gesetzentwurf zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes und zur Neuregelung der Bestandsdatenauskunft, das EU-Überwachungssystem EUROSUR, das Mobilbetriebssystem Palm WebOS und der Deutsche Musikrat.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1752971