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Google will Goggles vermarkten

18.11.2010 | 10:03 Uhr

Knapp ein Jahr nach der Einführung testet das Unternehmen, wie sich seine mobile Bild- und Texterkennungs-App in Verbindung mit Werbeanzeigen kommerziell verwenden lässt.

Google Goggles ist eine für das hauseigene Android-OS und - seit Oktober integriert in die Google-Mobile-App - für das iPhone-Betriebssystem verfügbare Anwendung, die es Nutzern ermöglicht, auf Basis von Fotos nach Informationen im Web zu suchen. Ein Anwender nimmt etwa mit seiner Smartphone-Kamera ein Bild eines Gemäldes, eines Gebäudes oder einer Landschaft auf und erhält via Goggles mit etwas Glück Details über den Künstler, den Architekten oder seinen aktuellen Standort. Neben Fotos erkennt der noch nicht ganz ausgereifte Dienst von Google Labs auch QR-Codes oder Strichcodes und kann sogar zum Einlesen von Visitenkarten genutzt werden. Dank Integration von Google Translate und OCR eignet sich das Tool aber auch zum Übersetzen fremdsprachiger Speisekarten.

Wie Shailesh Nalawadi, Product Manager von Goggles, nun in einem Blog-Post mitteilte, will Google gemeinsam mit den Marken Buick, Disney, Diageo, T-Mobile USA und Delta Airlines die Vermarktbarkeit des Goggle-Dienstes testen. Die Partner haben bereits einige ihrer Plakate, Filmposter, Werbeanzeigen und weitere Medien mit einem speziellen "Google-Goggles"-Tag versehen. Nimmt ein Nutzer von dem Bild ein Foto auf, erkennt Goggles dieses und bietet, quasi als Sponsored Link, sofort die passende Website dafür an.

Wer künftig in den USA beispielsweise mit seiner Handy-Kamera eines der 30.000 Poster für die Disney-Produktion "Tron: Legacy‚Äù ins Visier nimmt, wird auf eine mobile Website weitergeleitet, wo er einen Trailer des Films ansehen kann. Gleichzeitig hat er die Möglichkeit, über Fandango.com oder Movietickets.com Karten für den Film zu kaufen. Die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, T-Mobile USA, wiederum will Goggles in Verbindung mit Print-Werbeanzeigen in Magazinen wie "Spin", "Glamour" oder "Rolling Stone" nutzen, um das neue "T-Mobile G2" zu bewerben.

Fusion von Online- und Offline-Welt

Für Google ist das Goggles-Experiment nach Projekten wie Android oder Chrome ein weiterer Versuch, die Offline- und Online-Welt zu verbinden und damit neue Vermarktungsmöglichkeiten zu erschließen. Entscheidend über Erfolg oder Misserfolg ist dabei letztendlich die Bereitschaft der Anwender, den Dienst tatsächlich in Anspruch zu nehmen. Ob der Plan aufgeht, dürfte nicht nur Google interessieren. Rein technisch betrachtet, ist die Bilderkennung - ähnlich wie bei der gesamten Augmented-Reality-Thematik - nur eine attraktivere, wenn auch umständliche Alternative zu QR- oder Strichcodes, denen Links mit weiterführenden Informationen hinterlegt sind.

Amazon gründet "Filmstudio"

Das Online-Warenhaus Amazon.com versucht sich neuerdings als - nicht ganz uneigennütziger - Filmmäzen: Drehbuchautoren und Filmemacher können bei den frisch gegründeten "Amazon Studios" ihre Scripts einreichen und sich das Feedback der weltweiten Internet-Gemeinde einholen. Außerdem dürfen Produzenten oder Regisseure Filmentwürfe mit mindestens 70 Minuten Länge erstellen und ebenfalls hochladen. Die besten Einreichungen honoriert Amazon Studios mit Geldpreisen von jährlich insgesamt 2,7 Millionen Dollar. Finanziert wird das Angebot unter anderem durch eine Kooperation mit Warner Bros. Pictures. Diese dürfen die Vorschläge als Erste sichten. Bei Nichtinteresse steht es Amazon.com frei, das Projekt mit einem anderen Filmstudio zu realisieren.

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