888864

Bilder-Tools für Mac-OS X

13.12.2001 | 00:00 Uhr |

Kommerzielle Software für die Bildbearbeitung unter Mac-OS X lässt zwar noch auf sich warten, aber für die Übergangszeit und darüber hinaus springen einige schöne Sharewaretools in die Bresche.

München/Macwelt - Wer mit Mac- OS X Bilder bearbeiten will, braucht nicht auf Photoshop zu warten. Die Adobe-Bildbearbeitungssoftware läuft zwar in der Classic-Umgebung, nimmt den Prozessor auf diesem Weg allerdings noch mehr in Anspruch als ohnehin schon. Wer nicht auf Photoshop angewiesen ist, kann sich seine Leib- und Magen-Werkzeuge für Mac-OS X auch unter den vorgestellten Programmen suchen. Für gute Funktionalität kann man verschiedene Programme kombinieren und hat dabei den Vorteil, dass man mit schlanken Werkzeugen arbeitet und die Classic-Umgebung nicht bemühen muss. Es gibt bereits viele neue Bildbearbeitungstools, die zum Teil aus der Unix-Welt kommen und auf Mac-OS X portiert, zum Teil extra für das neue System geschrieben wurden. Quartz, ein Bestandteil von Mac-OS X, erleichtert den Softwareentwicklern die Arbeit, weil sie damit viele Funktionen vorgefertigt bekommen, die sie unter dem bisher erhältlichen Mac-OS selbst programmieren mussten. Deshalb konzentrieren sich die Entwickler jetzt auf andere Bereiche: Einige Programme sind vor allem als Bildbetrachter konzipiert, andere bieten umfangreiche Möglichkeiten, die Bilddaten zu bearbeiten und für die Ausgabe vorzubereiten.

Goldberg 1.1


Opus Software hat das kostenlose Hilfsprogramm Goldberg geschrieben. Es ist in erster Linie ein Bildbetrachtungstool, das die Formate PICT, Photoshop, JPEG, TIFF, FlashPix, GIF, PNG, Targa, BMP, SGI, und PDF lesen kann. Zusätzlich haben die Entwickler aber noch die Effekte integriert, die Quicktime liefert. Damit bietet die Software alles, was man braucht, um einfache Bildkorrekturen vorzunehmen. So lassen sich Farben im CMYK- und im RGB-Modus verändern und Auswahlen erstellen. Das Bild lässt sich in vorgegebenen Winkeln und nach nummerischen Werten drehen. Helligkeit und Kontrast stellt man per Schieberegler ein. Die Quicktime-Effekte bieten auch einige Filter, darunter Scharf- und Weichzeichnen, Staub und Kratzer entfernen oder Blendeneffekte. Schön ist der Filter "Color Tint", der das gesamte Bild auf Wunsch in Sepiafarben oder in frei wählbaren Farben tönt. Wer gelegentlich mit Grab Bildschirmfotos macht, wird den erweiterten Menüpunkt "Datei > Neu" schätzen lernen: Erstellt man eine Auswahl und wählt dann den "Neu" -Befehl, erscheint der Menüpunkt "Image with selection", der eine neue Datei erstellt, die nur den Inhalt der Auswahl enthält. Zwar stürzt die Software gelegentlich ab, doch eingedenk der Tatsache, dass Goldberg nichts kostet, finden wir uns mit diesem Mangel ab.

Stone Studio für Kreative


Die Software von Andrew Stone beherbergt ein ganzes Paket von Programmen, die verschiedene Zwecke erfüllen. Die Werkzeuge heißen Create, Gif fun, Pack up and go, Photo to web, Pstill, Slice and Dice und Time equals money.
Create ist ein Layout-Programm, mit dem man schnell und einfach Dokumente erstellt, die Text und Bilder enthalten. Die Software bietet eine große Auswahl an Vorgaben, etwa zwei- oder dreispaltige Dokumente mit Textrahmen oder verschiedene Hintergründe und Muster. Bilder oder Text werden per Drag-and-drop ins Dokument eingefügt. Zudem gibt es umfangreiche Möglichkeiten, die Schrift nach Bedarf anzupassen. Wer will, kann die Vorgaben auch editieren oder eigene erstellen.
Mit Photo to Web lassen sich Webseiten aus Fotos erstellen. Per Drag-and-drop zieht man einzelne Bilder oder ganze Ordner ins Fenster. Sie lassen sich drehen, skalieren und mit Informationen versehen. Mit diesem Tool kann man die Bilder auch zur Diashow zusammenfügen, Ausschnitte wählen und unerwünschte Bilder entfernen. Die Vorschau zeigt eine Voransicht der einzelnen Bilder und eine Übersicht, wie lang der Browser bei verschiedenen Verbindungsgeschwindigkeiten voraussichtlich brauchen wird, bis er das Bild geladen hat.

Gimp


Die Linux-Software hat gute Voraussetzungen, Photoshop ernste Konkurrenz zu machen. Gimp gibt es als Open-Source-Projekt schon lange für Linux und beim Funktionsumfang zieht es mit Photoshop gleich. Seit Mac-OS X gibt es Gimp für den Mac. Wer über eine schnelle Internet-Verbindung verfügt, kann sich die Open-Source-Software herunterladen. Wer noch Installationshilfen und ein umfangreiches Handbuch dazu haben möchte, kann sich für
90 Mark das offizielle Gimp-Benutzerhandbuch von Karin und Olof S. Kylander kaufen, das zusätzlich eine CD mit der Software und mit Beispielbildern enthält. Um Gimp auf dem Mac einsetzen zu können, braucht man allerdings noch die grafische Oberfläche, die auf der CD nicht enthalten ist. Sie lässt sich ebenfalls aus dem Internet laden oder bestellen. Außerdem ist es ratsam, eine Maus mit drei Tasten zu benutzen, weil viele Funktionen am Besten mit der mittleren oder der rechten Maustaste aufgerufen werden. Weitere Informationen und eine Installationsanleitung gibt es unter www.macgimp.com .

Pictureplay


Diese Shareware wurde konzipiert, um Kollagen aus verschiedenen Bildern zu erstellen. Dazu unterstützt die Software verschiedene Dateiformate zum Öffnen und Speichern von Bildern und bietet überdies die Möglichkeit, Textebenen einzufügen. Außerdem bietet Pictureplay einige Filter, die Farben der Bilder lassen sich beeinflussen. Leider sind alle Menüs mit bunter Schrift geschrieben, so dass man sie in den meisten Fällen nur fragmentarisch lesen kann. Wer mit hellem Hintergrund oder hellen Bildern arbeitet, kann die Menüs erst lesen, wenn er mit der Maus darüber scrollt und die Befehle dunkel unterlegt sind. Deshalb erkennt man oft nur durch Ausprobieren, ob ein Menübefehl anwendbar ist oder nicht - eine sehr zeitaufwendige und frustrierende Programmoberfläche.

Shomi


Shomi 2.0 liegt derzeit lediglich in einer Beta-Version vor und ist eine Vorschau-Funktion für Bilddaten. Zieht man Dateien in den gängigen Bilddateiformaten auf das Programm oder sein Alias, schaltet der Bildschirmhintergrund auf Grau und zeigt in der Mitte das Bild an. Ein Mausklick oder das Drücken einer beliebigen Taste bringt den alten Bildschirm wieder. Solange man die Shareware nicht registriert hat, erscheint mitten im Bild die Bitte um Registrierung. Wer mit vielen Bilddaten umgeht und häufig nur eine Vorschau des Bildes braucht, ohne dass er ein Bildbearbeitungsprogramm öffnen will, erhält mit Shomi für 30 Dollar ein hilfreiches Werkzeug, das auch in einer Nicht-Carbon-Version vorliegt.

Fazit


Der Quartz-Layer macht viel aus. Diesem Teil des Betriebssystems verdanken Mac-OS-X-Nutzer die Tatsache, dass nahezu alle vorgestellten Programme PDF-Dateien lesen und schreiben können. Werkzeuge wie Goldberg profitieren zusätzlich, da dort Quartz mit den Funktionen von Quicktime verbunden wird. Auch die optischen Feinheiten wie das Anti-Aliasing, die Transparenz und die Vorschaufunktionen machen die Bildbearbeitung mit Mac-OS X einfacher und schöner. Trotzdem sind die meisten Programme spezialisiert: Sie leisten in einigen Bereichen viel, doch im Vergleich mit dem Tausendsassa Photoshop können sie nicht mithalten. Dennoch muss man nicht auf Photoshop warten, um Bilder auch unter Mac-OS X korrigieren und bearbeiten zu können. Die vorgestellten Werkzeuge decken einen großen Teil der Funktionen ab, die man sich zum Editieren von Bilddateien wünscht. Experimentierfreudige Anwender finden in unserem Überblick sicher das eine oder andere Tool, das sie bald nicht mehr missen möchten.

Mehr über Bildbearbeitung unter Mac-OS X lesen Sie in Macwelt 1|2002 ab Seite 84

Downloads:
Goldberg
Stone Studio
Pstill
Graphic Converter
Photoline 32
Pictureplay
Shomi
Simpleimage
Art Directors Toolkit
ConvertimagesX

0 Kommentare zu diesem Artikel
888864