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Börsenaufsicht beschuldigt Xerox des Betrugs

15.04.2002 | 11:41 Uhr |

MÜNCHEN ( COMPUTERWOCHE ) - Der Büromaschinenhersteller Xerox hat nach Erkenntnissen der US-Börsenaufsicht SEC die Investoren jahrelang "in die Irre geführt und betrogen". Die Behörde reichte gestern eine Klageschrift bei einem New Yorker Gericht ein, in der das Unternehmen beschuldigt wird, mit Bilanztricks die finanziellen Zahlen schöngerechnet zu haben. In den Geschäftsjahren 1997 bis 2000 seien Umsätze von knapp drei Milliarden Dollar falsch gebucht und zudem die Vorsteuergewinne aufgebläht worden. Xerox hat die Vorwürfe bislang weder eingestanden noch dementiert, erklärte sich aber bereit, eine Rekordstrafe von zehn Millionen Dollar zu zahlen. Zudem muss der Konzern die letzten vier Jahresbilanzen neu prüfen lassen. Xerox hatte anscheinend Leasing- und Wartungsverträge nicht über deren Laufzeit, sondern vielfach zu Stichtagen verbucht.

Nach Ansicht der SEC ist mit den Bilanztricks der Kurs der Xerox-Aktie in den vergangenen Jahren künstlich hochgehalten worden, damit das Top-Management um die Ex-CEOs Paul Allaire und Richard Thoman ihre Boni erhalten und Anteilscheine lohnenswert verkaufen konnten. Mitte 2000 war das Xerox-Papier 60 Dollar wert, Ende des gleichen Jahres weniger als fünf Dollar. Angeblich stehen den Managern jetzt Klagen ins Haus; sie sollen sich mit dem System zweistellige Millionenbeträge in die eigene Kasse gewirtschaftet haben. Ohne die Manipulationen hätte das Unternehmen laut SEC in elf von zwölf Quartalen (1997 bis 2000) die finanziellen Erwartungen der Analysten nicht erfüllt. Xerox-Mitarbeiter, die sich gegen diese Bilanzierungsstrategie ausgesprochen hatten, sind von dem Konzern gefeuert worden. Die Xerox-Wirtschaftsprüfer kamen von KPMG. (ajf)

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