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Breakthrough Starshot: Mit dem Nano-Schiff in Richtung Alpha Centauri

13.04.2016 | 11:26 Uhr |

Zukunftsmusik, was gestern der Milliardär Juri Millner vorgestellt hat, aber durchaus realistische Technik für das Ende des Jahrhunderts.

Der Weltraum, unendliche Weiten. Es ist kaum Küstenschifffahrt, was die Menschheit im All betreibt, aber von den ersten primitiven Flößen bis zur Eroberung des Südpazifiks gingen ja auch einige zehntausend Jahre ins Land. Es ist schließlich gerade erst 55 Jahre her, dass der erste Mensch in das All geschossen wurde und lebend wieder daraus zurück kam: Juri Gagarin. Gut, er drehte nur eine Runde um den blauen Planeten und war auch nur kurz in einer Höhe von 100 Kilometern unterwegs, die gemäß einer internationalen Übereinkunft als Grenze zum Weltraum gilt. Das soll die Leistung aber in keiner Weise schmälern. An Juri Gagarin und seine Nachfolger erinnert der Internationale Tag der bemannten Raumfahrt am 12. April, in der Sowjetunion und später in Russland "Tag der Kosmonauten" genannt. Seit fünf Jahren gilt das Gedenken aber allen Raumfahrern.

So hat weder die NASA den 12. April 1981 zufällig als Starttermin für das erste Space Shuttle bestimmt, als auch der russische Milliardär Juri Milner nur von ungefähr an einem 12. April seine Vision von einer Sternenreise vorgestellt. Das Projekt Breakthrough Starsho t, bei dessen Präsentation Millner die Unterstützung des legendären Kosmologen Stephen Hawking erhielt,  soll aber keineswegs eine menschliche Besatzung in Welten schicken, die noch nie zuvor ein Mensch betreten hat, sondern Nanobots.

Breakthrough Starshot: Roboter sind robuster als Menschen

Das Konzept hatte vor einigen Jahren auch der Physiker Michio Kaku in seinem populärwissenschaftlichen Werk " Die Physik der Zukunft: Unser Leben in 100 Jahren " skizziert. Anstatt eines Raumschiffes, das menschliches Leben durch die Leere transportieren muss, sollen abermillionen von Nanoraumschiffen auf die Reise gehen. Für diese braucht man keine Lebenserhaltungssysteme und anders als Menschen halten die Nanobots auch immense Beschleunigungen aus, um ferne Welten noch zu Lebzeiten der auf der Erde zurückgelassenen Mission Control zu erreichen. Die Miniaturisierung macht es möglich, Nanoraumschiffe können auf engstem Raum allerhand Elektronik unterbringen, Kameras, andere Sensoren und Kommunikationseinheiten. Fällt eines der Raumschiffe im Schwarm aus, ist das kein Problem, auch dann nicht, wenn es weit mehr als eines ist. Im Gegenteil müssten nur sehr wenige Individuen das Ziel erreichen, um die Mission zu erfüllen. Auf ihre Geschwindigkeiten kommen die Nanoschiffe mittels einer Laserkanone, die die Sonnensegel der Bots mit einem starken Lichtimpuls befeuert. Gemäß des Rückstoßprinzips nehmen die Raumschiffe die Energie des vollständig reflektieren Lichts auf und beschleunigen auf bis zu 20 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Das sollte reichen, um innerhalb von 20 Jahren die Nachbarschaft im Kosmos zu erreichen, das etwa viereinhalb Lichtjahre entfernt liegende Doppelsternsystem Alpha Centauri/Proxima Centauri.

Plausible Physik, technische Schwierigkeiten

Milner will das Projekt "Breakthrough Starshot" über die nächsten 20 Jahren mit 100 Millionen US-Dollar finanzieren, diese werden vor allem für die Forschung aufgewendet. Denn obwohl die Physik der Vision schlüssig klingt, bestehen hohe technische Hürden. Für die Beschleunigung müssten die Laser über wenigen Minuten eine Leistung von einigen Gigawatt bereit stellen. Durch die Atmosphäre zu schießen und dabei richtig zu treffen, wäre ein weiteres Problem - würde besser mit einer im Orbit oder auf dem Mond stationierten Kanone funktionieren. Schließlich müssten die Sonnensegel der Nanobots auch noch das Licht vollständig reflektieren, würden sie auch nur einen Teil davon absorbieren, verdampft das winzige Raumschiff. Sprich: Schon beim Start geht höchstwahrscheinlich ein großer Teil der Flotte verloren.

Aber sollten die mit Breakthrough Starshot beschäftigten Forscher und Ingenieure alle Hindernisse überwinden, könnten unsere Kinder, Enkel und Urenkel ungefähr an Weihnachten 2061 erste Bilder aus dem der Sonne am nächsten gelegenen Sternsystem bewundern, die aus unmittelbarer Nähe aufgenommen wurden. 20 Jahre Forschung, 20 Jahre Flug und dann noch einmal 4,5 Jahre Datenübertragung mit Lichtgeschwindigkeit...

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