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Breitband-Alternativen ohne Chance gegen Telekom

14.03.2002 | 14:14 Uhr |

Kabelnetz, Richtfunk, Powerline: Alle drei Ansätze, T-DSL Marktanteile beim Breitband-Internet abzujagen erweisen sich immer mehr als Flop.

Schnell durchs Internet - mit diesem Versprechen machten Telekom-Unternehmen in den vergangenen Jahren auf der Cebit Schlagzeilen. Die Aussicht, dem Ex-Monopolisten Deutsche Telekom Marktanteile abzujagen, beflügelte die gesamte Branche. Doch nach der geplatzten Übernahme der TV-Kabelnetze durch das amerikanische Unternehmen Liberty Media gleicht das so genannte Breitband für den schnellen Weg ins Web eher einer Schmalspur: Zum Internet-Zugang per Digital Subscriber Line (DSL) über das klassische Telefonkabel gibt es kaum noch Alternativen, und die mehr als zwei Millionen DSL-Kunden bundesweit surfen fast alle mit der Deutschen Telekom.

Beispiel Kabelnetz: Das Verbot des Liberty-Deals durch das Bundeskartellamt hat die Aufrüstung des Fernsehnetzes für Internet, Telefonieren und Multimedia auf Eis gelegt. Nur in Nordrhein- Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen werden die Netze zu Datenautobahnen ausgebaut. Auf der Cebit ist in diesem Jahr von den dortigen Anbietern jedoch nichts zu sehen, das Thema spielt auf der Messe kaum eine Rolle. "Das rentiert sich für uns nicht", rechtfertigt eine Sprecherin des Unternehmens ish, dem die Netze in NRW und im Südwesten gehören, die Abwesenheit. Ein neuer Investor für die übrigen Kabelregionen ist derzeit nicht in Sicht.

Beispiel Richtfunk: Mehr als 21 Tonnen Papier schleppten die Bewerber für Lizenzen im Wireless Local Loop (WLL) - so heißt die Technik im Fachjargon - Mitte 1999 zur Regulierungsbehörde. Richtfunk überträgt die Internet-Daten von einer Basisstation zur Antenne auf Gebäudedächern und überbrückt damit die so genannte letzte Meile, das angestammte Revier der Deutschen Telekom. Ein Jahr später war erst ein Viertel der Anlagen betriebsbereit. Im vergangenen Herbst häuften sich dann die Hiobsbotschaften: Illustre Namen wie Callino, FirstMark und die Deutsche Landtel meldeten einer nach dem anderen Insolvenz an, heute sind nur noch wenige Anbieter übrig.

Beispiel Powerline: Auf der Cebit 2001 startete der Energieriese RWE eine große Werbekampagne für das Internet aus der Steckdose. Dabei sollen die Daten über das Stromnetz übertragen werden. In diesem Jahr ist RWE auf der Messe nicht mehr vertreten, der Konkurrent E.ON hat seine Powerline-Aktivitäten vor einigen Monaten ganz eingestellt. Die Technik gilt in der Branche als störanfällig. Im Powerline Center zeigen zwar noch andere Unternehmen ihre Angebote, doch das Publikum zieht es vor allem auf die benachbarten Stände der Mobilfunkunternehmen. "Die Aufbruchstimmung ist vorbei", sagt Roland Kress, Sprecher der MVV Energie AG, die in Mannheim rund 2000 Powerline-Kunden hat und an ihrer Technologie weiter festhält.

Wirtschaftliche, technische und auch politische Hürden haben die alternativen Technologien zum Straucheln gebracht. Nur das Kabelnetz habe weiterhin Potenzial, das Telekom-Monopol zu brechen, meint Heinrich Kreutzer, Technikvorstand beim Netzwerkausrüster Alcatel SEL. "Diese Chance zu verpassen, ist gesamtwirtschaftlich barer Unsinn", kritisiert der Manager das Nein des Kartellamts zum Einstieg von Liberty Media. Selbst der Deutschen Telekom hätte die Konkurrenz Freude gemacht: Kommen keine Einnahmen aus dem Verkauf der einst mit Steuergeldern gebauten Kabelnetze in die Kasse, bleibt das Unternehmen nämlich weiter auf seinen hohen Schulden sitzen. dpa

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