2195560

Mikro-Brennstoffzelle soll Batterie ablösen

10.05.2016 | 15:39 Uhr |

Mobilgeräte werden immer leistungsfähiger aber auch energiehungriger. Der Akku könnte nicht mehr lange die einzige Energiequelle sein.

Apple hat es mit dem Macbook von 2016 wieder geschafft: Der Akku wird zwar nicht größer, hält aber wegen optimierter chemischer Prozesse und effizienterer Chips länger durch , bis zu elf Stunden. Bei intensiver Nutzung muss das Macbook aber dennoch jede Nacht an die Steckdose, wie auch das iPhone und die Apple Watch. Oder sogar das iPad, wenn man es als Notebookersatz den ganzen Tag über in Einsatz hat.

Wiederaufladbare Akkus lassen nun einmal nur eine begrenzte Arbeitsdauer zu, das Wiederaufladen kann zudem unangenehm lange dauern – was auch für Elektrofahrzeuge eine wesentliche Einschränkung bedeutet. Doch während für das iCar und Konsorten Lösungen für höherer Reichweite und schnelleres Wiederaufladen der Akkus gesucht werden, könnte die IT-Industrie den umgekehrten Weg gehen und von der Batterie zum befüllbaren Tank wechseln. Der Treibstoff der allmählich serienreifen Mikro-Brennstoffzellen ist Wasserstoff, in welcher Form er den Smartphones, Tablets und Wearables der Zukunft zugeführt werden kann, ist noch offen. Doch sollte man mit ein- oder zweimal "tanken" im Monat ganz gut hinkommen.

Stand der Technik

Wie das Szenario aussehen könnte, beschreibt Techcrunch in einem Feature . Erste Demos hat man heuer im Januar auf der Elektronikfachmesse CES in Las Vegas gesehen, eine iPhone, das eine Woche lang betriebsbereit sei oder eine Drohne, die mit der chemischen Energie des Wasserstoffs fliegt. Die Mikro-Brennstoffzellen dafür das britische Unternehmen Intelligent Energy zur Verfügung gestellt, die bereits Ende 2015 nach eigenen Angaben mit einem "aufstrebenden Smartphone-Entwickler" einen OEM-Vertrag abgeschlossen haben. Sprich: Intelligent Energy soll die Entwicklung eines mit Wasserstoff betriebenen Smartphones vorantreiben. Auf dem Markt gibt es bereits Lösungen von Firmen wie Brunton, MyFC JAQ, Kraftwerk und Ardica, die jedoch die Technik dazu einsetzen, Batterieladegeräte etwa für Camper herzustellen. Das Potential, Wasserstoff direkt für den Antrieb der Mobilgeräte zu nutzen, habe die Mikro-Brennstoffzelle aber.

Brennstoffzelle im iPhone soll eine Woche halten

Anders als Batterien ist eine Brennstoffzelle kein Energiespeicher, sondern wandelt permanent die im Brennstoff auf Wasserstoffbasis enthaltene Energie mit Hilfe eines Oxidationsmittels – Sauerstoffs – in elektrische Energie um. In welcher Form der Wasserstoff zugeführt werde, sei noch nicht entschieden, meint Techcrunch. Es stehe womöglich ein Konkurrenzkampf der System bevor, wie man es von den VHS- und Betamax-Videorekordern kennt. Unterschiedliche Flüssiggasmischungen mit hohem Wasserstoffanteil bieten sich als Brennstoff an.

Eine Frage des Marktes

Die jährlichen Kosten für das Auftanken könnten aber jene für das Aufladen um ein Vielfaches übersteigen, doch hat auch die Bequemlichkeit von in Plastik- oder Glasflaschen gefülltes Mineralwasser dazu geführt, dass ein Markt entstand. Dereinst könnten alle Verkaufsstellen, die heute noch Batterien oder Feuerzeuge führen, profitabel den Tankinhalt für die Mikrobrennstoffzellen der mobilen Generation verkaufen, fabuliert Techcrunch. Hersteller könnten ihre eigenen Lösungen zum einfachen Nachfüllen zu ihren Produkten hinzuverkaufen - oder der Apple Store der Zukunft "Zapfsäulen" aufstellen.

Die Sache hat aber noch einige Haken: Die Brennstoffzelle hat sich trotz ihrer unbestrittenen Vorteile im Automobilbau nicht so weit durchgesetzt, dass sie Benziner und Diesel verdrängen konnte. Wasserstoff wird zudem derzeit großindustriell vorwiegend aus Methan erzeugt, als Abfallprodukt entsteht CO 2 . Doch könnten in Zukunft auch umweltfreundlichere Herstellungsmethoden wieder populärer werden, etwa Elektrolyse mit aus Sonnenenergie erzeugtem Strom. Erste Smartphones mit Mikro-Brennstoffzelle werden, wenn überhaupt, in frühestens fünf Jahren auf den Markt kommen. Bis dahin können Forscher und Entwickler bei Apple und anderswo noch an der Optimierung von Akku und Chips arbeiten.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2195560