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Bruce Chizen über die Zukunft des Publishing

12.06.2001 | 00:00 Uhr |

Im zweiten Teil des Macwelt-Interviews mit Bruce Chizen lesen Sie, warum Adobe nicht auf Linux als Desktop-Betriebssystem setzt, das originale PDF-Format immer anspruchsvoller sein wird als Apples Implementation und wie Photoshop und Premiere vom Boom der digitalen Fotografie und des digitalen Videos profitieren wird.

Macwelt: Ihr Konkurrent Macromedia hat vor zwei Jahren Andromedia gekauft, dass ein sehr außergewöhnliches Produkt anbietet. Adobe hat bisher noch nichts in der Art.

Bruce Chizen: Es ist interessant, wie Sie von Macromedia als einem Konkurrenten reden. Wir konkurrieren nicht in vielen Bereichen. Wir konkurrieren mit Golive und Dreamweaver, mit Livemotion und Flash und ein wenig mit Illustrator und Freehand, wobei ich denke, dass wir im letzten Fall gewonnen haben und die meisten Leute zu Illustrator wechseln. Sie haben den Versuch unternommen, viele der Entwicklungswerkzeuge für das Netz selbst herzustellen. So wie sie mit dem Aufkaufen von Andromedia und Allaire versuchen, viel Unternehmenssoftware selbst zu produzieren. Unsere Strategie ist es, enger mit Partnern zusammenzuarbeiten, denn wir denken, dass Partner wie Interwoven und Unternehmen wie IBM Websphere und BEA Systems in diesem Bereich erfolgreicher als Adobe sein werden. Wir wollen es jemandem, der mit einem Produkt wie Golive arbeitet, einfacher machen, mit dieser Unternehmenssoftware zusammenzuarbeiten. Es ist also eine ganz andere Herangehensweise. Wir werden weiterhin Produkte herstellen, die den Übergang einfacher machen. Man konnte etwas davon mit Golive und den Dynamic Link Libraries sehen. Sie können sich vorstellen, dass die nächste Version von Golive noch besser wird. Es wird möglich sein, variable Daten zu integrieren, so dass Grafiken in Echtzeit erstellt werden können.

Macwelt: Ihre Strategie, mit Partnern zusammenzuarbeiten, ist sehr interessant. Aber wenn es einen De-Fakto-Standard einer Non-Profit-Organisation gibt, würden Sie diesen unterstützen?

Bruce Chizen: Ja, wir stellen sicher, dass ein Produkt wie Golive etwas wie JSP unterstützt.

Macwelt: Also muss Adobe die JSP-Technologie in seine Produkte bringen?

Bruce Chizen: Ja, das müssen wir. Aber wenn der Standard groß genug ist, gibt es im Normalfall Partner, die diesen Standard unterstützen. Wir müssen davon Ahnung haben, aber wir müssen nicht notwendigerweise diejenigen sein, die das High-End-Produkt verkaufen und Support dafür bieten, denn das ist ein völlig anderes Geschäft. Genauso wie wir keine Datenbankfirma sein wollen.

Macwelt: Es scheint für viele Unternehmen den Trend zu geben, im Consultant-Geschäft tätig zu werden. Ist das nichts für Adobe?

Bruce Chizen: Nun, die Gewinne und Profite im Consultant-Bereich sind sehr klein, wenn Sie sich Adobes Geschäftsmodell anschauen, dann haben wir ein sehr attraktives Geschäftsmodell mit sehr hohen Gewinnen. Deshalb haben wir einen sehr attraktiven Aktienkurs. Das wollen wir nicht aufs Spiel setzen. Wir bevorzugen es, mit anderen Consultant-Firmen zusammenzuarbeiten, damit sie unsere Produkte unterstützen. Und ich denke, dass das Wachstumspotential unserer existierenden Produkte groß genug ist, dass wir nicht ins Counsultant-Geschäft einsteigen müssen. Es ist sehr aufregend für uns, denn wir sprechen sowohl den Kreativen als auch den Profi an. Und soviel Information wird produziert! Denken Sie an das Internet. Jedes Bild im Netz wurde vielleicht von Photoshop berührt, jede Grafik vielleicht mit Illustrator gezeichnet, viele Schriften sind von Adobe. Wohin Sie schauen, ob Sie ein Markenzeichen, einen Chart, eine Zeitung oder eine Grafik anschauen, Fernsehen oder Kino schauen oder eine Webseite anschauen - die Chance ist sehr hoch, dass der Inhalt, den Sie sehen, von Adobe berührt wurde.
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