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Rezension: Steve Jobs - iLeadership

14.06.2011 | 10:03 Uhr |

"Mit Charisma und Coolness an die Spitze" ist die Biographie Apples für visionäre Unternehmer und solche, die genau das werden wollen, untertitelt. Mit Genuss und Nutzen zu Lesen ist das Werk des ehemaligen Apple-Managers Jay Ellliot allemal - es beantwortet aber genau die letzten Fragen nicht.

Steve Jobs: iLeadership
Vergrößern Steve Jobs: iLeadership

"Wie werde ich der nächste Steve Jobs und mache aus meiner Firma ein wie Apple erfolgreiches Unternehmen?" lautet die Frage, die Jay Elliot zusammen mit seinem Co-Autoren William L. Simon in seinem Buch beantworten will. Gleichzeitig lässt sich das Buch als Rezept für Apple verstehen, die Zeit nach Steve Jobs anzugehen und die Apple-DNA in die nächsten Generationen zu tragen.

Elliot hat dem jungen Steve Jobs in seiner ersten Zeit bei Apple für einige Jahre als Personalchef des aufstrebenden Unternehmens gedient, aus dieser Zeit stammen auch einige interessante Anekdoten, die Elliot miterlebt hat oder miterlebt haben will. So erzählt er etwa, wie der junge Charismatiker einige Aspekte der Geschäftswelt erst auf die harte Tour lernen musste - weniger dramatisch waren dabei die Japan-Reisen, auf denen Manager von Sony und Toshiba nur scheinbar gelangweilt während Apples Vorträgen die Augen geschlossen hielten, aber auf diese Weise sich besser auf das Gesagte zu konzentrieren hofften. Dass Jobs schnell aus Fehlern lerne, zeigt Elliot an dem Beispiel der Produktion des Ur-Mac auf, für den Jobs eine eigene Fabrik zur Endmontage errichten ließ, die sich schon in den frühen Achtzigern wirtschaftlich nicht rentierte - die Fertigung hat Apple längst ausgelagert.

Nicht jede der Anekdoten um den jungen Visionär will man so recht glauben, unterläuft Elliot doch schon im Prolog ein schwerer Logikfehler, der womöglich nur der Vermischung zweier Ereignisse in der Erinnerung geschuldet ist, aber auf das Buch einen kleinen Schatten wirft. Denn kennen gelernt habe der erfahrene IBM- und Intel-Manager den Jungspund im Warteraum eines Restaurants etwa im Jahr 1980, als beide zufällig den gleichen Artikel über den tragisch gescheiterten Computerhersteller Eagle lasen - doch dessen Niedergang trat erst mit dem Unfalltod des Gründers Dennis Bernhart im Juni 1983 ein.

Derart alarmiert finden wir die ein oder andere falsche Jahreszahl, aber keinen weiteren groben Fehler. Ein wenig wunderte uns aber, dass Elliot in seiner Erinnerung an Jobs’ Besuche im Palo Alto Research Center (PARC) des Herstellers Xerox nicht nur von der Begeisterung des Apple-Gründers für die grafische Benutzeroberfläche und die Maus berichtete, sondern schon dem jungen Steve die Vision eines per Fingertipp bedienbaren Gerätes unterschiebt - der Mac von 1984 wäre demnach nur der erste Schritt auf dem Weg zum iPad gewesen.

Jobs’ Art zu führen: iLeadership

Ansonsten ist die Analyse des immensen Erfolges Apples in sich absolut schlüssig, Elliot zeigt genau auf, welche Faktoren entscheidend für das "iLeadership" sind - und erklärt so ein wenig von der von Apple und Steve Jobs ausgehenden Faszination. Da sind natürlich die Detailbesessenheit des CEO und seine nie nachlassenden Forderungen nach der Umsetzung seiner Visionen ("Das iPhone darf nur einen Knopf haben! Macht das so"). Trotz - oder auch gerade wegen - seiner permanenten "Einmischung" gelinge es Jobs, Teams nicht nur zu motivieren, sondern auch die besten Köpfe für Apple zu gewinnen. Ohne die Leidenschaft für das Produkt bei sich selbst und den Mitarbeitern könne ein Erfolg wie der Apples nicht gelingen - nur wer selbst das Produkt nutzt und es gar nicht mehr erwarten kann, bis es endlich fertig ist, kann das Produkt zu einer Qualität bringen, die der Markt von Apple erwartet.

Elliot, der nur kurze Zeit nach Steve Jobs’ Rausschmiss aus dem Unternehmen im Jahr 1985 Cupertino verließ, zeigt am Beispiel von Apples Jahren ohne Jobs auf, was passieren kann, wenn man die Grundsätze der "Steveness" missachtet. Apple war vor allen Dingen wegen einer unübersichtlichen Produktpalette in Schwierigkeiten geraten, die Marke habe aber auch an der Trennung von der Werbeagentur Chiat/Day gelitten, die seinerzeit für den legendären "1984"-Spot verantwortlich zeichnete. Neu bei Apple installiert, hatte Jobs zuerst den CEO Gil Amelio abgesägt, diverse Produktreihen eingestellt und Chiat/Day neu engagiert: Die Kampagne "Think different!" leitete das atemberaubende Comeback Apples ein.

Das Buch nimmt anders als die meisten der unautorisierten Jobs-Biographien oder Werke zu Apples Unternehmensgeschichte eine eher devote Haltung zu Jobs ein. Dem Autoren ist nach wie vor anzumerken, wie sehr er vor dreißig Jahren von dem jungen Charismatiker angetan war und wie hoch er den erfahrenen Jobs schätzt. Das ist gewiss keine Schwäche des Buchs, doch um dem geneigten Leser zu erklären, wie er mit Produktleidenschaft, Detailbesessenheit und Markenbewusstsein seine eigene Firma in Sphären der Steve’schen Coolness führen kann, reicht diese Sicht bei weitem nicht aus.

In einer Art Nachwort schreibt Elliot Apple ins Stammbuch, wie denn die Zukunft aussehen könnten, sollte Steve Jobs aus gewissen Gründen nicht mehr in der Lage sein, das Unternehmen zu führen und warnt vor ersten Fehlern, die sich in Jobs’ Abwesenheit bereits eingeschlichen hätten. So sei "Antennagate" unter anderem damit begründet, dass der kranke Steve Jobs sich bei der Entwicklung des iPhone 4 einmal eben nicht auf Details habe einlassen können. Dennoch zeigt sich Elliot optimistisch, eine auf die Schultern von Tim Cook, Jonathan Ive und Phil Schiller verteilte Verantwortung würde das Erbgut Steve Jobs’ weiter tragen und den Erfolg Apples erhalten und mehren.

Fazit

All den unautorisierten Werken zu Steve Jobs und der Geschichte Apples fügt Jay Elliot mit seinem Buch einen neuen interessanten Aspekt hinzu. Die Frage, wie man in die Fußstapfen von Steve Jobs treten kann, erklärt das Buch aber nur unzureichend. Unbeantwortet bleibt etwa, was genau das Charisma, das Durchhaltevermögen und die Überzeugungskraft Jobs’ ausmachen und wie man diese Tugenden in das eigene Unternehmen einbringen kann. Wer aber wissen will, warum Apple derzeit so erfolgreich ist, erhält mit "Steve Jobs - iLeadership" eine äußert erhellende Auskunft.

Steve Jobs: iLeadership - Mit Charisma und Coolness an die Spitze , Ariston, ISBN: 978-3-424-20049-2,
20 Euro

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