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Online-Geschäft rettet Buchbranche

14.01.2011 | 07:19 Uhr |

Der florierende Online-Handel hat die Buchbranche im vergangenen Jahr vor dem Schlimmsten bewahrt

Für den klassischen Buchhandel endete 2010 nach einem katastrophalen Weihnachtsgeschäft mit einem Minus von 2,8 Prozent. Dass für das Gesamtjahr doch ein winziges Umsatzplus von 0,4 Prozent in den Büchern der Branche steht, hat sie dem E-Commerce zu verdanken. Die traditionellen Sortimenter erlitten im schnee- und eisreichen Dezember mit einem Minus von 7,3 Prozent einen Einbruch.

"Der Online-Handel profitiert von den Verschiebungen im Markt", sagte am Donnerstag in Frankfurt Claudia Paul, Sprecherin des Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Genaue Zahlen über den Marktanteil des Online-Handels will der Dachverband der Branche erst im Sommer vorlegen. 2009 kam das Internet schon auf mehr als 12 Prozent. Über den Ladentisch der klassischen Sortimenter wandert noch etwa jedes zweite Buch. Der Börsenverein lässt monatlich den Umsatz der Vertriebswege Sortimentsbuchhandel, Warenhäuser und E-Commerce erfassen. Doch auch mit dem Internet-Handel hat die Branche gerade mal eine schwarze Null geschrieben - die Inflationsrate ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Auch innerhalb des Einzelhandels sind das keine guten Zahlen. "Der Buchmarkt läuft dem Einzelhandel weit hinterher", meint der Hamburger Branchenexperte Boris Langendorf, der einen Online-Branchendienst betreibt.

Im vergangenen Jahr habe es zu wenig attraktive Titel gegeben, heißt für Langendorf eine Erklärung. Thilo Sarrazins umstrittener Bestseller "Deutschland schafft sich ab" und der neue Ken Follett ("Sturz der Titanen") hätten als Spitzentitel nicht ausgereicht.

Am besten verkaufte sich 2010 auf stabilem Niveau (Marktanteil 33,8 Prozent) die Belletristik, dazu gehören Romane. Bücher aus dem Bereich Spannung - da sind auch Krimis dabei - brachten es auf 27 Prozent (2009: 28,2 Prozent). Eingebrochen mit einem Umsatzrückgang von über 20 Prozent ist der Bereich Comic, Cartoon, Humor, Satire. Der Marktanteil liegt noch bei 6,9 Prozent.

Die Zahlen machen auch deutlich, dass Strukturwandel und Konzentrationsprozess in der Branche noch lange nicht vorbei sind. "Die Eisscholle, auf der der Buchhändler steht, wird kleiner", sagt Langendorf. Gerade auch im Kampf gegen den Internet-Handel habe der Sortimenter nur dann eine Chance, wenn er seinen Laden "zur dritten Heimat zwischen Wohnung und Arbeitsplatz macht".

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