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Buchhandelsverband nennt Google-Einigung "Trojanisches Pferd"

30.10.2008 | 14:38 Uhr |

Der Börsenverein der Buchhändler hat die Einigung zwischen Google und amerikanischen Verlegern und Autoren scharf kritisiert.

Die Vereinbarung zwischen Google und den US-Verlegern über die Buch-Suche im Internet ist aus der Sicht des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels eine Enteignung auf kaltem Weg. "Die Vereinbarung gleicht einem Trojanischen Pferd, mit dem Google antritt, die weltweite Wissens- und Kulturverwaltung zu
übernehmen", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, nach Mitteilung vom Donnerstag. Für Europa könne im Interesse einer kulturellen Vielfalt das amerikanische Modell nicht
in Betracht kommen.

Der amerikanische Autorenverband Authors Guild sowie die Association of American Publishers (AAP) hatten ihren über zwei Jahre andauernden Urheberrechtsstreit mit Google am Dienstag mit einer Zahlung von 125 Millionen Dollar beigelegt . Damit wurde der Weg für eine umfassende Online-Suche auch in geschützten Büchern und Texten freigemacht. Google hat bislang rund sieben Millionen Bücher aus den
US-Bibliotheken eingescannt.

"Enteignung der Urheber"

Google sei es nach der Vereinbarung gestattet, ohne Zustimmung der betroffenen Autoren und anderer Rechteinhaber in Bibliotheken gescannte Werke im Internet öffentlich zugänglich zu machen, kritisierte der Börsenverein. Dies sei eine Enteignung der Urheber auf kaltem Weg. Die amerikanische Vereinbarung laufe außerdem einer Wirtschaftsordnung nach europäischem Verständnis mit dem Ziel der Vielfalt durch Wettbewerb weitestgehend zuwider. Es bestehe die Gefahr, dass Google künftig die Einkaufswahl der Verbraucher lenken und Einfluss auf die Vertriebshoheit der Verlage nehme.

Google hatte 2004 mit dem Einscannen der Bücher begonnen. Die Buchbranche bremste das Projekt aber 2005 mit Urheberrechts-Klagen. Die Einigung soll auch den Weg für den breiteren Online-Verkauf
kompletter Bücher öffnen. Die vereinbarten neuen Dienste sollen nur Google-Nutzern aus den USA zugänglich sein. Die Vereinbarung Googles mit den Verlegern und Autoren enthält unter anderem eine Regelung, dass Autoren Tantiemen gezahlt bekommen. Die Buchhändler werden durch die Digitalisierung jedoch umgangen.

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