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Buchrezension: Fotobücher für Knipser und Künstler

19.09.2008 | 15:58 Uhr |

Dank günstiger DSLR-Kameras werden jedes Jahr tausende Einsteiger zu ambitionierten Hobbyfotografen. Hier gibt es Lehrmaterial für Knipser.

Nikon, D40 DSLR-Kamera
Vergrößern Nikon, D40 DSLR-Kamera

Unsere Kollegen von macnews haben sich Bücher rund um die Fotografie am Mac zur Brust genommen, schließlich öffnet am 23. September in Köln die Photokina ihre Pforten. Weltweit die wichtigste Messe für Fotografie. Ronald Puhle nimmt dieses Ereignis zum Anlass, sich im romantischen Schein der Leselampe einer Reihe von Werken für Fotografen und Bildkünstler zu widmen. Heute im Fokus: iLife 8 für Fotografen, The GIMP, kontrastumfangoptimierte Aufnahmen und ein Einblick in die Arbeitsweise eines berühmten Fotografen.

Bettina K. Lechner: "Digital fotografieren - Gimp"

Markt + Technik Verlag , München; 2008; 176 S.; 29,95 Euro. Innerhalb eines Jahres holt Neuautorin Bettina K. Lechner mit zwei Büchern zum gimpologischen Doppelschlag aus: Ende 2007 machte "Gimp ab Version 2.4", erschienen bei Addison-Wesley, den Anfang. Das mit „Für digitale Fotografie, Webdesign und kreative Bildbearbeitung“ untertitelte Erstlingswerk zeigt dem Leser die Bandbreite und Leistungsfähigkeit der kostenlos erhältlichen Pixelschubse auf. Der Nachfolger "Digital fotografieren - Gimp" orientiert sich inhaltlich an den Bedürfnissen des ambitionierten Fotografen, schließt aber die Layoutgestaltung mit ein. Wer hier einen billig aufgemachten Abklatsch des Vorgängers wittert, den belehrt die Autorin eines Besseren.

Im Bezug auf den Einstieg und die Bearbeitung von Fotos sind beide Bücher zwar thematisch ähnlich gegliedert, die Aufbereitung des Inhalts weicht jedoch voneinander ab. Die Erfahrungen der Autorin aus ihrem ersten Buchprojekt sind in den neuen Titel eingeflossen und machen ihn deshalb zu unserem Buchtipp. Das GIMP-Projekt ist etwas Besonderes, die Bedienung des Programms ebenso. War bisher das nicht mehr neu aufgelegte "GIMP - kurz & gut" unsere Referenz, so hat Bettina K. Lechners zweiter GIMP-Exkurs das Zeug zum Thronfolger. Fazit: Um sich in Sachen professionelle Bildbearbeitung erste laue Lüftchen um die Nase wehen zu lassen, ist The GIMP bestens geeignet. Damit der Einstieg nicht zum Stolperstein wird, bietet Bettina K. Lechner ihre Hilfe an. "Digital fotografieren - GIMP" ist ein gelungenes Einsteigerwerk und zudem 10 Euro günstiger zu haben als sein Vorgänger.

Joe McNally: "Der entscheidende Moment"

Addison-Wesley Verlag , München; 2008; 244 S.; 39,95 Euro. Gute Aufnahmen transportieren verlustfrei die Sichtweise des Fotografen und regen den Betrachter zu eigenen Interpretationen an. Oft stecken hinter den Bildern Geschichten, die kaum bekannt sind und viel zu selten erzählt werden. Erst im Olymp der Fotografengötter angekommen oder in biografisch würdigem Alter wird dieser Deckmantel des Schweigens für gewöhnlich gelüftet - "Der entscheidende Moment" vom amererikanischen Fotografen und Fotojournalisten Joe McNally bildet in diesem Punkt keine Ausnahme. Zu jedem Foto erzählt McNally seine persönliche Geschichte. Seltener sind es Anmerkungen zur Technik, die sonst immer das Gesprächsthema in Fachkreisen bilden. Vielmehr stehen das Motiv und die für den Fotografen leidigen Randbedingungen im Vordergrund. Wie heißt es so schön: Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen.

Seinen Ausführungen folgend lässt sich diese Weisheit auch auf den Bekanntheitsgrad der abgelichteten Persönlichkeiten und den Ideenreichtum des Fotografen übertragen. Im gleichen Strickmuster philosophiert der Autor darüber, wie er das Schaffen des erfolgreichen Fotografen sieht, für den Leser bleibt der erhobene Zeigerfinger aus. Stattdessen bekennt McNally freimütig: Oft genug war in seiner Laufbahn der Moment entscheidend und wie er ihm entgegengetreten ist. Große Fotografen kochen eben auch nur mit Wasser und sind auf glückliche Umstände angewiesen. Diese Mischung aus Offenheit und Lebensweisheit macht das Buch sympathisch und lesenswert. Fazit: Wer möchte endlose Monologe eines Amateurknipsers zu seinen Fotografien lesen? Niemand! Wie pubertierende Teens aber saugen Fotobegeisterte alles auf, was die Großen des Fachs von sich preisgeben. Die Geschichten hinter den Aufnahmen reichen oft in die Intimsphäre des Fotografen und seiner Motive, der fotografisch ambitionierte Leser wird sicherlich die eine oder andere Parallele zu seinem Schaffen entdecken. Joe McNallys "Der entscheidende Moment" hat deshalb auch die Züge einer Selbsthilfe-Fibel für kreativ fühlende Fotografen.

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