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Buchrezension: Tatort Internet

04.02.2008 | 12:04 Uhr |

Alles scheint möglich in den Weiten und Tiefen des Internet - aber nicht alles ist gut. Wie man sich einigermaßen sicher gegen Rufschädigung und Betrug im Netz schützt, erfährt man auf fast 400 informativen Seiten in einem Buch vom Verlag Markt + Technik.

Tatort Internet
Vergrößern Tatort Internet

Ja, das Internet - wer wollte noch ohne das weltweite, jederzeit verfügbare Netz auskommen? Aber wie überall im echten Leben lauern auch hier an fast jeder Ecke böse Buben und Mädels, die sich an uns sehr interessiert zeigen: an unseren Daten etwa, an unserem Geld, oder einfach nur an unserem Ruf - und wie sie diesen im schlimmsten Fall ruinieren können. Noch gravierender ist es, wenn es die Kleinsten trifft, unsere Kinder, die ahnungslos und oft leichtsinnig in Chatrooms Kontakte zu Unbekannten knüpfen, die ihnen leicht gefährlich werden können. Besonders wenn sie sich mit diesen Personen tatsächlich treffen oder ihnen gar Nacktfotos von sich schicken. Überhaupt das schmutzige Geschäft der Kinderpornografie - wer weiß schon, dass es riskant, weil strafbar sein kann, wenn man auch nur unbeabsichtigt solche üblen Werke auf der Festplatte schlummern hat, im Cache des Browsers nach einem versehentlichen Besuch einer solchen Drecksseite oder in einer ungelöschten Junk-Mail, die derartige Bilder enthält?

Und wie sieht es mit Ihrer ”Googlability” aus, also Ihrem Ruf im Internet, etwa bei Bewerbungen? Lassen sich unvorteilhafte oder gar verleumderische Einträge bei Google & Co. wieder löschen? Kann man selbst aktiv für eine gute Googlability beitragen? Was ist, wenn die Kreditkarte fremd genutzt wurde - wussten Sie, dass man Überweisungen, die über diesen Weg unautorisiert veranlasst wurden, ebenso wie bei einer gewöhnlichen EC-Karte über die Bank rückgängig machen kann? Ich wusste es nicht, bis ich dieses Buch gelesen habe.

Deutliche Warnungen, hilfreiche Hinweise und Vorlagen

In 10 Kapiteln zeigen die Autoren Thomas Volkmer und Mario C. Singer in ihrem ”Handbuch gegen Rufschädigung, Beleidigung und Betrug im Internet” (so der Untertitel), worauf man achten sollte, wie man seinen Ruf im Internet selbst ermittelt und gegebenenfalls korrigiert - im Zweifel mit professioneller Hilfe. Sie erklären Begriffe wie Cyberbullying, Social Engineering oder Phishing und Pharming. Man erfährt, wie man sich gegen Betrüger bei Ebay schützt und darauf achtet, dass eigene Texte im Sinne des Urheberrechts nicht von anderen für deren Zwecke missbraucht werden. Auch über Mittel gegen Cyberstalking im Internet, etwa in den diversen Foren oder auf anonymen Homepages lässt sich das Buch informativ aus - ohne zu versäumen darauf hinzuweisen, dass es leider auch Grenzen gibt, wenn die Urheber von Spam und Verleumdungen nicht ausfindig zu machen sind. Juristisch abgeklopfte Mustertexte für Beschwerden helfen beim Ergreifen von Maßnahmen gegen die vielfältigen Widrigkeiten. Ferner erläutern die Autoren auch anhand von Screenshots Schritt für Schritt, wie man Einstellungen für das WLAN und im Browser anpasst, um im Netz sicherer unterwegs zu sein - leider nur für Windows-Programme, ein Hinweis auf Sicherheitseinstellungen auf dem Mac - etwa zur eingebauten, aber umstrittenen Firewall im Leopard - hätte uns durchaus gefreut. Denn vor so mancher Gefahr sind auch Macuser nicht gefeit, wenngleich Viren und Spyware unter Mac-OS X bislang keinem Apple-Anwender graue Haare wachsen lassen müssen.

Wie auch immer - wem diese Fülle von Infos und Hilfestellungen noch nicht reicht oder wer konkrete Anliegen hat, findet weiteres Material, News und die Möglichkeit zum persönlichen Kontakt mit den Autoren sowie Forumsmitgliedern auf deren Internetseite www.internetvictims.de - die ”Initiative gegen Rufschädigung und Verleumdung im Internet”. Ein Anhang mit Internetnetadressen der Länderpolizeistellen, der Verbraucherzentralen sowie ein Glossar und Stichwortverzeichnis ergänzen den Band sinnvoll.

Fazit

Ein Buch, das mit allerhand Cyber-Kauderwelsch und juristischem Fachjargon daherkommt, und dennoch spannend zu lesen ist, sofern man selbst das Internet in all seinen Varianten eifrig nutzt - der Rezensent hat diesen Band zum eigenen Erstaunen mit hohem Interesse und gern komplett durchgelesen, obwohl die Autoren im Vorwort darauf hinweisen, dass man es selbstverständlich je nach Anlass und Betroffenheit auch nach akuter Interessenlage konsumieren könne. Dass sich dabei bestimmte Inhalte wiederholen, liegt nicht nur in der Natur der Sache, sondern ist auch für ”Komplettleser” erfreulich, weil sich auf diese Weise mancher komplexere Sachverhalt noch besser setzen kann. Für alle Web-Surfer mit auch nur elementarem Sicherheitsbewusstsein ist dieses Buch über den Tatort Internet eine klare Empfehlung!

Info: Thomas Volkmer / Mario Singer, Tatort Internet. Das Handbuch gegen Rufschädigung, Beleidigung und Betrug im Internet, 408 Seiten - 1-farbig, ISBN: 978-3-8272-4337-9, 29,95 Euro, Verlag Markt + Technik

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