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Buchrezension: Wikipedia inside

11.12.2007 | 13:24 Uhr |

... und was womöglich auch nicht. Der hier vorgestellte Band über Wikipedia ist äußerst informativ, gelegentlich jedoch sind die umfangreichen Details nur für absolute Insider (oder solche, die es werden wollen) interessant.

Wikipedia inside
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Wikipedia ist praktisch zu einem Standard für Wissenssuchende geworden – im Online-Bereich ist die freie Enzyklopädie hinter Google wohl die wichtigste Anlaufstelle zur Informationsbeschaffung. Gemäß neuesten Untersuchungen (vgl. Stern Magazin 50/2007) bestätigte sich einmal mehr, dass Wikipedia auch im Vergleich zu etablierten Lexika sehr gut bis besser informiert, wenn auch nicht immer verständlicher. Aber wer weiß schon, was dort hinter den Kulissen passiert, wer die Autoren sind, wie die Einträge dort kontrolliert und auf Qualität geprüft werden – und welche Konflikte es unter den aktiven Wikipedianern gibt?!

Wer es genau erfahren will, erhält jetzt mit dem Buch des Ex-Wikipediaaktivisten Günter Schuler auf knapp 280 Seiten umfassende Auskunft.

Zahlen, Fakten, Hintergründe

Schuler, der für sein Buch bereits selbst einen kurzen Eintrag ins deutsche Wikipedia gefunden hat, informiert den Leser in drei Hauptabschnitten (Außendarstellung / Innenleben / Zukunft) und insgesamt 11 Kapiteln umfangreich über die Wurzeln von Wikipedia, wie es sich im Vergleich zu anderen Wikis und den etablierten Lexika schlägt, welche internen Querelen und Diskussionen es unter den Aktiven gibt, wie sich das Verhältnis von Männern zu Frauen, Rechten und Linken, Administratoren und ”einfachen” Usern gestaltet, welche (un?-demokratischen) Machtstrukturen und Fraktionen sich innerhalb der Wiki-Community rangeln, welche Konsequenzen und rechtlichen Details es bei der GNU- und anderen relevanten Lizenzen für das Verfassen und Editieren von Artikeln bei Wikipedia zu beachten gilt, und wie man gemäß seinen Vorschlägen das Schreiben und Administrieren bei der freien Online-Enzyklopädie transparenter wie effektiver gestalten könnte.

Auch auf Einzelheiten des Editierens (Formatierungen, Setzen von Links u.a.) bei Wikipedia geht Schuler ein – sowohl für Einsteiger als auch Fortgeschrittene. Die Lektüre des Buches, das leider von einigen Rechtschreibefehlern und verqueren Satzstellungen nicht ganz frei ist, ist immer wieder von Grafiken, Statistiken, Bannern und Bilder auch bekannter Wiki-Aktiver sinnvoll und erfrischend aufgelockert. Mac-Fans wird es freuen, sämtliche Screenshots der Wikipedia-Sites im Rahmen des Safari-Browsers unter Mac-OS X zu finden. Zahlreiche Weblinks (die bei Erscheinen des Bandes nicht mehr immer aktuell sein müssen oder können), ein Glossar zu Wiki-relevanten, im Fließtext zudem ausführlich vorgestellten Begriffen wie ”Copyleft”, ”Edit”, ”Neutral Point of View (NVOP)”, ”Sockenpuppe” oder ”Wikiquette” sowie umfangreiche Anmerkungen runden das insgesamt gelungene Werk als Einführung und Überblick zum Wikipedia-Phänomen ab.

Fazit

Wer einen kompetenten und ins feinste Detail gehenden Einstieg in Wikipedia sucht, der auch kontroverse Diskussionen und persönliche Stellungnahmen des Autors nicht scheut, ist mit diesem Buch hervorragend bedient. Freilich droht für manchen Leser, der es gern allgemeiner gewusst hätte, ohne derart ausführlich ins Thema einzusteigen, tendenziell der Informations-Overkill und Langeweile bei manchen reinen Insider-Exkursen. Für diese gibt es mundgerechtere Optionen, etwa den eingangs zitierten Stern-Bericht oder Einträge in Wikipedia selbst. Ansonsten können wir den Band für angehende Wiki-Profis bedenkenlos empfehlen.

Info: Schuler, Günter, Wikipedia inside. Die Online-Enzyklopädie und ihre Community, Unrast Verlag (2007, dort auch Leseproben), 280 Seiten, ISBN-13: 978-3-89771-463-2, 18 Euro

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