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CSU-Politiker fordern Verbot von "Killerspielen"

02.09.2008 | 15:52 Uhr |

Führende Politiker haben sich für einen härteren Umgang mit gewalthaltigen Spielen ausgesprochen.

Der wachsenden Verbreitung sogenannter Killerspiele wollen CSU-Politiker per Verbot einen Riegel vorschieben. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl (CSU), stellten am Montag in Berlin die freiwillige Selbstkontrolle der Spielehersteller (USK) infrage. Jugendschutz müsse vor den Interessen der Produzenten stehen. Unterstützt wurden sie vom Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer. Es dürfe nicht sein, dass die USK mit ihrer Altersfreigabe das Strafrecht faktisch außer Kraft setzte.

Pfeiffer wies auf den Zusammenhang von Killerspielen und Gewaltbereitschaft der Jugendlichen hin. Herrmann bezeichnete die am 1. Juli in Kraft getretene Verschärfung des Jugendschutzgesetzes als Minimalkorrektur. Killerspiele seien Machwerke von abstoßender Brutalität und Grausamkeit. Bayern will im Bundesrat darauf dringen, dass sein bereits im Januar 2007 eingebrachter Antrag weiter beraten wird. Das Verbot von Gewaltdarstellungen in Paragraf 131 des Strafgesetzbuchs sei in keiner Weise auf Computerspiele zugeschnitten. Ein Verbot von Killerspielen stehe bereits im Koalitionsvertrag.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien müsse das entscheidende Wort haben und nicht die industrienahe USK, forderten die CSU- Politiker und Pfeiffer. Nach den Vorstellungen Herrmanns sollte bei Verstößen eine Höchststrafe von einem Jahr Gefängnis eingeführt und das Bußgeld drastisch von 50.000 auf 500.000 Euro erhöht werden. Pfeiffer verlangte eine umfassende Indizierung. Wenn die Spiele nicht mehr frei verkaufbar seien, würden sie nicht bekannt, und der Umsatz breche ein. "Das Indizieren ist ökonomisch höchst wirksam." Uhl regte vor dem Hintergrund kinderpornografischer Angebote im Internet an, Provider per Gesetz zu zwingen, bestimmte Seiten aus dem Netz zu nehmen.

"Was die Chinesen können, sollten wir auch können"

Spätestens seit den Olympischen Spielen in Peking wissen man, was möglich sei. "Was die Chinesen können, sollten wir auch können. Da bin ich gern obrigkeitsstaatlich." Pfeiffer kritisierte die Freigabepraxis der USK. Nur bei einem Drittel von nachgeprüften 72 Spielen sei die Alterseinstufung nachvollziehbar. Die Kontrolle sei eine Farce. "Der Jugendschutz ist ein Papiertiger." Als Beispiel für abstoßende Gewaltspiele nannte er "Grand Theft Auto IV": Das von der USK ab 18 Jahren freigegebene Spiel wurde in den ersten Wochen weltweit sechs Millionen Mal verkauft.

Dick, dumm und aggressiv

"Die lustvolle Gewaltanwendung wird zum Selbstzweck des Spiels." Mord und Totschlag würden mit Punkten belohnt. Viel zu wenig Beachtung findet nach Einschätzung Pfeiffers die Suchtgefahr durch Computerspiele. Vor allem Jungen neigten zu übermäßigem Konsum. In der Schule schnitten sie deutlich schlechter ab. Zudem gehöre kein Bildschirmgerät in ein Kinderzimmer. "Zuviel Medienkonsum macht dick, dumm und möglicherweise auch aggressiv." (dpa)

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