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Cancom sauer über Apples Händlerverträge

17.10.2002 | 14:16 Uhr |

Wie das Fachblatt Computerpartner berichtet, ist der Apple-Händler Cancom alles andere als zufrieden mit Apple. So will das Systemhaus jetzt verstärkt Windows-PC vertreiben.

München/Macwelt - Der Computerhändler Cancom ist einer der größten Apple-Händler in Europa, im Gegensatz zu anderen Systemhäusern wie etwa Bechtle spielten aber bisher Apple-Rechner im Programm eine bevorzugte Sonderrolle. Wie unsere Schwesterzeitschrift Computerpartner in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, wird sich dies in der Zukunft ändern: Anlass für den Streit zwischen Apple und dem Händler ist Apples neuer Händlervertrag. Kürzlich hatte Apple einen für ganz Europa gültigen Händlervertrag vorgestellt, der bei vielen Händlern auf wenig Gegenliebe stieß, laut Cancom-Vorstand Weinmann "ganz klar ein Knebelvertrag". Die Bedingungen gingen an den Bedürfnissen eines Systemhauses vorbei, das sich sehr stark auf Firmenkunden stützt. So werden etwa Vertragspartner nach einem Punktesystem bewertet, bei dem unter anderem eine große Ladenfläche gute Noten bringt. Für den stark auf den Versandbetrieb setzenden Händler Cancom ein Nachteil. Nach einer weiteren Bedingungen des neuen Vertrages hat Apple zukünftig auch ein Audit-Recht und könnte Einblick in die Bücher jedes Händlers nehmen. Für viele Händler ein Anlass zu Misstrauen. So stößt auch die Absicht Apples, seine Computer verstärkt direkt an Kunden zu verkaufen, in dem Systemhaus auf wenig Gegenliebe. Als Reaktion hat sich Cancom nun entschieden, in Zukunft verstärkt PC-Systeme anzubieten und seinen Kunden zu empfehlen. So sind im neuesten Katalog Media Solutions neben einem G4-Rechner auch alternative PC-Systeme aufgeführt. PCs hat Cancom schon lange im Programm, bisher waren aber keine Windows-Systeme in diesem verbreiteten Katalog angeboten worden. Direkt neben einem Dual-G4 für 4174 Euro wird etwa eine Compaq Evo Workstation für 3000 Euro als Alternative angeboten. Wie Reinhold Gatzka, Leiter des Vertriebs bei Cancom, der Computerpartner zu Protokoll gab, sehe man auch Apples Produktpolitik sehr kritisch: "Leistungsfähige Rechner für die Medienbranche sucht man bei Apple derzeit vergebens. Technologisch ist das Unternehmen nicht mehr konkurrenzfähig." Auch die zukünftige Produktlinien seien nicht bekannt. Ständig müsse sich man von neuen Produkten überraschen lassen. Offenbar setze der Computerhersteller immer stärker auf den Consumerbereich, was zu Lasten der Profilinie gehe.
Anders sieht dies Apple Deutschland. Wie Frank Steinhoff, Chef von Apple Deutschland Computerpartner mitteilte, wäre es schließlich nur gerecht, wenn alle Händler in Europa die gleichen Verträge bekämen; schließlich hätten fast alle Apple-Händler die neuen Verträge inzwischen auch unterzeichnet. Auch die Profianwender würden von Apple natürlich weiterhin nicht vernachlässigt werden. Es werde aber weiterhin keine öffentliche Roadmap, als frühe Ankündigungen neuer Produkte geben. "Was die Öffentlichkeit und damit die Partner mitbekommen, ist die starke Medienpräsenz von Steve Jobs. Und es ist doch mehr als verständlich, dass er versucht, mit den neuen Apple-Produkten neue Märkte und Zielgruppen anzusprechen." sw

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