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Cancom und Disc Direct schließen Allianz

01.12.2000 | 00:00 Uhr |

Cancom verfolgt sein Ziel "vom Markführer in Deutschland zum europäischen Marktführer" wachsen zu wollen, weiter konsequent. Nachdem man neben Teampoint in diesem Jahr sechs weitere Firmen geschluckt hat, übernimmt der eigenen Angaben zufolge "größte Apple Partner in Europa" das Endkundengeschäft von Disc Direkt.

Die beiden Apple-Händler Cancom und Disc Direct haben eine Allianz geschlossen, bei der Disc Direct dem neuen Partner sein Endkundengeschäft überlässt, um sich nach Angaben eines Firmensprechers ganz auf den Handel fokussieren zu können.

Dass dieser Zusammenschluss in der vergangenen Woche schon für wilde Spekulationen in der Mac-Szene gesorgt hatte, liegt wohl an der aktuell schwierigen Lage einiger Apple-Händler und der aggressiven Politik von Cancom. Seit die Firma im Januar dieses Jahres die Teampoint AG, Würzburg übernommen hatte, folgten sechs weitere Unternehmen den Würzburgern unter das Dach des nach eigenen Angaben größten Apple-Partners in Europa.

Ehrgeizig verfolgt das Unternehmen sein Ziel, "vom Markführer in Deutschland zum europäischen Marktführer" wachsen zu wollen, und scheut sich dabei nicht, auch mal die Muskeln spielen zu lassen. So erklärte Unternehmenssprecher Farhad Safarli im August gegenüber Wallstreet online: "Bei Übernahmen sind wir der einzig mögliche Käufer und das hält die Kaufpreise niedrig." Mit dieser Politik hat Cancom in diesem Jahr nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, England und der Schweiz Übernahmen oder Mehrheitsbeteiligungen über die Bühne gebracht.

Im Mai hatte sich das Unternehmen mit einem Aktiensplit das nötige Kapital besorgt, seitdem versucht die Firma, ihre Aktien mit immer neuen Erfolgsmeldungen aus dem negativen Sog der Apple-Aktien rauszuhalten. Trotz eines erfolgreichen Berichtes zum Ende des dritten Geschäftsjahresquartals am 30.9 bei dem Cancom einen Umsatz von gut 200 Milllionen Mark verkündete, dümpelt die Aktie auf einem Stand von etwas über 16 Euro dahin.

Aktuell fokussiert sich der Spezialist für Apple und Adobe, der seit der Übernahme von Teampoint in Deutschland mit 12 eigenen Filialen präsent ist, offensichtlich auf zwei Ziele: Ziel Nummer eins ist, sich als Big-Player in der Druckvorstufe und Medienbranche zu etablieren. Hierzu gehören die Verträge mit Apple und Adobe, für die Cancom in einem Lizenzabkommen größere Firmeninstallationen übernimmt. In diesen Bereich fallen die Übernahme der deutschen Unternehmen Langer Datentechnik, eines Systemhauses für die Druckvorstufe, und die der Blum + Wittig Produkte Vertriebs GmbH, eines Dienstleisters aus dem Bereich Workflow und Druckvorstufe.

In Europa hatte sich Cancom durch die Übernahme des größten Pariser Apple-Händlers Phenix Assistence und eine Mehrheitsbeteiligung an der Britischen Multiple Zones, für die Cancom zum Herbst zwei weitere Filialen erwarb, weitere Standbeine geschaffen. Gerade für die Expansionspläne von Cancom in Europa könnte Disc Direct ein interessanter Partner sein, unterhält das Mailorderhaus doch gute Geschäfte in England und den Beneluxländern.

Der andere Schwerpunkt ist das Internet-Geschäft, an dem sich Cancom sowohl als Anbieter von E-Commerce-Plattformen und Webshops als auch als Internet-Anbieter von Hard- und Software beteiligt. Letzter Schritt dazu war der Relaunch der Website www.tendi.com. Das Versand-Geschäft der Tendi AG (ehemals Cancom direct) hatte durch die Übernahme der Internet-Community Plugware.net und der Schweizer Softmail IT AG, an der Cancom zu 75 Prozent beteiligt ist, Verstärkung erhalten. Das Mailordergeschäft von Disc Direct könnte sicherlich ebenfalls gut in das Portfolio von Apple passen. Da Cancom auch für 2002 seine Expansionspolitik forfführen will und weitere Übernahmen angekündigt hat, bleibt abzuwarten, wie sich die Geschäftsbeziehungen der beiden Firmen langfristig entwickeln.

Marlene Buschbeck-Idlachemi

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