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Update: Apple will Carrier IQ komplett löschen

02.12.2011 | 10:45 Uhr |

Ein Entwickler hat im Code von iOS Anzeichen gefunden, dass die Analysesoftware von "Carrier IQ" auch auf iPhones installiert ist. Diese sammelt Nutzungsdaten und sendet sie an Handyprovider. Apple hat mittlerweile erklärt, bald die letzten Reste der Software aus iOS zu entfernen.

Der Jailbreak-Entwickler "chpwn" hat Spuren gefunden, die zeigen, dass offenbar auch Apple die Analysesoftware "Carrier IQ" auf dem iPhone einsetzt. Wir konnten dies bei eigenen Untersuchungen nachvollziehen und bestätigen. In den vergangenen Tagen gab es zahlreiche Berichte darüber, dass diese Software auf 140 Millionen Handys eingesetzt wird und teilweise zahlreiche Nutzerdaten und sogar Nutzereingaben ausliest und an den Netzbetreiber sendet. Dass auch Apple hier beteiligt ist, wird die Berichterstattung in den kommenden Tagen vermutlich noch deutlich anheizen.

Was macht die Software

Allerdings gibt es hier auch viele Punkte, die gegen eine vorschnelle Hysterie sprechen. Denn es ist nicht eindeutig, ob und wann das Softwaremodul auf dem iPhone überhaupt aktiv ist. Zum einen wird die Software nach jetzigem Stand überhaupt dann erst gestartet, wenn der Nutzer die Option "Diagnose und Nutzung" aktiviert hat. Dies wird bei der Einrichtung abgefragt und kann auch nachträglich abgeschaltet werden. Außerdem nutzt Apple hier offenbar eine sehr eingeschränkte Variante der Software, die beispielsweise keine Tasteneingaben mitschneidet oder angerufenene Nummern speichert. Die Analyse der Zugriffe zeigt, dass offenbar nur das gesammelt wird, was die Datenschutzbestimmungen der Funktion erklären.

Auch wenn die Funktion aktiv ist, konnten weder wir noch der Entdecker chpwn feststellen, dass auch tatsächlich Daten übertragen werden. Auch Erica Sadun von TUAW hat den Fall analysiert und sieht derzeit nicht genügend Hinweise, dass hier Nutzer ausgespäht werden oder der Datenschutz verletzt wird. Carrier IQ ist ein Anbieter, der Netzbetreibern und Handyherstellern Nutzungsanalysen der Anwender zur Verfügung stellt, in erster Linie, um die Nutzung der Netze zu analysieren. In den vergangenen Tagen gab es Berichte, dass dabei sogar Texteingaben und gewählte Telefonnummern mitgelesen werden können. Dies ist bei Apples Implementierung offenbar nicht der Fall.

Analyse abschalten

In den Einstellungen kann man die Erhebung der Nutzungsdaten abschalten.
Vergrößern In den Einstellungen kann man die Erhebung der Nutzungsdaten abschalten.

Die entsprechende Einstellung für die Diagnosedaten findet man auf dem iPhone unter "Einstellungen > Allgemein > Info > Diagnose und Nutzung". Hier erklärt ein Text auch, dass bei aktivierter Option Leistungsstatistiken der Hardware (beispielsweise Crashreports) und Analysedaten des Mobilfunknetzes, sowie gelegentliche Positionsangaben übertragen werden. Persönliche Daten würden dabei nicht erhoben. Auch Carrier IQ selbst gibt an, dass alle Daten nur verschlüsselt und anonymisiert übertragen werden. Es ist nicht ausgeschlossen, das weitere Analysen neue, vielleicht sogar bedenkliche Funktionen zutage fördern werden. Derzeit gibt es in diese Richtung aber keine konkreten Hinweise. Apple weist auch in den Datenschutzbestimmungen auf die Analysefunktionen hin.

Apple selbst wollte uns gegenüber keinen Kommentar dazu abgeben ob, wo und wie Carrier IQ auf dem iPhone eingesetzt wird.

Update: Erklärung von Apple

Apple setzt die umstrittene Analysesoftware Carrier IQ nicht mehr in iOS 5 ein, erklärt das Unternehmen. Apple hat die Software in Versionen seines mobilen Betriebssystems vor iOS 5 eingesetzt, im aktuellen System für iPhone, iPod Touch und iPad sind nur noch Rudimente des Programms enthalten, heißt es. Apple erklärt: "Wir haben die Unterstützung von Carrier IQ mit iOS 5 in den meisten unserer Produkte eingestellt und werden es komplett mit künftigen Softwareupdates entfernen. Jeden Versand von Diagnose-Daten an Apple muss der Nutzer aktiv bestätigen, wenn das der Fall ist, werden die Daten verschlüsselt und anonym übertragen. Wir haben niemals Tastatureingaben, Nachrichten oder andere persönliche Daten aufgezeichnet und haben auch niemals vor, das zu tun."

Info: Blog von chpwn

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