895538

Cebit hofft auf Mittelstands-Offensive

07.02.2003 | 10:44 Uhr |

Nicht nur Bundeswirtschaftsmister Wolfgang Clement erhofft sich durch die Unterstützung des Mittelstands mehr Schwung für die Wirtschaft. Auch die von der schwächelnden Konjunktur gebeutelte Computermesse CeBIT (12. bis 19. März) in Hannover setzt auf eine Offensive für Mittelstand und Handwerk. 60 Prozent der deutschen Wirtschaft ist nach Angaben des Branchenverbands BITKOM abhängig von der Stimmung des Mittelstands. Das betreffe nicht nur Arbeitsplätze, Export oder Steueraufkommen, sondern eben auch das Internet-Geschehen, hieß es.

In rund 80 Foren und Präsentationen zeigen Anbieter auf dem Ausstellungsgelände Informationstechnologie (IT) und Dienstleistungen für die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen. Sie informieren unter anderem über elektronischen Handel, Datennetze und IT-Finanzierung. Darüber hinaus stellen sie Lösungen vor, wie der Mittelständler oder Handwerker Logistik, Einkauf, Kundenkontakte und Produktion mit Hilfe von IT-Lösungen verbessern kann.

Mit der Mittelstands-Offensive setzt die CeBIT ausgerechnet auf eine Zielgruppe, die der weltgrößten Computermesse zurzeit den Rücken kehrt. "Der Ausstellerrückgang in diesem Jahr betrifft in der Tat fast ausschließlich kleine und mittlere Betriebe, die vormals noch auf Gemeinschaftsständen vertreten waren", sagte CeBIT- Pressesprecherin Gabriele Dörries.

Nicht abzustreiten sei nach wie vor ein hoher Nachholbedarf bei kleineren Firmen, sagte Ulrich Lippe, Multimedia-Projekt-Koordinator beim Management-Center Handwerk in Oberhausen. Dabei könnten gerade kleine Betriebe übers Internet kostengünstig potenzielle Kunden ansprechen, die nicht in ihrer unmittelbaren Nähe angesiedelt sind oder auch sonst schwer erreichbar seien. Internetzugang und E-Mail seien zwar weit verbreitet, alles was darüber hinaus gehe aber nicht. «Das liegt vor allem an der Struktur der oft kleinen Betriebe mit nur wenigen Mitarbeitern», sagte Lippe. Sie verstünden zwar ihr Handwerk, Marketing gehöre jedoch nicht mit zum Tagesgeschäft und werde vernachlässigt.

Wie es gehen kann, zeigt die mehrfach ausgezeichnete Schreinerei «Koncraft» in Baden-Württemberg. Der Zusammenschluss aus fünf Handwerksbetrieben teilt sich die Arbeit an Möbeln und Inneneinrichtungen untereinander auf und tauscht Daten übers Internet aus.

Den Mittelstand für sich entdeckt haben nicht nur Messe und Politik, sondern auch die Großen der IT-Branche. Der führende Softwarekonzern Europas, SAP, hatte bereits im vergangenen Jahr auf der CeBIT angekündigt, kleinere und mittelständische Unternehmen durch maßgeschneiderte Angebote als Kunden werben zu wollen. Wettbewerber Oracle will ebenfalls im ersten Halbjahr dieses Jahres den Mittelstand für seine Betriebswirtschafts-Software gewinnen. Und der weltgrößte Computerhersteller IBM senkte im Januar die Server- Preise für mittelständische Firmen um bis zu 80 Prozent.

Auch der Telekommunikations-Dienstleister NextiraOne, ehemals eine Sparte von Alcatel, erhofft sich im Mittelstand Wachstumspotenzial. In kleinen und mittleren Betrieben sei im Unterschied zu Großunternehmen die Zuständigkeit für Telekommunikation und Internet in einer Hand. Die Ansprechpartner seien dadurch einfacher von den Vorteilen einer einheitlichen Infrastruktur für Sprache und Daten zu überzeugen. dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
895538