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Cebit soll mit Umbau wieder auf Kurs gebracht werden

24.01.2007 | 07:22 Uhr |

Ein grundlegender Umbau soll die Talfahrt der Computermesse Cebit in Hannover stoppen. Ab 2008 ist eine neue Struktur der Cebit geplant, bei der in diesem Jahr ein Minus von zehn Prozent bei Ausstellungsfläche und damit Umsatz erwartet wird. Die Messe soll stärker auf die Wünsche der Aussteller eingehen, die Struktur übersichtlicher werden. Der Vorstand der Deutschen Messe AG, Ernst Raue, sprach am Dienstag von einem "Paradigmenwechsel". Das Profil der Cebit als "Profimesse" soll wieder gestärkt, die Messekosten für die Aussteller deutlich gesenkt werden. Dazu zählen auch geringere Hotelpreise. Die Laufzeit der Cebit wird 2008 um einen Tag auf sechs Tage verkürzt.

Der Branchenverband BITKOM begrüßte die Neuausrichtung. "Eine moderne Messe muss sich rechnen, auch für die Aussteller, und sie muss bestehen im Wettbewerb mit anderen Marketing- und Vertriebsinstrumenten", sagte BITKOM-Präsident Willi Berchtold. In der Vergangenheit hatten Unternehmen der Cebit etwa ein unklares Konzept vorgeworfen und die hohen Kosten kritisiert. 2007 rechnet die Deutsche Messe AG bei der Cebit (15.-21.3.) mit rund 10 Prozent weniger Ausstellungsfläche als im Vorjahr. Im Dezember war sogar ein Minus von 15 Prozent befürchtet worden. Der Rückgang bedeutet deutliche Umsatzeinbußen für die wichtigste Ausstellung der Deutschen Messe AG. Die Zahl der Cebit -Aussteller werde leicht auf rund 6000 sinken, sagte Raue. Große Konzerne wie Nokia, Motorola, LG und Konica Minolta kommen in diesem Jahr nicht zur Cebit . Sie fühlten sich offenbar nicht mehr richtig auf der Messe aufgehoben. Raue sagte, er hoffe, dass Nokia und die anderen Unternehmen 2008 im Zuge der Neuausrichtung wieder zur Cebit kämen. Bereits in den vergangenen Jahren war die Zahl der Netto- Ausstellungsfläche - die für die Cebit wichtigste Kennziffer - kontinuierlich zurückgegangen. Betrug sie 2001 im Cebit -Rekordjahr noch 431 000 Quadratmeter, lag sie 2006 bei nur noch 303 000 Quadratmetern. Die Zahl der Aussteller lag 2006 bei 6167, 2001 waren noch knapp 8100 Aussteller gekommen.

Oberstes Ziel des Cebit -Umbaus ist es nach den Worten Raues, die Effizienz des Messeauftritts für die Aussteller zu steigern. Der Nutzen solle erhöht, die Kosten optimiert werden. Es gebe einen "Paradigmenwechsel", nämlich eine Umkehr von der Angebots- zur Nachfrageorientierung. Zudem wolle die Cebit künftig stärker auf Fachbesucher setzen, weniger auf "Plastiktütenträger". Kern der neuen Struktur ab 2008 sind drei Säulen. Dies ist zum einen der Bereich "Business" - das bedeutet Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die sich vornehmlich an Fachbesucher wenden. Die zweite Säule ist der stark wachsende "Public Sector"-Bereich für Fachbesucher aus den öffentlichen Verwaltungen. Dritte Säule der neuen Cebit ist der Bereich "Residential", das bedeutet Handel und Handwerk. Die Struktur soll insgesamt übersichtlicher werden, die Besucher eine einfachere und bessere Orientierung bekommen. Außerdem habe das Hotelgewerbe zugesagt, die Hotelkosten signifikant zu senken, sagte Raue. Die hohen Hotelpreise während der Cebit haben in der Vergangenheit bei den Firmen häufig zu Unmut geführt. Die Cebit 2008 soll vom 4. bis 9. März stattfinden, das bedeutet von Dienstag bis Sonntag. Sie wird damit nicht nur um einen Tag verkürzt, sondern rückt auch von Mitte März auf Anfang März. Die Wochenendtage sollen 2008 klar abgegrenzt werden, und zwar als Mittelstands- und Publikumstage. Hintergrund der Cebit -Krise ist ein rasanter Wandel des High-Tech- Marktes, zu dem vor allem ein steigender Kostendruck zählt. Zudem ist die einstige Trennung zwischen klassischer Computerindustrie und Unterhaltungselektronik aufgehoben. Die Cebit kämpft ferner zunehmend mit der Konkurrenz der IFA. Die Verbraucherelektronik-Messe in Berlin, die früher alle zwei Jahre stattfand, öffnet nun jedes Jahr ihre Pforten, im September. Dies war auch als Angriff auf die Cebit gewertet worden. (dpa)

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