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Heute vor 30 Jahren: Challenger-Katastrophe

28.01.2016 | 09:44 Uhr |

Am 28. Januar 1986 schockte die bis dato größte Katastrophe der bemannten Raumfahrt die Welt: Kurz nach dem Start explodierte die Challenger.

Nur der Traum von der Raumfahrt, vom Aufbruch in ferne Welten, die noch zuvor ein Mensch betreten hat, ist größer als der Traum vom Fliegen. Das mit der Raumfahrt hat aber ein paar gewaltige Haken. Da sind nicht nur die gigantischen Entfernungen - zum nächsten Stern braucht sogar das Licht über vier Jahre - sondern auch die immensen Energien, die man aufbringen muss, um erst das Schwerefeld der Erde und dann das der Sonne zu verlassen. Wenn man die Raumfahrt mit dem ersten Aufbruch der Menschheit in ein neues Element vergleicht, betrieben wir heute eigentlich nicht einmal Binnenschifffahrt, geschweige denn Küstenschifffahrt. Der im kosmischen Maßstab so armselig kurze Hüpfer einiger fragiler Lebewesen auf den diesen Planeten umkreisenden Steinbrocken namens Mond war dennoch eine technische und logistische Meisterleistung.

So träumt der Mensch nicht erst seit den Zeiten von Sputnik und Apollo davon, ferne Welten zu erkunden, vielleicht auch nur, um die eigene besser wertzuschätzen. In der Kunst haben Raketen und Raumschiffe längst tiefe Spuren hinterlassen. David Bowie ging mit Major Tom auf eine Space Oddity, wenige Jahre später ließ Peter Schilling – der heute 60 Jahre alt wird – einen Raumfahrer gleichen Namens sich völlig von der Erde loslösen und sich von einem Licht durch das All leiten.

Der auf dem Mars zurückgelassene fiktionale Mark Watney wurde im vergangenen Herbst im Kino von seiner ebenso fiktionalen Crew und Ground Control vom Roten Planeten gerettet, beinahe, wie es der höchst realen Crew von Apollo 13 auf ihrer fehlgeschlagenen Mission widerfahren war.

Nochmal den Mond zu besuchen, reizt so manche aufstrebende Volkswirtschaft. Auf dem Mars eine Kolonie zu gründen und den Nachbarplaneten zu „terraformen“ sollte im ureigenen, wenn auch sehr langfristigen Interesse der Menschheit liegen. Denn wenn eine heißer werdende Sonne die habitable Zone allmählich nach außen verschiebt, wird es auf der Erde ungemütlich und auf dem Mars recht angenehm zu hausen. Dafür ist aber noch eine gute Milliarde Jahre Zeit.

Das schwächste Glied der Kette reißt

Zu den Sternen zieht es uns also hin, egal, welche Probleme uns auf der Erde beschweren. Einen schweren Rückschlag hat die Raumfahrt aber heute vor 30 Jahren in Cape Canaveral erlitten. An einem klaren Wintertag explodierte nur kurz nach dem Start die Raumfähre Challenger - alle sieben Raumfahrer, darunter erstmals ein ziviler Gast, kamen dabei ums Leben und das ambitionierte Projekt der bemannten Raumfahrt für zwei Jahre zum Erliegen.

Schuld war bodenlose Schlamperei und das hartnäckige Ignorieren der Erkenntnis, dass eine Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Ausgerechnet bei an sich billigen Gummidichtungen hatte die NASA gespart und für die Feststoffraketen (Booster) die billigsten der billigen Dichtungen verbaut. In der Kälte der Nacht vor dem 28. Januar 1986 wurde das Gummi porös, an einer Nahtstelle trat heißes, brennendes Gas aus und schlitzte den Wasserstoff-Sauerstofftank des Space Shuttle wie ein Schneidbrenner auf. Resultat war eine Knallgasexplosion, der zu entkommen mit keiner denkbaren Sicherheitseinrichtung möglich war.

Die NASA lernte daraus und beging diesen speziellen Fehler nicht mehr. Die Behörde schlug aber Warnungen ihrer eigenen Sicherheitsexperten in den Wind, die mit einem Komplettverlust auf statistisch jeder 50sten Mission rechneten. Das Shuttle war eigentlich schon im Jahr 1986 veraltet, aber vernünftige Konzepte für Nachfolger nicht auf den Weg gebracht - eigentlich bis heute nicht, zumindest nicht von der staatlichen Weltraumagentur.

Die Mission der Challenger war die 25ste, bis ins Jahr 2011 hob noch 110 mal eine Fähre ab. Leider behielten die Statistiker ungefähr Recht, am 1. Februar 2003 ging die Columbia beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verloren, wie es euphemistisch heißt. Auch hier war Schlamperei im Spiel. Dass ein beim Start herunterfallendes Schaumstoffteil den Hitzeschild der Columbia beschädigt hatte, war im Kontrollzentrum schon am 16. Januar bekannt, dem ersten Tag der Mission 113. Die Information gelangte aber nicht an die zuständigen Stellen, was aber vermutlich eh keine Rolle spielte. Denn die Crew der Columbia war unrettbar verloren und wusste das nur zwei Wochen lang nicht. Unter Umgehung von Hierarchien mit einer genial-verrückten Idee den verlorenen Raumfahrer zu retten, funktioniert vorerst nur im Roman oder im Kino. Es sind vor allem menschliche Beharrungskräfte, Trägheit, Bequemlichkeit und Sturheit, die uns auf dem Boden halten. So werden wir nie zu Weltraumbürgern.

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