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Chef der British Telecom kritisiert EU-Pläne zur Telekom-Regulierung

30.06.2006 | 10:09 Uhr

Der britische Telekomkonzern BT kritisiert Pläne von EU-Kommissarin Viviane Reding, ehemalige Telekom-Monopolisten aufzuspalten. Der deutsche Branchenverband VATM begrüßt das Vorhaben.

"Ehrlich gesagt wäre es besser gewesen, wenn sie über allgemeine Prinzipien gesprochen hätte, statt ein Land als leuchtendes Beispiel hochzuhalten", sagte Vorstandschef Ben Verwaayen der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe). "Das funktioniert nie.".

EU-Kommissarin Reding hatte eine Trennung von Infrastruktur und Dienstleistungen angeregt und die BT Group als Paradebeispiel angeführt. Die Briten haben Teile ihres Netzes in eine Firma namens Openreach ausgelagert, die allen Wettbewerbern gleiche Zugangschancen gewähren soll. Im Gegenzug will der britische Telekom-Aufseher Ofcom BT demnächst aus der Regulierung entlassen.

Verwaayen hält das britische Modell nicht für generell übertragbar. "Es basiert auf einer Bereitschaft beider Seiten", sagte der BT-Chef. "Das ist etwas völlig anderes als in Brüssel zu sitzen und zu sagen 'hier ist das Modell, Mund auf, das drücke ich rein."

Zu Presseberichten, BT könne von der Deutschen Telekom übernommen werden, sagte Verwaayen: "Jedes Mal, wenn ich das in der Zeitung sehe, bin ich erstaunt". Er bezweifle, ob große, länderüberschreitende Akquisitionen Sinn machten. Kleinere Zukäufe schloss Verwaayen aber ebenso wenig aus wie die Möglichkeit, dass BT übernommen werden könnte. "Das Schöne am Markt ist, dass die Aktionäre verkaufen, wenn jemand genug bietet".

Der deutsche Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten ( VATM ) äußerte sich positiv zu den Plänen aus Brüssel. Die EU-Kommission zeige sich "unbeeindruckt von den Versuchen mehrerer europäischer ehemaliger Staatsunternehmen, im Breitbandmarkt neue Monopole errichten zu wollen", sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Die Kommission reagiere angemessen auf die Marktentwickler.

Im Konflikt um den Aufbau eines Hochgeschwindigkeits-Datennetzes (VDSL) hat EU-Medienkommissarin Viviane Reding die Bundesregierung kritisiert. "Wir werden ungeduldig bei Nichtbeachtung der EU-Regeln", sagte Reding am Donnerstag in Brüssel. Sie wird Wirtschaftsminister Michael Glos am nächsten Donnerstag in Berlin treffen. Nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen sollen dabei Lösungen zur Entschärfung des monatelangen Konflikts gesucht werden.

Bei EU-Kommissarin Reding stößt die Neufassung des deutschen Telekommunikationsgesetzes (TKG) auf Ablehnung. "Deutschland ist auf dem schlechten Weg und stellt sich selbst ein Bein", sagte Reding. Sie wirft der deutschen Regierung vor, die Neufassung begünstige einseitig die Deutsche Telekom, deren VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz für eine befristete Zeit von der Regulierung durch die Bundesnetzagentur ausgenommen werden soll. Reding hatte bereits mit rechtlichen Schritten gedroht, falls das Gesetz nicht geändert (dpa/uka)

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