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Die Stadt der falschen iPhones

31.03.2010 | 09:55 Uhr |

Die chinesische Stadt Shenzen ist einer der Eckpfeiler des chinesischen Industriebooms. Hier entsteht Elektronik für die ganze Welt. Auch Produktfälscher haben hier hohe Verbreitung. So findet man ein Macbook Air aus Plastik und etliche falsche iPhones.

iPhone Fälschung China08
Vergrößern iPhone Fälschung China08

Eine Macbook-Air-Kopie mit Windows, ein Tablet-Computer, der wie ein riesiges iPhone aussieht, derlei Skurrilitäten findet man in der chinesischen Industriestadt Shenzen. Teso, ein Elektronikhersteller aus dieser südchinesischen Region, zeigt diese Kopien als offizielle Produkte auf einer Messe Mitte März. Das falsche Macbook Air kann man sogar schon seit mehr als einem Jahr kaufen.

Die Tablet-Modelle sollen jetzt folgen. Die Version, die an ein iPhone erinnert, hat die Formgebung von Apples Smartphone detailgenau übernommen; von der Rückseite bis zum Home-Button unter dem Bildschirm. Der Unterschied: Mit zehn Zoll Displaydiagonale, einem Intel-Prozessor der Atom-Reihe und Windows XP als Betriebssystem hat dies weder mit dem iPad , noch mit dem iPhone mehr als die Optik gemeinsam.

"Wenn man etwas kopiert, dann kopiert man das Teuerste und das Beste", sagt Teso-Sprecher Wu auf der Messe in Shengzen, als er auf die unübersehbaren Ähnlichkeiten zwischen Tesos Geräten und Apples Produkten angesprochen wird. Shenzen ist das Zentrum der chinesischen Elektro-Plagiate. Hier sitzen sowohl offizielle Auftragshersteller, die Elektronik für westliche Firmen herstellen, als auch Kopierer, die gleichzeitig Plagiate der gleichen Produkte auf den Markt werfen.

Gefälschte Elektrogeräte wie falsche iPhones sind in dieser Region weit verbreitet. Man findet sie in den typischen chaotischen Elektroläden, in denen man allerhand Elektronik kaufen kann. Diese kleinen Läden reihen sich oft durch ganze Einkaufsstraßen - ein Händler neben dem anderen.

Viele der Handys in diesen Läden sind iPhone-Kopien oder sind zumindest großzügig von Apple inspiriert. Manche tragen das Apple-Logo, andere haben Details wie das Clickwheel der iPods übernommen.

Dieses Macbook Air ist eine plumpe Fälschung.
Vergrößern Dieses Macbook Air ist eine plumpe Fälschung.

Teso verkauft nach eigenen Angaben rund 5.000 der falschen Macbooks mit Windows pro Monat. Dieses kostet 1.900 Yuan - etwa 210 Euro. Das echte Macbook Air kostet mindestens 1.400 Euro. Statt eines Alu-Gehäuses ist die Hülle hier aus weißem Kunststoff. Das Apfellogo im Displaydeckel, das Trackpad mit einer großen Taste und der Schriftzug "Macbook Air" lassen jedoch keinen Zweifel daran, was dieser Laptop darstellen soll.

"Probleme mit dem Zoll"

"In Amerika könnte ich dieses Modell nicht verkaufen", sagt Firmensprecher Wu und nennt "Probleme mit dem Zoll" als Grund dafür. Der Tablet-PC im iPhone-Gewand soll April auf den Markt kommen und unter 3.000 Yuan kosten, umgerechnet knapp 330 Euro. Das Aussehen sei laut Wu bewusst nicht identisch mit dem des iPhones, um Rechtsverletzungen zu vermeiden. "Das Erscheinungsbild von unserem Modell ist ähnlich, aber: das iPhone ist ein Handy", so der Sprecher von Teso.

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